#Interview “Wir haben unterschätzt, wie positiv unser Konzept ankommt”

"Wir wollen uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen und arbeiten daher kontinuierlich daran, weitere Verlage und Werbepartner von einer Kooperation mit uns zu überzeugen. Außerdem denken wir sehr konkret über eine Expansion ins Ausland nach", sagt Olaf Peters-Kim von Welect.
“Wir haben unterschätzt, wie positiv unser Konzept ankommt”

Das Düsseldorfer Startup Welect tritt an, um Menschen von nerviger Werbung zu befreien. Das Adtech-Startup will nur noch dann Werbung ausliefern, wenn Nutzern dies auch wirklich wollen. Sogar den einzelnen Werbespot können diese sich aussuchen. “Ich habe während meiner Zeit bei Mediacom festgestellt, dass sich die Werbebranche weltweit lieber mit Tech, Daten, den Giganten aus dem Valley und China, Voice und künstlicher Intelligenz beschäftigt, als darüber nachzudenken, wie wir den Menschen noch besser und nachhaltiger mit Werbebotschaften erreichen können”, sagt Olaf Peters-Kim, der das Unternehmen zusammen mit Philipp Dommers gegründet hat. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Peters-Kim zudem über Call the Midwife, Skandinavien und Fahrscheine.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Welect erklären?
Eine Nachbarin im Alter meiner Großmutter hat über die Serie Call the Midwife zu Netflix gefunden. Und da bei ihr auch Amazon-Pakete angeliefert werden, fällt mir eine Erklärung nicht schwer: Wir übertragen die Wahlmöglichkeiten, die sie bei Netflix, Amazon und Co. zu schätzen gelernt hat, auf eine Branche, die die Nutzer bisher vollständig fremdbestimmt hat – die Werbebranche. Welect ermöglicht es Nutzern, selbst entscheiden zu können, wann sie sich Werbung anschauen wollen und vor allem welche. Dadurch erreichen wir, dass Werbung mit der größtmöglichen Aufmerksamkeit angeschaut wird.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu Welect?
Ich habe während meiner Zeit bei Mediacom festgestellt, dass sich die Werbebranche weltweit lieber mit Tech, Daten, den Giganten aus dem Valley und China, Voice und künstlicher Intelligenz beschäftigt, als darüber nachzudenken, wie wir den Menschen noch besser und nachhaltiger mit Werbebotschaften erreichen können. Mir war das Thema sehr wichtig und als ich feststellte, dass Philipp sich mit einem ähnlichen Thema befasste, beschlossen wir das Projekt gemeinsam anzugehen.

Hat sich euer Konzept seit dem Start verändert?
Große Bekanntheit erlangte Welect 2016 durch die App WelectGo, mit der ÖPNV-Nutzer in Düsseldorf Fahrscheine durch den Konsum von Werbung erhalten konnten. Mit der App wollten wir beweisen, dass unser Konzept funktioniert. Der Erfolg hat uns die Türen bei den Verlagen geöffnet, um WelectPublish vorzustellen. Seit Anfang 2017 konzentrieren wir uns auf die Zusammenarbeit mit Medienhäusern und Verlagen.

Wie genau hat sich Welect seit der Gründung entwickelt?
Wir hatten das Glück, dass unser Startup seit der Gründung kontinuierlich gewachsen ist. Mittlerweile wird WelectPublish bei großen Portalen wie RP Online, dem Internetportal der Rheinischen Post, bei den Stuttgarter Nachrichten, der Neuen Osnabrücker Zeitung, der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten, bei Spielfilm.de, SOL.DE, gutefrage.net, Futurezone, Focus Online, FitForFun, Finanzen100 und Chip eingesetzt. Auf der anderen Seite nutzen inzwischen viele Werbetreibende – darunter Nissan, E wie Einfach, PayPal und Unitymedia – WelectPublish als eine wichtige Ergänzung bei ihren Bewegtbild-Kampagnen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Welect denn genau?
Wir sind vier Mitarbeiter in Düsseldorf – fünf ab April. Desweiteren arbeitet ein Kollege aus Dänemark gerade an der Expansion nach Skandinavien.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir sorgen dafür, dass mit WelectPublish Werbung auf Portalen angesehen und akzeptiert wird. Den Nutzern erlaubt Welect dabei, die ansonsten üblichen Barrieren wie AdBlocker-Schranken oder Paywalls für redaktionellen Inhalt zu überwinden. Stattdessen können sie ein Werbevideo ansehen, das sie aus diversen Kampagnen auswählen können. Die somit reduzierten Barrieren haben wiederum für Medienunternehmen den Vorteil, dass die hohen Absprungraten bei Bezahl- und Adblocker-Schranken deutlich reduziert werden. Darüber hinaus können Medienunternehmen Werbetreibenden beziehungsweise Mediaagenturen mithilfe von Welect eine Plattform mit starker Werbewirkung für reichweitenstarke Bewegtbild-Kampagnen anbieten. Dafür ist der Werbekunde natürlich auch bereit, mehr zu bezahlen. Die neuartige Abrechnungsform nach dem „Cost per Want”-Prinzip stellt dabei sicher, dass nur für vollständig angesehene Werbespots abgerechnet wird – wenn der User die App schließt oder den Tab verlässt, erfolgt keine Abrechnung.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir haben beim Go-Live unterschätzt, wie positiv unser Konzept bei den Menschen ankommt. Einen Tag nach dem WelectGo Launch standen wir in der Presse, TV und Hörfunk. Auf die massive Nachfrage waren wir jedoch nicht vorbereitet. Zudem kamen unerwartet viele Anfragen von Verbrauchern rein, die wir irgendwie im Tagesgeschäft auch noch abarbeiten mussten.

Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht?
Richtig war und ist, dass wir unserem Konzept, Werbung auf die Nutzer zu fokussieren, treu geblieben sind.

Wo steht Welect in einem Jahr?
Wir wollen uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen und arbeiten daher kontinuierlich daran, weitere Verlage und Werbepartner von einer Kooperation mit uns zu überzeugen. Außerdem denken wir sehr konkret über eine Expansion ins Ausland nach. Für den sich daraus ergebenden Arbeitsmehraufwand werden wir dann auch neue Mitarbeiter einstellen.

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Foto (oben): Welect

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.