#Interview “Wir haben unterschätzt, dass die Entwicklung von Hardware sehr zeitintensiv ist”

"Wir wollen mit unseren Robotern Kinder für MINT-Berufe begeistern", sagt Anna Iarotska von Robo Wunderkind. "Wir haben bis dato über 6.000 Roboter verkauft und haben circa 5.000 private Nutzer bzw. über 200 internationalen Bildungseinrichtungen sind unsere ersten Kunden".
“Wir haben unterschätzt, dass die Entwicklung von Hardware sehr zeitintensiv ist”

Mit Robo Wunderkind können schon ganz kleine Zeitgenossen lernen, wie Roboter funktionieren. “Anfangs setzten wir hauptsächlich auf den Verkauf an Eltern. Später haben wir gesehen, dass die Nachfrage auf der Seite von Schulen wächst. Dabei zählt die Akzeptanz beim Lehrpersonen zu den größten Herausforderungen”, sagt Anna Iarotska, die das Wiener Satrtup gemeinsam mit Rustem Akishbekov und Yuri Levin gegründet hat. Das 2014 gegründete Unternehmen beschäftigte zuletzt 15 Mitarbeiter und erwirtschaftete seit dem Start 1 Million Umsatz. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründerin Iarotska über Lehrumgebungen, Produktentwicklung und Weihnachten.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Robo Wunderkind erklären?
Wir haben mit Robo Wunderkind Module entwickelt, die sich wie Legosteine zusammensetzen lassen. Selbst die ganz Kleinen können daraus Roboter bauen, sie programmieren und spielerisch lernen. Mit Apps lassen sich die Roboter steuern und programmieren. Dabei werden Aktionen in einer von den Kids festgelegten Reihenfolge ausgeführt: Einen bestimmten Streckenabschnitt fahren, Licht einschalten, über das Mikrofon Töne und Geräusche aufnehmen und abspielen, die Beschleunigung messen und vieles mehr. Dabei ist Robo Wunderkind nicht nur ein Zeitvertreib, sondern soll auch in Kindergärten und Schulen zum Einsatz kommen.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Anfangs setzten wir hauptsächlich auf den Verkauf an Eltern. Später haben wir gesehen, dass die Nachfrage auf der Seite von Schulen wächst. Dabei zählt die Akzeptanz beim Lehrpersonen zu den größten Herausforderungen. Aus diesem Grund haben wir die Roboter um ein Curriculum erweitert und damit eine Lehrumgebung geschaffen, die es PädagogInnen ermöglicht, einfach und simpel in die Thematik einzusteigen – auch wenn sie nie zuvor Robotik und Programmieren unterrichtet haben. Später wurde das Programmieren in die Lehrpläne einzelner Länder integriert. In der Schweiz beispielsweise, lernen Kinder ab der dritten Stufe in der Grundschule Programmieren. Die Pädagogischen Hochschulen leisten tolle Arbeit und treffen schnelle kompetente Entscheidungen, um Lehrpersonen und SchülerInnen neue Möglichkeiten zu geben. Das gibt uns Rückenwind und sorgt für eine viel Nachfrage und hohe Umsätze bei Schweizer Schulen.

Wie wichtig ist diese Zielgruppe für euch?
Es ist sehr schön zu beobachten, dass Robo Wunderkind sich zu einem variabel einsetzbaren Tool entwickelt hat. Derzeit kommen 50 % unseres Umsatzes aus dem Verkauf an private Haushalte und 50 % aus dem Verkauf an Bildungseinrichtungen. Da es sich um ein sehr intuitives und leicht verständliches Produkt handelt, ist die Begeisterung auch bei den Eltern sehr groß. Viele haben erkannt, dass digitale Bildung nur iterativ in der Schule integriert wird und sind deshalb dankbar für ein Produkt, das spielerisch und simpel ist. Auch wenn die Eltern selbst keine Experten sind, können ihre Kinder erste Erfahrungen sammeln und selbst zu Entwicklern werden.

Wie genau funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Wir verkaufen Roboter Sets, Apps und Lehr- und Lernmaterialien – Lernvideos für private Nutzer bzw. Lehrplan für Schulen – sind für unsere Nutzer im Preis inbegriffen. Wir haben einen Onlineshop und vertreiben unsere Sets über Amazon sowie über Schulausstatter in Deutschland, Österreich und der Schweiz und Partnerdistributoren in weiteren 14 Ländern. In Deutschland zählen Conrad, Betzold und Backwinkel zu unseren Partnern.

Wie genau hat sich Robo Wunderkind seit der Gründung entwickelt?
Wir sind 2014 gestartet, und haben 2015 eine Kickstarter-Kampagne gelauncht. Hier sammelten wir 246.000 Dollar ein, die uns die Fertigstellung unserer Produktentwicklung ermöglicht haben. Die ersten Roboter erreichten Kunden Ende 2017. Wir haben bis dato über 6.000 Roboter verkauft und haben circa 5.000 private Nutzer bzw. über 200 internationalen Bildungseinrichtungen sind unsere ersten Kunden, von denen allein 50 im deutschsprachigen Raum ansässig sind. Sie kaufen unser Education Kit und integrieren es in ihren Unterricht, um die Themen Robotik und Coding mit Spaß und Leichtigkeit an die Kinder zu vermitteln. Wir stellten früh fest: der Markt und das Interesse an Spielzeug, das technisches Verständnis bereits im frühen Alter fördert, wachsen sehr schnell. Und auch Institutionen und PädagogInnen sind auf der Suche nach Lösungen. Robo Wunderkind passt zu diesem Bedarf, da es erstmals Robotik und Coding auf wortwörtlich kinderleichte Art miteinander verbindet. Modulare Alternativen, die Kinder selbst in die Rolle der Entwickler und Programmierer versetzen, gibt es auf dem Markt für unsere Altersstufe bisher keine. Wir sind gerade dabei unsere Vertriebskanäle weiter auszubauen. Dazu bauen wir weiterhin unsere nachhaltigen Vertriebspartnerschaften zu unseren Distributoren und Resellern in der DACH Region aus. Es ist uns wichtig, langfristig mit den passenden Partnern zu kooperieren und auch in Bezug auf unseren Vertrieb, höchste Qualität zu bieten. Durch die enormen Zuwächse in der Schweiz und der Entscheidung bezüglich des Digitalpakts in Deutschland, können wir sehr positiv in die Zukunft schauen und mit großen Umsatzzuwächsen rechnen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Robo Wunderkind inzwischen?
15 Mitarbeiter, 1 Million Umsatz Euro bis dato.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir haben am Anfang unterschätzt, dass Hardware-Produktentwicklung sehr zeitintensiv ist. Man kann einige Phasen nicht beschleunigen. Das war schon ganz schön spannend, wann endlich die ersten Serienprodukte da waren. Aber genau diese Menge an Zeit und Energie, die Hardware Entwicklung braucht, schafft dann auch einen “competitive advantage”. Man kann einfach nicht von heute auf morgen ein Konkurrenzprodukt lancieren.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Es war definitiv ein wichtiger Schritt, das richtige Alter zu wählen. Ein Produkt für Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren zu entwickeln bringt nach genauer Betrachtung einige entscheidende Aspekte mit sich. Die Zeitspanne ist aus entwicklungspsychologischer Sicht als ein kritisches Lebensalter zu betrachten. Der Beginn des kognitiven Bewusstseins ist ein “window of opportunity” in dem die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten besonders gefördert werden kann.

Wo steht Robo Wunderkind in einem Jahr?
Wir wollen mit unseren Robotern Kinder für MINT-Berufe begeistern. Sie sollen dadurch die Möglichkeit kriegen diese neuen Inhalte auf spielerische Art und Weise zu erfahren. Natürlich müssen wir dazu noch mehr Kinder erreichen als dies jetzt der Fall ist. In einem Jahr möchten wir deshalb auf dem ersten Platz der Wunschliste für Weihnachten stehen und zusätzlich in tausenden Schulen in Deutschland und anderen Ländern integriert sein.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.