#Interview Auf Applift folgt Kayzen – Tim Koschella gründet neues AdTech

"Mir gefällt die frühere Phase eines Startups besser . Wenn man noch mit einem kleineren Team arbeitet, wo sich jeder gut kennt, man informell und schneller Entscheidungen gemeinsam trifft und nicht jeder Schritt durchgeplant sein muss", sagt Applift-Macher Tim Koschella, der nun Kayzen aufbaut.
Auf Applift folgt Kayzen – Tim Koschella gründet neues AdTech

In den vergangenen sechseinhalb Jahren baute Tim Koschella das Berliner AdTech Applift auf. Ende des vergangenen Jahres verabschiedete er sich dann von seinem Unternehmen, das er 2012 gemeinsam mit Kaya Taner gegründet hat. Lange ausgeruht hat sich Koschella aber nicht. Mit Kayzen startet er nun schon wieder durch. Das neue AdTech-Unternehmen, das bereits 25 Mitarbeiter beschäftigt, baut er gemeinsam mit Servesh Jain auf. Das junge Unternehmen bietet eine Software an, mit der App-Developer und Agenturen Mobile Programmatic-Advertising intern umsetzen können. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Koschella das Konzept einmal ganz genau vor.

In den vergangenen Jahren hast Du Applift aufgebaut. Was reizt Dich nun wieder ein Unternehmen zu gründen?
Applift war eine super Erfahrung, weil man als Gründer selten die Möglichkeit bekommt, ein so international aufgestelltes Business aufzubauen. Ich bin viel gereist, habe Büros auf fast allen Kontinenten aufbauen können und von Tokyo bis San Francisco eine Menge Leute kennengelernt. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass mir die frühere Phase eines Startups besser gefällt. Wenn man noch mit einem kleineren Team arbeitet, wo sich jeder gut kennt, man informell und schneller Entscheidungen gemeinsam trifft und nicht jeder Schritt durchgeplant sein muss.

Nun ziehst Du mit Kayzen erneut ein Startup hoch. Warum wieder ein AdTech-Startup?
Diese Industrie ist faszinierend. Alles passiert super schnell, ist sehr komplex, vollständig zu durchdringen und das Beste ist, dass der App Ländergrenzen fast komplett verschwimmen lässt. Du hast beispielsweise einen App-Entwickler aus Afrika, der mit einem Game in Korea Riesenerfolge feiert, ohne dass auch nur ein Mitarbeiter des Unternehmens je in Korea gewesen ist. In gewisser Art und Weise ist die App-Industrie wie ein Spiegel unserer immer schneller werdenden globalisierten Gesellschaft.

Welches Problem willst Du mit Kayzen lösen?
Kayzen ist ein Software-Anbieter. Wir lizenzieren unser Produkt an große Advertiser im Markt und verdienen nicht direkt mit Werbekampagnen Geld. Damit sind wir anders als die Mehrheit aller Unternehmen in dem Markt, die im Prinzip immer eine Kombination aus einem Produkt bzw- einer Technologie und einem Kampagnenservice verkaufen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Kayzen ein Erfolg?
Ich hoffe natürlich sehr, dass wir erfolgreich werden, nicht zuletzt habe ich auch selber ordentlich Geld in Kayzen investiert. Die Zukunft wird es zeigen, ob das alles so klappt wie geplant. Ich bin aber davon überzeugt, dass Erfahrung ein wichtiger Bestandteil für Erfolg als Unternehmer ist, insbesondere in diesem schnelllebigen Markt. In dem Punkt müssen wir uns nicht verstecken. Wir haben die unternehmerische Erfahrung, die technische Erfahrung – mein CTO und Co-Gründer entwickelt schon seit über 16 Jahren komplexe Systeme – und die industriespezifische Erfahrung. Außerdem glaube ich, dass mobile Advertising in den kommenden Jahren einer der spannendsten und dynamischsten Märkte bleiben wird.

Wer sind eure Konkurrenten?
Im Moment sehe ich nicht wirklich Wettbewerber, die so positioniert sind wie wir. Wenn du so willst, bieten wir eine Alternative zu Firmen, die einen mobile DSP haben, aber damit – fast ausschließlich – sogenannte Managed Campaigns anbieten. Das ist, wie vorher schon genannt, immer ein Bundling von einem Produkt und einem Service mit Vor- und Nachteilen. Vorteil aus Kundensicht ist, dass er sich nicht mit den Details befassen muss. Das macht auch für viele Kunden Sinn, wenn sie selber nicht die Ressourcen und das Know-How intern aufbauen können oder wollen. Der Nachteil ist aus Kundensicht aber geringere Transparenz, Kontrolle und damit einhergehende Folgeprobleme. Außerdem kostet es den Kunden im Schnitt mehr, weil ja die Arbeitszeit der Kampagnenmanager bezahlt werden muss. Für die richtig großen mobile Advertiser im Markt macht es daher Sinn das alles intern aufzubauen. Und genau da kommen wir ins Spiel.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir lizenzieren unsere Software Plattform an große mobile Advertiser, die damit programmatische Werbung in-house planen, einkaufen und optimieren können. Manche brauchen dann noch Support, um diese Fähigkeiten in-house aufzubauen, dafür haben wir dann ein Customer Success Team oder kooperieren mit anderen Firmen. Im Bereich von Desktop Advertising, wo programmatic in-house bereits weiter fortgeschritten ist, gibt es bereits interessante Vorbilder für solche Kooperationen. Beispielsweise hat Martin Sorrel, der Gründer und ehemalige CEO von WPP, mit seinem Investmentarm S4 Capital die Firma Mighty Hive gekauft die solche Implementierungen macht.

Welche Erfahtrungen aus Applift fließen in Kayzen ein?
Natürlich habe ich während der letzten sechseinhalb Jahre bei Applift unglaublich viel gelernt, was mir auch hier helfen wird. Das aufzuzählen würde hier wahrscheinlich den Rahmen sprengen.

Und wo steht Kayzen in einem Jahr?
Von der Mitarbeiterzahl wollen wir nur leicht wachsen, wir planen etwa fünf bis sieben weitere Leute einzustellen. Das Geschäftsmodell skaliert ohnehin nicht so sehr über die Anzahl der Mitarbeiter. Ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres circa 30 Kunden haben, die unsere Software Plattform tagtäglich nutzen. Da wir uns auf große Kunden spezialisieren, wird das voraussichtlich reichen, um die Kosten zu decken. Ende des Jahres wollen wir schauen, ob wir aus dem eignen Cashflow weiter wachsen können oder eine Finanzierungsrunde machen. Aktuell sind wir nur über Angels aus meinem Netzwerk und dem Geld von mir und meinem Co-Founder finanziert.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.