#Interview “Mittlerweile bringen wir 60.000 Kunden die Einkäufe nach Hause”

Lebensmittel über das Internet zu verkaufen, ist nicht einfach. Picnic will beweisen, dass es geht! In Nordrhein-Westfalen beschäftigt das Unternehmen bereits 600 Mitarbeiter. "Wir haben einen richtig guten Start hingelegt", sagt Frederic Knaudt, der Picnic in Deutschland führt.
“Mittlerweile bringen wir 60.000 Kunden die Einkäufe nach Hause”

Der Online-Supermarkt Picnic, der aus den Niederlanden stammt, expandiert derzeit fleißig in Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen. “Wir sind vor 18 Monaten in Deutschland mit unserem ersten Standort in Neuss gestartet. Mittlerweile erreichen wir von 10 Standorten 30 Städte, haben ein Team von 600 Mitarbeitern aufgebaut, und bringen 60.000 Kunden die Einkäufe nach Hause”, sagt Frederic Knaudt, der Picnic in Deutschland führt. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Knaudt über Lieferzeitslot, kleinere Städte und die letzte Meile.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Picnic erklären?
Picnic ist wie der Milchmann von früher, nur in der modernen Version. Wir bieten ein volles Supermarkt Sortiment mit tausenden Produkten zu den gleichen Preisen wie im Laden. Damit es sich jeder leisten kann, ist die Lieferung ab einem Mindestbestellwert von 25 Euro immer gratis. Bestellt wird bequem übers Handy oder Tablet, was ja mittlerweile auch für viele Großmütter kein Problem mehr ist. Unsere Fahrerinnen und Fahrer fahren umweltschonend im Elektroauto vor und tragen alles bequem nach Hause. Lange warten muss man übrigens nicht, weil Picnic im 20 Minuten Lieferzeitfenster liefert.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Im Grunde genommen sind wir ganz einfach ein Online-Lebensmittelhändler. Wir führen ein volles Supermarkt-Sortiment, welches von unseren Kunden über die Picnic App bestellt werden kann. Unsere Zulieferer beliefern unser zentrales Kühllager täglich frisch und mengengenau basierend auf den Kundenbestellungen. Im Lager werden alle Kundenbestellungen bereits fertig kommissioniert und weiter in unsere Hubs transportiert. Die rund 1.000 Quadratmeter großen Hubs befinden sich möglichst zentral in den Städten. Dort werden die Bestellungen lediglich auf unsere Elektroautos umgeschlagen. Die letzte Meile, also die Lieferung zum Kunden erledigen wir dann mit unseren eigenen Fahrern, bzw. wir wir sagen “Runner”. Um die Auslieferung möglichst effizient zu gestalten, bieten wir jedem Kunden pro Tag genau einen Lieferzeitslot an und bündeln dann alle Bestellung aus einer Straße oder Nachbarschaft an dem Tag in einer Tour. Das Zeitfenster für den Kunden beträgt dabei lediglich 20 Minuten. Das führt dazu, dass wir extrem günstig sind, Verkehr, CO2 einsparen und unserem Kunden als einziger Anbieter in Deutschland die Lieferung gratis anbieten können.

Am Lebensmittelhandel im Netz sind schon etliche Startups aber auch etablierte Firmen verzweifelt. Was macht ihr anders?
Wir Deutsche gehen im Schnitt zwei- bis dreimal mal pro Woche in den Supermarkt, stehen Schlange, schleppen Tüten, fahren mit dem Auto. Und all das, um zu 80% immer die gleichen Artikel zu kaufen. Die meisten würden sich liebend gerne einmal pro Woche bequem alles nach Hause liefern lassen. Allerdings achten wir bei Lebensmitteln im allgemeinen sehr genau auf den Preis. Die meisten Anbieter am Markt verlangen für die Lieferung allerdings fünf bis sieben Euro, weshalb aus diesem Service automatisch ein Premium-Angebot für die wohlhabende Nische wird. Dazu kommt, dass die üblichen Lieferzeitfenster von zwie bis vier Stunden viele davon abhalten so einen Service regelmäßig zu nutzen. Das führt also dazu, dass wir seit Jahren bei 1 bis 2 % Online Anteil rumdümpeln. Mit dieser Erkenntnis und einem weißen Blatt Papier haben sich die Gründer aus Holland überlegt, wie denn der optimale Online-Supermarkt funktionieren sollte, um für die breite Masse attraktiv zu sein. Das Ziel war es einen möglichst effizienten Weg zu finden vielen Haushalten einmal pro Woche den Einkauf nach Hause zu liefern und das ganze kombiniert mit einem extrem zuverlässigen Service. Picnic hat dabei viele neue und eigene Lösungen entwickelt – von unserer Software-Plattform, Fulfilment-Centern, bis zum Auslieferfahrzeug, haben wir alles perfekt auf die Lieferung von Lebensmitteln abgestimmt. Neben der Effizient, sehen unseren Kunden auch einen echten Mehrwert darin, dass ein Einkauf bei Picnic auch deutlich nachhaltiger ist im Vergleich zum Einkauf im traditionellen Supermarkt.

Im Gegensatz zu vielen Startups und Grownups setzt ihr bei eurer Expansion gezielt auf das Ruhrgebiet. Warum gerade das Revier?
Wie schon gesagt, war es unser Ziel eine Lösungen für möglichst viele Haushalte zu finden. NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland ist daher für uns der logische Startpunkt gewesen. Die Nähe zu Holland ist natürlich für den Start auch von Vorteil.

Sind Hamburg, Berlin, München, Köln und Co. für euch nicht spannend?
Im Gegensatz zu den meisten Anbietern, haben wir bewusst nicht in einer dieser Städte begonnen, weil schließlich die Mehrheit der Menschen in kleineren Städten wohnt. Wir registrieren aber auch schon eine starke Nachfrage in den Großstädten und können uns vorstellen auch dort in Zukunft vielen Haushalten den Einkauf einmal pro Woche gratis nach Hause zu liefern.

Vor Picnic hast du in Berlin das Kochboxen-Startup Kochzauber hochgezogen. Welche Erfahrungen aus der Zeit fehlen Dir bei Picnic?
Ich vergleiche das eine nicht mit dem anderen. Kochzauber war für mich eine super Erfahrung, die ich mit einem tollen Team machen durfte. Picnic bringt nochmal ganz andere, neue Chancen mit sich und ich bin extrem dankbar bei dem Aufbau mitwirken zu dürfen.

Picnic kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Wie unabhängig führst Du den deutschen Ableger?
Wir sind ein breit aufgestelltes Team in Deutschland von dem ich ein Teil bin. Wir haben in der Startphase sehr viel unabhängig gearbeitet, weil wir nicht den Fehler begehen wollten einfach davon auszugehen, dass in Deutschland alles genauso funktioniert wie in den Niederlande. Zum Glück hat es sich gezeigt, dass doch vieles ähnlich läuft. Mittlerweile arbeiten wir in den einzelnen Teams sehr eng zusammen und sehen uns als ein Picnic, weil wir gemeinsam schneller und besser vorankommen.

Der Einzelhändler Edeka ist am deutschen Picnic-Ableger beteiligt. Wie kam es dazu?
Die Edeka Rhein-Ruhr ist unser Einkaufspartner, über den wir einen Großteil unseres Sortiments beziehen. Für uns war von Anfang an klar, dass wir in dem Bereich einen starken Partner brauchen, der uns Zugriff, Konditionen, Volumina, und Qualität gewährleisten kann, und mit dem wir auch langfristig wachsen können. Mit der Zusammenarbeit mit der Edeka Rhein Ruhr könnten wir nicht zufriedener sein.

Wo steht Picnic in einem Jahr?
Wir sind vor 18 Monaten in Deutschland mit unserem ersten Standort in Neuss gestartet. Mittlerweile erreichen wir von 10 Standorten 30 Städte, haben ein Team von 600 Mitarbeitern aufgebaut, und bringen 60.000 Kunden die Einkäufe nach Hause. Wir haben einen richtig guten Start hingelegt, planen aber weiterhin Schritt für Schritt. Am wichtigsten ist uns dabei, dass die Kunden auch weiterhin so begeistert und zufrieden mit unserem Service sind. Dann können wir mit Picnic noch einiges erreichen.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

Einhörner an der Emscher?! #BUCHTIPP

Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher – Startups im Ruhrgebiet“ erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Viele mutige Ruhrgebietler setzten in den vergangenen Jahren ihre Ideen um und gründeten eigene Unternehmen. Diese spannenden Startups sind aber oftmals in der Region nicht bekannt. Das will dieses Buch ändern! Jetzt bestellen!

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.