#Zahlencheck Quandoo: Bei mageren 4,3 Millionen Umsatz für stolze 198,6 Millionen verkauft!

Quandoo ging 2015 für 198,6 Millionen Euro über den Tisch. Bis Ende 2016 kostete der Aufbau des Unternehmens stattliche 38,2 Millionen Euro. Um den weiteren Liquiditätsbedarf zu decken, musste Käufer Recruit zuletzt aber immer mehr Geld zur Verfügung stellen.
Quandoo: Bei mageren 4,3 Millionen Umsatz für stolze 198,6 Millionen verkauft!

Im März 2015 übernahm Recruit Holdings das Berliner Startup Quandoo, eine Reservierungsplattform für Restaurants. Das japanische Unternehmen, das zuvor 7 % an der Jungfirma hielt, zahlte damals beachtliche 198,6 Millionen Euro für Quandoo, das 2012 von Philipp Magin, Daniel P. Glasner, Ronny Lange, Sebastian Moser und Tim-Hendrik Meyer, allesamt vorher Groupon, ins Leben gerufen wurde. Bis Ende 2015 flossen dabei 55 Millionen Euro in Quandoo – unter anderem von Piton Capital, Holtzbrinck Ventures und DN Capital.

Im Jahr, 2014, vor dem millionenschweren Verkauf erwirtschaftete das Quandoo-Team (damals über 250 Mitarbeiter) ein Rohergebnis in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Das Unternehmen finanziert sich durch eine sogenannte “Subscription Fees” und die “Restaurant Reservation Fees”. In einer Recruit-Präsentation zur Übernahme ist für 2014 von einem Umsatz in Höhe von 4,3 Millionen Euro die Rede. Der Jahresfehlbetrag lag damals bei 7,7 Millionen Euro. In der bereits genannten Präsentation wird das EBITDA mit -9,7 Millionen angeben. Recruit zahlte somit knapp 200 Millionen für ein Startup mit einem Umsatz von nicht einmal 5 Millionen Euro. Eine stolze Summe, ein beeindruckender Aufschlag. Diese großen Vorschusslorbeeren haben sich bisher nicht erfüllt!

Im Jahr drauf, also 2015, stieg der Jahresfehlbetrag auf 14,4 Millionen. Das Rohergebnis stieg auf 2,9 Millionen. “Quandoo blickt auf das erste Geschäftsjahr als Tochter der Recruit Holdings Co. Ltd. zurück. Das Geschäftsjahr war neben dem Fokus auf unsere eigentliche Geschäftstätigkeit durch Konzernintegration geprägt. Das Unternehmen ist weiterhin stark gewachsen und konnte in einem durch verstärkten Wettbewerb geprägten Umfeld ein Rohergebinswachstum auf T€ 2.862 verzeichnen (+95% gegenüber dem Vorjahr)”, heißt es dazu im Jahresabschluss. 2015 ging Quandoo etwa auch in Hong Kong, Australien, Libanon und in den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Start.

Nun der Blick auf 2016: Vor zwei Jahren stieg das Rohergebnis auf 4,6 Millionen. Der Jahresfehlbetrag lag leicht unter dem Vorjahr – es waren 13,4 Millionen. “Quandoo blickt auf das zweite Geschäftsjahr als Tochter der Recruit Holdings Co. Ltd. zurück. Das Unternehmen ist weiterhin gewachsen und konnte ein Rohergebniswachstum auf T€ 4.570 verzeichnen (+60 % gegenüber dem Vorjahr) und somit seine Prognose für das Geschäftsjahr erfüllen. Das Rohergebniswachstum ist vor allem durch gestiegenen Weiterbelastungen der Kosten an Tochterunternehmen getrieben. Der Fokus des Unternehmens lag weiterhin auf der Akquisition von neuen Partnerrestaurants”, teilt die Jungfirma zu den Zahlen mit.

Aus Polen, den Vereinigten Arabischen Emiraten (erst im Vorjahr gestartet), Libanon und Südafrika zog sich Quandoo 2016 zurück. Ende 2016 waren 16.000 Partnerrestaurants beim Dienstleister an Bord. Über 40 Millionen Gäste wurden über die Quandoo-Gruppe bisher nach eigenen Angaben platziert. Gleichzeitig ging von 2015 auf 2016 aber auch die Zahl der Mitarbeiter bei Quandoo deutlich zurück – von 159 auf 128. Zur Erinnerung: Bei der Übernahme waren es noch mehr als 250 Mitarbeiter. Bis Ende 2016 kostete der Aufbau von Quandoo, zuletzt eine mittelgroße Kapitalgesellschaft, stattliche 38,2 Millionen Euro.

Und ganz offenbar soll der Aufbau noch weitere zweistellige Millionenbeträge kosten. Die Kapitalrücklage betrug Ende 2016 bereits stolze 66,3 Millionen. “Der Anstieg der Kapitalrücklage um T€ 10.800 auf T€ 66.328 (Vorjahr T€ 55.528) resultiert aus drei unterjährig vorgenommenen Kapitalerhöhungen”, teilt das Unternehmen dazu mit. Ende 2016 waren somit noch rund 28 Millionen in der Quandoo-Kasse. Dennoch gab es im Februar 2017 noch eine weitere “Einzahlung in den Kapitalrücklagen in Höhe von T€ 21.800”. Dies geschah, um den “für 2017 geplanten Liquiditätsbedarf zu decken”. Recruit scheint mit Quandoo noch viel vor zu haben. Zumindest scheint es bei den bisherigen Umsätzen eine sehr langfristige Wette zu sein. Im schlimmsten Fall ist Quandoo ein gewaltiges Fass ohne Boden. Und im schlimmsten Fall präsentierte sich Quandoo zum Verkauf viel besser als die Zahlen es damals vermuten lassen konnten.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016
* Quandoo blickt auf das zweite Geschäftsjahr als Tochter der Recruit Holdings Co. Ltd. zurück. Das Unternehmen ist weiterhin gewachsen und konnte ein Rohergebniswachstum auf T€ 4.570 verzeichnen (+60 % gegenüber dem Vorjahr) und somit seine Prognose für das Geschäftsjahr erfüllen. Das Rohergebniswachstum ist vor allem durch gestiegenen Weiterbelastungen der Kosten an Tochterunternehmen getrieben. Der Fokus des Unternehmens lag weiterhin auf der Akquisition von neuen Partnerrestaurants.
* In 2016 haben wir uns aus strategischen Gründen dazu entschlossen, vier unserer Tochtergesellschaften in Polen, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libanon und in Südafrika zu schließen. Bis Dezember 2016 wurde die Quandoo Smartphone App mehr als 450.000-mal für iOS und Android heruntergeladen. Außerdem wurde im September 2016 die Marke von 16.000 Partnerrestaurants weltweit überschritten. Am Ende des Jahres wurde ein weiterer wichtiger Meilenstein in der jungen Unternehmenshistorie erreicht. Im November wurde der 40 millionste Gast über Systeme der Quandoo Gruppe in einem Restaurant platziert.
* Unsere wesentlichen Ergebnisquellen stellen die monatlichen “Subscription Fees” und die “Restaurant Reservation Fees” dar. Neben der deutschen Muttergesellschaft konnte außerdem ein starkes Umsatzwachstum bei unseren Tochtergesellschaften erreicht werden, welches im Wesentlichen durch die Neuakquisition von Partnerrestaurants und durch die gestiegene Anzahl von Reservierungen getrieben wurde.

Quandoo im Zahlencheck

2016: 4,6 Millionen Euro (Rohergebnis); 13,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 2,9 Millionen Euro (Rohergebnis); 14,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 1,5 Millionen Euro (Rohergebnis); 7,7 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.