#Interview Nach zwei Pivots funktioniert JobMatchMe endlich!

"Wir haben zweimal pivotiert - das war nicht immer leicht aber notwendig. Rückblickend fragen wir uns manchmal 'Wie sind wir damals auf die Idee gekommen, eine zwei-Marken Strategie zu verfolgen?' Das hat uns damals leider viel Zeit und Geld gekostet", sagt Daniel Stancke von JobMatchMe.
Nach zwei Pivots funktioniert JobMatchMe endlich!

Das Hamburger Startup JobMatchMe ging 2017 mit den beiden Plattformen TruckJobs und TruckPro an die Start. Die erste Plattform richtete sich an Brummi-Fahrer, die eine Spedition suchen, die andere Plattform an Speditionen, die Fahrer suchen. Inzwischen hat die Jungfirma zwei größere Pivots hinter sich. Zunächst einmal änderte sich das Finanzierungsmodell von einem Transaktions- zu einem Subscription-Modell. Danach folgte der Wechsel auf die alleinige Marke TruckJobs.

“Mittlerweile bündeln wir unsere Kräfte unter der Marke truck-jobs.com und seitdem schießen die Registrierungen in die Höhe”, sagt Mitgründer Daniel Stancke im Interview mit deutsche-startups.de. Jetzt funktioniert das Modell also! “Wir sind aktuell 18 feste Mitarbeiter, im Jahr 2018 haben wir einen Umsatz von 1,1 Millionen gehabt. Mit unserem Proof-of-Concept truck-jobs.com haben wir knapp 1.000 Geschäftskunden von denen gegenwärtig 200 aktive Stellenprofile haben. Dass klappt so gut, dass sich bereits gut 90.000 Fahrer registriert haben und circa 6.000 monatlich dazu kommen”, führt Stancke weiter aus. Im Interview spricht er außerdem über Marktplatzlogiken, die fehlgeschlagene Zwei-Marken Strategie und die Erweiterung auf andere Berufsgruppen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter JobMatchMe erklären?
JobMatchMe hilft Fachkräften einen passenden Job zu finden. Das erreichen wir, indem Kandidaten online wenige Fragen beantworten, aus diesen wird der passende Arbeitgeber berechnet. Mit einem Klick kann man dann seine Daten weiterleiten. JobMatchMe macht es Fachkräften einfach, den passenden Job zu finden: Ohne Durchforsten von Stellenbörsen, Lebensläufen und Anschreiben. Die erste Marke von JobMatchMe ist truck-jobs.com – Jobmatching für LKW-Fahrer und Arbeitgeber.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Wir haben zwei mehr oder weniger starke Pivots hingelegt. 2016 starteten wir mit einem klassischen Vermittlungsmodell für LKW-Fahrer und Arbeitgeber. Wir haben die Passung manuell ermittelt und den Kontakt hergestellt. Die Bezahlung wurde dann nach Einstellung eines Kraftfahrers fällig.

Warum habt ihr euch von diesem Modell verabschiedet?
Das war sehr aufwendig und hat häufig dazu geführt, dass eigentlich passende Kandidaten nicht eingestellt wurden, da Unternehmen die Provision vermeiden wollte. Das ist ein häufiges Problem von Personalvermittlern, ob online oder analog. In zu vielen Fällen stellen Sie ein Hindernis dar, anstatt das beste Match zwischen Arbeitnehmer- und geber zu erreichen. 2017 haben wir das Geschäftsmodell verändert: Weg vom Transaktions- und hin zum Subscription Based Model. Geschäftskunden haben nun eine monatliche Fee bezahlt und unbegrenzt Matches erhalten. Damals hatten wir zwei Marken: TruckJobs für Berufskraftfahrer und TruckPro für Geschäftskunden. Da sich durch die Marktplatzlogik die Marken kannibalisierten, haben wir 2018 ein weiteres mal pivotiert und alles auf die Marke TruckJobs gesetzt. Mittlerweile bündeln wir unsere Kräfte unter der Marke truck-jobs.com und seitdem schießen die Registrierungen in die Höhe.

Wie genau funktioniert euer jetzt Geschäftsmodell?
Wir sprechen über alle Channel hinweg aktiv und passiv suchende Kandidaten an. Diesen stellen wir drei Fragen: Was kannst du? Was bietest du? Wie tickst du? Das alles klickbar und ohne Download einer App. In Echtzeit berechnen wir den Kandidaten die best passenden Arbeitgeber. Nun können sie Angebote liken – der Arbeitgeber des gelikten Job-Offers erhält das Profil des Fahrers – das Match – in sein Dashboard und kann Kontakt aufnehmen. Für LKW-Fahrer ist die Nutzung kostenlos, Geschäftskunden zahlen durchschnittlich pro Jobprofil Monat 500 Euro – für unbegrenzt viele Matches.

Wie genau hat sich JobMatchMe seit der Gründung entwickelt?
Wir hatten von Anfang an einen sehr starken Fokus auf die Arbeitnehmer. Wir haben anfangs von den Speditionen zu hören bekommen: “Ist ja toll, dass Ihr LKW-Fahrer für uns finden wollt, denn die sind wirklich Mangelware. Nur, wenn wir mit 20 Jahren Branchenerfahrung das nicht schaffen, dann werdet Ihr erst recht nicht schaffen.” Wir mussten erst einmal beweisen, dass wir dazu in der Lage sind. Das ist uns dann vor allem durch die responsive Webseite gelungen. Denn natürlich sind die meisten – vor allem kleineren Speditionen – nicht in der Lage die Arbeitssuchenden über eine mobile Plattform anzusprechen. Damit hatten wir eine erste wichtige Hürde genommen. Mit diesem Ansatz und den beschriebenen Pivots haben wir es dann geschafft und die Nutzerzahlen haben sich derweil ziemlich konsequent pro Jahr verfünffacht. Nachdem wir es geschafft hatten, die LKW-Fahrer für unsere Seite zu begeistern ging es dann darum, das Matching zwischen Fahrern und Geschäftskunden Schritt für Schritt vom manuellen Telefonieren zur Automatisierung zu bringen. Mittlerweile haben wir das auch vollständig etabliert und matchen nur noch vollautomatisch.
Jetzt sind wir dabei auch den Geschäftskundenbereich voll zu automatisieren. Das ist im B2B-Bereich natürlich ein wenig aufwendiger. Außerdem beginnen wir jetzt mit der Internationalisierung sowie mit einem MVP für eine neue Berufsgruppe.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist JobMatchMe inzwischen?
Wir sind aktuell 18 feste Mitarbeiter, im Jahr 2018 haben wir einen Umsatz von 1,1 Millionen gehabt. Mit unserem Proof-of-Concept truck-jobs.com haben wir knapp 1.000 Geschäftskunden von denen gegenwärtig 200 aktive Stellenprofile haben. Dass klappt so gut, dass sich bereits gut 90.000 Fahrer registriert haben und circa 6.000 monatlich dazu kommen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Naja, wir haben zweimal pivotiert – das war nicht immer leicht aber notwendig. Rückblickend fragen wir uns manchmal “Wie sind wir damals auf die Idee gekommen, eine zwei-Marken Strategie zu verfolgen?” Das hat uns damals leider viel Zeit und Geld gekostet. Mittlerweile blicken wir alle mit einer Prise Humor auf einige damalige Entscheidungen.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben immer auf eine sehr starke Lern- und Fehlerkultur im Team geachtet. Außerdem leben wir als Team unsere Mission: “Jeder soll den Job bekommen, den er liebt.” Diese Kombination so zu haben und zu leben, ist glaube ich ein großer Erfolg. Das haben wir recht gut hinbekommen. Außerdem, auch wenn es schon fast platt ist, steht immer das Customer-Centric Thinking und Acting im Vordergrund. Das sich alle circa sieben Minuten ein Fahrer bei uns registriert, kommt nicht von ungefähr.

Wo steht JobMatchMe in einem Jahr?
Wir werden bewiesen haben, dass truck-jobs.com auch international in Polen funktioniert. Außerdem waren Trucker nur der erste Schritt, also unser Proof of Concept. In einem Jahr haben wir auf jeden Fall zwei weitere Berufsgruppen im Matching. Unser Ziel ist ja schließlich den gesamten Recruiting-Markt für Fachkräfte neu zu definieren.

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Foto (oben): JobMatchMe

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.