#Interview “Wir haben mit über 1.500 Frauen zu Selbstbefriedigung gesprochen”

Mitte Juli schickten Nina Julie Lepique und Michael Holzner femtasy ins Netz. Business Angels wie Tom Bachem investierten bereits in das sexy Startup. "Unsere Audios wurden mittlerweile über eine Millionen Mal abgespielt", sagt die Kölnerin zum Stand der Dinge bei femtasy.
“Wir haben mit über 1.500 Frauen zu Selbstbefriedigung gesprochen”

Bei femtasy geht es um sexy Sprachnachrichten! “Sexy Sprachnachrichten auf wissenschaftlicher Basis”, wie Gründerin Nina Julie Lepique berichtet. “Wir haben 2017 eine Studie mit über 1.500 Frauen zur weiblichen Masturbation durchgeführt und festgestellt, dass Frauen lieber Erotik-Geschichten hören als sie anzusehen. Deshalb haben wir femtasy erschaffen – mit unseren kurzen sexy Sprachnachrichten erwecken bereits viele Zehntausend Frauen ihre intimsten Fantasien zum Leben”, führt sie weiter aus.

femtasy hievte Lepique vor wenigen Wochen gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Michael Holzner ins Netz. “Unser Team besteht mittlerweile sechs grandiosen Team-Mitgliedern – davon übrigens fünf Frauen. Unsere Audios wurden mittlerweile über eine Millionen Mal abgespielt. Was uns besonders stolz macht: jede Dritte femtasyPRO-Nutzerin erreicht einen Höhepunkt, während sie femtasy nutzt”, berichtet Lepique. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht die femtasy-Macherin zudem über Schönheitsideale, Fantasien und Bedürfnisse.

Wie würdest Du Deiner Großmutter femtasy erklären?
Oma, du kennst doch die Taschenbücher mit den knisternden Liebesgeschichten, die es früher immer am Strand-Kiosk in Italien gab, oder? Sowas machen wir. Nur mit ein bisschen Knistern. Und zum Hören, nicht zum Lesen. Hat sie verstanden – und für gut befunden.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu femtasy?
Ich habe einen sehr offenen Freundeskreis und habe häufig mitbekommen, wie frustrierend und unpassend das bis dato bestehende Angebot an Erotik-Inhalten für viele der Frauen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis war. Zu billig, zu visuell, zu sehr auf – vermeintlich – männliche Schönheitsideale und Fantasien fokussiert. Das wollten wir ändern – und Inhalte schaffen, die für Frauen und ihre Bedürfnisse gemacht sind.

Wie muss man sich das nun vorstellen?
Wir haben zu Beginn der Gründungsphase mit über 1.500 Frauen zu Selbstbefriedigung gesprochen – und mit femtasy ein Produkt für diejenigen entwickelt, die sich auf den einschlägigen Seiten bis dato nicht besonders wohl gefühlt haben.

Wie entstehen eure Inhalte?
Unsere Aufnahmen werden von rund 60 Freelancern, die über ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz verstreut sind, produziert. Die Autoren sind fast ausschließlich Frauen und die Geschichten entstehen zu 100 % aus ihrer Fantasie-Welt. Wir geben lediglich thematische Leitplanken vor, die wir im Rahmen unserer Studie mit über 1.500 Frauen entwickelt haben. Sobald ein Text bei uns eintrifft, bereiten wir ihn so auf, dass er eingesprochen werden kann. Dann geht er an unsere Stimmen, die ihn von Zuhause aus vertonen. Unsere „sexy Sprachnachrichten“ sollen sich möglichst authentisch anhören und anfühlen, weshalb sich dieses Vorgehen als das Beste herausgestellt hat.

Wie genau hat sich femtasy seit der Gründung entwickelt?
Nach unserer Finanzierungsrunde mit 13 renommierten Business Angeln, darunter Tom Bachem und viele weitere inspirierende Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Umfeld, haben wir uns die Produktion der Aufnahmen sowie auf die Entwicklung der Plattform konzentriert.

Wann genau ging es los?
Offiziell gestartet sind wir Mitte Juli 2018. Seitdem fokussieren wir uns voll auf ungebremstes Wachstum unserer Nutzer- und Abrufzahlen und sprechen noch immer – wie seit Beginn – mit vielen unserer Nutzerinnen. Sexualität ist ein extrem persönliches Thema und da ist es ganz besonders wichtig sich regelmäßig und viel Feedback einzuholen.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Ganz einfach: die Nutzerin zahlt für den unbeschränkten Zugriff auf alle unserer Aufnahmen und Features – entweder pro Monat im Abo oder für 24 Stunden als Einmalkauf. Wir verzichten somit gänzlich auf Werbung auf femtasy – und das ist uns auch sehr wichtig, um uns von anderen Plattformen mit Erotik-Inhalten abzuheben und einen „geschützten Raum“ für die weibliche Sexualität zu schaffen. Ohne Spam, ohne Werbung, ohne dubiose Kontaktanzeigen.

Wo steht femtasy in einem Jahr?
In einem Jahr haben wir eine weitere Finanzierungsrunde erfolgreich absolviert und im deutschsprachigen Raum mit femtasy eine neue Marke für weibliche Erotik etabliert, die Selbstbefriedigung als das zeigt, was es ist: völlig natürlich und eine ganz eigene Form der Sexualität.

Reden wir zudem noch über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Unser Team ist über ganz Deutschland und Österreich verteilt und wir sind deshalb gar nicht so super tief in der Kölner Startup-Szene verankert. Was wir aber schon spüren: Köln ist super zum Netzwerken. Es kennt quasi jeder jeden – Köln fühlt sich für mich manchmal an wie ein großes Dorf. Der Austausch ist ziemlich unkompliziert und die Menschen, die ich bisher getroffen habe, sind extrem hilfsbereit.

Kölle is e jeföhl – #Köln

In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit über 650 Start-ups, 25 Gründerzentren, attraktiven Investoren und zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt vom Digital Hub Cologne und der Stadt Köln.
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Foto (oben): Femtasy

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.