#Interview “Außenstehende bekommen den Wandel gar nicht mit”

"Wir bemerken immer wieder, wie das Ruhrgebiet von Berlinern, Hamburger oder Münchnern ganz klar unterschätzt wird. Irgendwie bekommen Außenstehende diesen Wandel von der Kohlehauptstadt zum digitalen Ballungszentrum gar nicht mit", sagt Genia Lewitzki, Gründer von WG Held.
“Außenstehende bekommen den Wandel gar nicht mit”

Zu jeder guten Studentenzeit gehören Partys! Das Essener Startup WG Held, das 2014 an den Start ging, setzt genau an diesem Punkt an. Die Jungfirma, die von Chuong Nguyen und Genia Lewitzki gegründet wurde, versorgt Partys, insbesondere Feierlichkeiten in studentischen Wohngemeinschaften, mit Getränken und Snacks – und zwar komplett kostenlos. “Wir platzieren die Produkte unserer Kunden durch unsere studentischen Markenbotschafter, die Campus-Helden, in den privaten vier Wänden der Studenten”, erklärt Mitgründer Lewitzki das simple, aber erfolgreiche Konzept seines Unternehmens. Im Ruhr-Interview spricht WG Held-Macher Lewitzki über die Startup-Szene im Ruhrgebiet.

Reden wir über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Abgesehen von der einzigartigen und herzlichen Mentalität, den günstigen Wohnräumen, dem vielen Grün, der multikulturellen Vielfalt und den unzähligen Studenten, die jedes Stadtbild prägen, würden mir noch locker mindestens hundert weitere Gründe einfallen, wieso wir diesen Standort gewählt haben. Wir sehen das Ruhrgebiet als ein großes Ganzes, quasi das größte Ballungszentrum Deutschlands: somit ist es für uns eine Startup Szene die weitaus größer ist als „nur“ Berlin.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Essen aus?
Auf den ersten Blick ist es erst mal sehr überschaubar, setzt man sich jedoch etwas intensiver mit der Entwicklung auseinander, bemerkt man schnell, mit was für einem
Tempo das Ganze voranschreitet. Ob Ruhr:Hub, die EWG: Die einzelnen Akteure setzen sich sehr engagiert für die Startup-Szene ein.

Was ist in Essen einfacher als im Rest der Republik?
Die Infrastruktur in Essen ist einfach nur einmalig. Man kommt von hier aus blitzschnell überall hin. Ich brauche von unserem Office ganz genau entspannte 15 Minuten, um in meiner Wohnung in Bochum zu sein, weitere 10 Minuten um in Dortmund, um die Häuser zu ziehen, und weitere 20 Minuten, um in Düsseldorf an der Rheinpromenade zu chillen. Dies ist auch einer der Gründe, wieso das Netzwerkeln in Essen so unheimlich gut funktioniert.

Was fehlt in Essen bzw. im Ruhrgebiet noch?
Also wir sind rundum glücklich! Wir bemerken jedoch immer wieder, wie das Ruhrgebiet von Berlinern, Hamburger oder Münchnern ganz klar unterschätzt wird. Irgendwie bekommen Außenstehende diesen Wandel von der Kohlehauptstadt zum digitalen Ballungszentrum gar nicht mit. Am Ruhrgebietsimage könnte man auf jeden Fall noch etwas basteln, ganz nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber.

Zum Schluss hast Du hast drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Bessere Kommunikation zwischen den jeweiligen Kommunen und Städten – weniger Ellbogenverhalten. Zweitens: Noch mehr Formate wie den RuhrSummit, der unheimlich gut und wertvoll für das Ruhrgebiet ist. Drittens: Eine noch bessere Förderung von jungen, ambitionierten Menschen, die Bock haben was zu bewegen!

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

Einhörner an der Emscher?! #BUCHTIPP

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Foto (oben): WG Held

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.