#Interview “Wir hatten uns anfangs sehr ambitionierte Expansionspläne gesetzt”

"Wir wollen Deutschland und Europa helfen, in Sachen digitale Technik wieder vorne mitzuspielen", sagt Kaya Taner, Mitgründer von Honeypot. "Dafür bauen wir unser Netzwerk an IT-lern noch weiter aus und wollen das Geschäft in Deutschland intensivieren und ins Ausland expandieren".
“Wir hatten uns anfangs sehr ambitionierte Expansionspläne gesetzt”

Vor rund vier Jahren hievten Kaya Taner und Emma Tracey das Startup Honeypot ins Netz. Inzwischen wirkten 50 Mitarbeiter für die Jungfirma, eine “tech-fokussierte Job Plattform”. Bekannte Firmen wie Zeiss, ProSiebenSat1 und zalando setzen auf Honeypot. Die Ziele von Taner und Co. sind groß. “Wir wollen die weltweit größte Community rund um das Arbeitsleben von IT-ler kreieren”, sagt Taner. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Honeypot-Macher außerdem über Hidden Champions, bewerberfreundliche Prozesse und Coding Kurse.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Honeypot erklären?
Im Rahmen der Digitalisierung wird es für Firmen immer wichtiger digital mit dabei zu sein. Egal, ob junges Unternehmen oder alteingesessener Platzhirsch: Alle brauchen dafür IT-ler, also Software Ingenieure, Produktmanager oder Data Scientists. Die Herausforderung liegt darin, diese Fachkräfte und die Unternehmen zusammenzubringen. Genau dabei helfen wir.

Inwiefern?
Über unsere Plattform bewerben sich Unternehmen bei den Top 10 Prozent der IT-Fachkräfte am Markt. Für beide Seiten sind wir dabei nicht nur Vermittler, sondern gleichzeitig Partner und Berater.

Hat sich euer Konzept seit dem Start verändert?
Der Service und die Lebenslaufberatung für Talente sind kostenfrei. Unternehmen zahlen, wenn sie über Honeypot einstellen: in unserem “Pay-as-you-go Modell” 15 % Kommission des ersten Bruttojahresgehaltes oder aber signifikant reduzierte Raten durch unser Loyalty-Pricing für Stammkunden. Diese letzte Gruppe erhält zusätzliche Unterstützung wie kostenfreie, auf IT-Talente zugeschnittene Employer-Branding-Videos, Marktdaten, Workshops und Beratung im Hinblick auf Recruitingprozesse. Wir haben unsere Vision – gerade mit Blick auf den Gemeinschaftsaspekt der IT-Branche – seit der Gründung nochmal weiterentwickelt. Wir wollen die weltweit größte Community rund um das Arbeitsleben von IT-ler kreieren. Das machen wir zum einen durch unsere Plattform, zum anderen durch beispielsweise eigene Eventreihen wie GraphQL Conf mit etwa 1.000 erwarteten Besuchern dieses Jahr, Open-Source-Projekten und Video-Dokumentationen. Kürzlich war der Release unseres zweiten Tech-Dokumentarfilms. Die nächste Doku ist für Q2 schon in den Startlöchern.

Wie genau hat sich Honeypot seit der Gründung entwickelt?
Der IT-Fachkräftemangel in Deutschland ist laut Branchenverband Bitkom seit unserem Gründungsjahr in 2015 um über 90 % gestiegen. In diesem Kontext haben wir sowohl signifikante Service- als auch Produkterweiterungen vorgenommen. Am Anfang konnte man über Honeypot nur Software Ingenieure finden – heute gibt es auf der Plattform alle Rollen eines klassischen Tech-Teams, wie bspw. auch Produktmanager, QA-Tester und Data Experten. Produktseitig arbeiten unsere Data und Tech Teams kontinuierlich daran das Matching zwischen Firmen und Kandidaten zu verbessern.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Honeypot inzwischen?
Mittlerweile decken wir neun Ballungszentren in Deutschland und den Niederlanden ab und helfen über 1.500 Unternehmen vom Startup bis zum DAX-Konzern bei ihrer Suche nach IT-Talenten. 1.000 IT-ler melden sich durchschnittlich jede Woche bei uns an. Über 100.000 Fachkräfte sind derzeit in der Honeypot-Community. In unseren beiden Offices in Berlin und Amsterdam arbeiten mittlerweile 50 Honeypotter daran, tolle Jobs und gute Programmierer zusammenzuführen.

Momentan gebt ihr insbesondere im Rhein-Ruhr-Gebiet Gas. Wie ist eure Sicht auf die Region?
Das Gebiet hat viel Potential. Wir sehen immer mehr innovative Startups aus NRW und große, digitalisierende Konzerne und Hidden Champions gibt es ohnehin bereits. Die Landesregierung hat erst vor kurzem 150 Millionen Euro in Top-Gründer-Unis investiert, um junge Leute und neue Ideen zu fördern. Wir sind da, um solche Gründer sowie die größeren Unternehmen in der Region zu unterstützen, ihr technisches Team auf- und auszubauen.

Was ist dein ultimativer Rat an Gründer, die Mitarbeiter suchen?
Wir holen uns bei den Kandidaten strukturiert Feedback zum Bewerbungsprozess der einzelnen Unternehmen ein und können so helfen die Prozesse bewerberfreundlicher zu gestalten. Die dabei am häufigsten auftretenden Punkte sind mehr Transparenz im Bewerbungsprozess, konstantes Feedback und Aufmerksamkeit gegenüber den Kandidaten. Also sollte man beispielsweise vorab genau erklären, worum es im Wesentlichen bei der Rolle geht und welche Stufen es im Bewerbungsverfahren geben wird. Wenn es weitere Tests im Prozess gibt, dann sollte man mit dem Feedback schnell sein und sich nicht erst nach Wochen zurückmelden. Etwa ein Drittel der Angebote werden zugunsten anderer Angebote abgelehnt – die Geschwindigkeit ist hierbei einer der maßgeblichen Gründe.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir hatten uns anfangs sehr ambitionierte Expansionspläne für das Ausland gesetzt und wollten sofort in mehreren Märkten zugleich tatkräftig mitmischen. Allerdings hatten wir damals noch nicht das nötige Verständnis für das Business und einfach nicht die nötigen Ressourcen das zu stemmen. Als Gründer ist man schnell enthusiastisch bezüglich neuer Business Opportunities, aber der Fokus auf einige wenige Dinge ist extrem wichtig.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben von Anfang an bei Honeypot die Entwickler-Perspektive eingenommen und verstanden, dass die Jobsuche für sie oft noch frustrierender sein kann als für Unternehmen. Entwickler werden oft mit irrelevanten Angeboten von Headhuntern und Unternehmen überschwemmt, was nervig sein kann. Wir machen aus Prinzip keine Direktansprache der Kandidaten, dass heißt Entwickler bekommen von uns keine proaktiven persönlichen Nachrichten. Zudem haben wir uns auf Transparenz fokussiert. Praktisch bedeutet das, dass die Jobangebote bei uns direkt alle wichtigen Infos beinhalten, die für die Entwickler spannend sind und diese Angebote nur den Kandidaten vorgeschlagen werden, die gerade offen für eine neue Stelle sind. Außerdem achten wir darauf, dass unsere Mitarbeiter die Tech-Rollen verstehen: Wir bieten den Honeypottern selbst Coding Kurse, um das Verständnis zu fördern, haben Software-Projekte wie beispielsweise die Suchmaschine auf Honeypot als Open Source Projekt geöffnet und Dokumentarfilme kreiert.

Wo steht Honeypot in einem Jahr?
Wir wollen Deutschland und Europa helfen, in Sachen digitale Technik wieder vorne mitzuspielen. Dafür bauen wir unser Netzwerk an IT-lern noch weiter aus und wollen innerhalb des nächsten Jahres das Geschäft in Deutschland intensivieren und ins Ausland expandieren.

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Foto (oben): Honeypot

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.