#Interview “Die Menschen im Pott brauchen dieses ganze hippe Auftreten nicht”

Bannerkönig produziert seir 2017 Banner, Fahnen und Folien nach Kundenwunsch – egal in welcher Größe und Form im Digitaldruck. Und zwar in Gelsenkirchen! "Eine richtige Szene gibt es hier nicht. Wir sind eigentlich alle 'Alleinkämpfer'", sagt Bannerkönig-Macher Selcuk Günes.
“Die Menschen im Pott brauchen dieses ganze hippe Auftreten nicht”

Ein klassisches Industriegebiet, wie es sie viele in Deutschland gibt. Etwas außerhalb gelegen. LKWs stehen auf Parkplätzen, es reiht sich Halle an Halle. Die Eingänge zu den Bürogebäuden ähneln sich in ihrer tristen und unscheinbaren Art. Den richtigen Aufgang zu einer der größten Firmen für Digitaldruck zu finden, ist daher nicht leicht. Denn statt eines großen bunten Banners weist lediglich ein kleines Schild auf den Sitz von Bannerkönig hin. Dabei ist der Name doch Programm: Kaum ein anderes Unternehmen könnte sich so ein großes Werbeplakat drucken.

Bannerkönig produziert nämlich Banner, Fahnen und Folien nach Kundenwunsch – egal in welcher Größe und Form im Digitaldruck. Seit 2017 betreiben Selcuk Günes, Jahrgang 1981, und sein Bruder Serkan, Jahrgang 1985, das Unternehmen mit Hauptsitz und Produktionsstätten mitten im Industriegebiet von Gelsenkirchen-Schalke. Die ganze Geschichte von Bannerkönig kann jeder in unserem Buch #EmscherEinhörner nachlesen. Im Ruhr-Interview mit deutsche-startups.de spricht Bannerkönig-Mitgründer Selcuk Günes aber nun erst einmal ausführlich über die Startup-Szene in Gelsenkirchen und im Ruhrgebiet.

Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Es kommt drauf an, über welche Startups wir reden. In Berlin siedeln sich die meistens wegen der Geldgeber an. Und wenn das fremde Geld dann mal weg ist, macht man das nächste Projekt. Im Ruhrgebiet gibt es noch die „Malocher“, die hart für ihre Unternehmen und für ihr Geld arbeiten. Zudem brauchen die Menschen im Pott dieses ganze hippe Auftreten nicht, hier geht es um ehrliche und zuverlässige Arbeit. Berlin ist ja erst seit ein paar Jahren „cool“, das Ruhrgebiet steht aber schon seit über hundert Jahren für hartes und erfolgreiches Arbeiten.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Gelsenkirchen aus?
Eine richtige Szene gibt es hier nicht. Wir sind eigentlich alle „Alleinkämpfer“.

Was ist in Gelsenkirchen einfacher als im Rest der Republik?
Hier findet man viele günstig anzumietende Büro- und Hallenflächen und hat eine gute Verkehrsanbindung.

Was fehlt in Gelsenkirchen bzw. im Ruhrgebiet noch?
Sicherlich noch eine verbesserte Kommunikation zwischen den Städten untereinander – Kommunen und Unternehmen – und das Zusammenspiel der Unternehmen, wenn es um Knowhow-Transfer geht.

Zum Schluss hast du drei Wünsche frei: Was wünscht du dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Flächendeckend kostenlosen Internetzugang mit Glasfaser; europaweit mehr Gehör für den Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet schaffen; mehr Initiative von den Stadtverwaltungen, Startups kostenfrei und intensiv zu begleiten und zu fördern.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

Einhörner an der Emscher?! #BUCHTIPP

Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher – Startups im Ruhrgebiet“ erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Viele mutige Ruhrgebietler setzten in den vergangenen Jahren ihre Ideen um und gründeten eigene Unternehmen. Diese spannenden Startups sind aber oftmals in der Region nicht bekannt. Das will dieses Buch ändern! Jetzt bestellen!

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

 

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.