#Gastbeitrag

Regelwerk für Startups: Scheitern, nein Danke

Die Geschäftsidee sollte verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Gründer müssen für ihre Idee brennen. Es muss eine Nachfrage geben und die Bereitschaft, die Lösung zu vergüten. Außerdem ist das richtige Timing entscheidend.
Regelwerk für Startups: Scheitern, nein Danke
Freitag, 8. November 2019VonTeam

Jährlich entschließen sich über eine halbe Millionen Menschen in Deutschland zu gründen. Das ist im Prinzip nicht sehr schwer und noch dazu sehr verlockend. Schließlich ist man dann sein eigener Chef und kann seine innovative Geschäftsidee so umsetzen, wie es einem gefällt. Erfolgreiche Startups wie N26, Lilium oder Blinkist motivieren zusätzlich. Leider zeigen die hohen Scheiterquoten von 90 % innerhalb der ersten Jahre, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Die Herausforderungen sind vielfältig und zahlreich. Worauf sollten Gründer unbedingt achten, um zu den erfolgreichen 10 % zu gehören?

Die richtige Idee zur richtigen Zeit

Die Geschäftsidee sollte verschiedene Voraussetzungen erfüllen: Gründer müssen für ihre Idee brennen. Mit Leidenschaft können sie ihre Produkte und Services besser verkaufen und Widerstände leichter überwinden. Es muss eine Nachfrage geben und die Bereitschaft, die Lösung zu vergüten. Außerdem ist das richtige Timing entscheidend. Oft kommen innovative Ideen auf den Markt, bevor dieser reif dafür ist. Das bedeutet dann eine lange Durststrecke ohne Umsatz und ein hohes Marketingbudget. Wer sich das nicht leisten kann, verschwindet wieder oder passt sein Produkt an. Gerade unerfahrene Gründer müssen offen für Ratschläge von Experten sein. Aber auch alte Hasen sollten den regelmäßigen Austausch mit Spezialisten suchen. Das erweitert den Horizont und kann helfen, Fehler rechtzeitig zu erkennen und zu korrigieren. Die Geschäftsidee sollte zudem skalierbar sein, um die Umsätze immer weiter zu steigern.

Einer für alle und alle für einen

Das richtige Team ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Je diversifizierter es ist, umso besser lassen sich alle nötigen Aufgaben bewältigen. Es sollte harmonieren, aber auch konstruktive Kritik erlauben. Am wichtigsten ist der respektvolle Umgang miteinander. Schlaue Gründer schaffen eine offene Feedbackkultur denn damit fördern sie neue Ideen und Lösungen. Wenn Kompetenzen im Team fehlen, kann man problemlos auf externe Spezialisten zurückgreifen. Oft ist das sogar kostengünstiger und effektiver als sich aufwendig um einen neuen Mitarbeiter zu bemühen, den man nur zeitlich begrenzt bräuchte und ansonsten fachfremd beschäftigen würde. Die eigenen Mitarbeiter sollten von Beginn an weiterentwickelt werden. Zudem sollten Regeln für Beförderungen frühzeitig eingeplant werden. Übrigens spricht in einem Startup nichts gegen zwei oder drei Hierarchieebenen – ganz im Gegenteil. Wenn sie richtig aufgezogen werden, schaffen sie ein effektives Arbeiten. Braucht eine junge Firma mehr als drei Ebenen, sollte die Effizienz dieser Struktur nochmal überdacht werden.

Geld oder Leben

Bei einer Fremdfinanzierung von Startups muss es eher heißen „Geld oder Stimmrecht“. Denn je nachdem, wie viel Fremdkapital benötigt wird, erhöht sich das Mitspracherecht des Kapitalgebers. So ist es, wenn Investoren als Gegenleistung Firmenanteile erhalten. Deswegen sollte man sich genau überlegen, wen man sich da ins Boot holt. Stimmen die Ansichten und die Erwartungshaltung überein? Sucht man sich einen reinen Geldgeber oder doch lieber jemanden, der zusätzlich noch seine Kompetenzen und sein Netzwerk beisteuert? Wenn die Zinsen so niedrig sind wie aktuell oder sogar noch ins Minus rutschen, ist auch ein Bankkredit äußerst attraktiv. Komplett unabhängig sind die Gründer, wenn sie alles aus eigenen Mitteln oder ihrem direkten Umsatz finanzieren können. Bei der Finanzierung muss man sich grundsätzlich überlegen, welchen Stellenwert Liquidität, Rentabilität oder Stimmanteile haben.

Marketing, aber bitte professionell

Zu den häufigsten Fehlern von Startups gehört die Vernachlässigung ihres Marketings. Sei es wegen fehlender Kompetenzen, zu knapper Budgets oder aufgrund der Einstellung „es läuft doch auch so“. Über eine solche Einstellung freut sich jeder Wettbewerber. Denn so schafft er es leicht, an seinem Konkurrenten vorbei zu ziehen, auch wenn er später auf den Markt kam. Keinesfalls sollte Marketing ohne ein tragfähiges Konzept betrieben werden. Dadurch wird das Budget ineffizient eingesetzt und damit verbrannt. Selbst wenn genug Geld da sein sollte, verliert man durch falsches Marketing wertvolle Zeit. Zu den wichtigsten Maßnahmen der ersten Stunde gehört das Branding. Das bezieht sich sowohl auf den Außenauftritt mit Logo und Website als auch auf das Gesicht der Firma. Dazu wird der charismatischste Gründer ausgesucht und vermarktet. Denn nichts wirkt bei Menschen nachhaltiger als eine Firma mit Persönlichkeit. 

Kurz und knapp

Das sind nur ein paar Punkte, auf die Gründer gleich zu Beginn achten sollten. Während der weiteren Entwicklung werden ständig neue hinzukommen. Der Fokus wird sich immer wieder ändern. Deswegen muss die Unternehmensstrategie für jede Phase angepasst werden. Ein regelmäßiger Austausch mit Experten und ein permanentes Hinterfragen der Konzepte, Prozesse und Ideen erhöhen die Chance zu den erfolgreichen 10 % der Startups zu gehören.

Zur Autorin
Danielle Rietsch, ist Change- und Marketing-Beraterin.

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Foto (oben): Shutterstock