#EXKLUSIV Überraschung bei Springlane: Holtzbrinck (12 %) und Tengelmann (15,5 %) steigen aus

Bis Ende 2016 sammelte das Düsseldorfer Startup Springlane knapp 30 Millionen Euro Risikokapital ein. Gleichzeitig häufte das Startup Verluste in Höhe von rund 19,3 Millionen Euro an. Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures sind zudem gerade bei Springlane ausgestiegen.
Überraschung bei Springlane: Holtzbrinck (12 %) und Tengelmann (15,5 %) steigen aus

In den vergangenen Jahren war es recht ruhig um das Düsseldorfer Startup Springlane, einen Shop rund um die Küche und Kochen. Ende 2015 verkündete das zuletzt eine Finanzierungsrunde – damals flossen beachtliche 11 Millionen Euro in das Küchen-Startup, das seit 2012 Küchenhelfer, Messer und Geschirr verkauft. Wobei sich das Startup über die Jahre vom simplen Küchenzubehör zu einer Art Westwing für das Thema Kochen entwickelte. Mit Promiköchen wie Cornelia Poletto und Frank Rosin hatte die Jungfirma zuvor kein Glück. Erst eigene Springlane-Foodblogger brachten den Traffic-Durchbruch. Das Springlane-Team liefert seinen Nutzern inzwischen etwa Rezeptideen, spannende Interviews und stylische Koch-Produkte. Dabei setzen die Rheinländer inzwischen extrem auf Eigenmarken wie Eismaschinen.

Zu den Investoren von Springlane gehörten in den vergangenen Jahren die italienischen Geldgeber Ad4Ventures und Ithaca Investments, das Family Office TriPos (Peter Pohlmann) sowie Holtzbrinck Ventures, Tengelmann Ventures, KfW und Heliad Equity Partners. Wie dem Jahresabschluss 2016 zu entnehmen ist, sammelte das Springlane-Team um Lars Christian Wilde, Alexander Luik (nicht mehr an Bord) und Marius Till Fritzsche bisher – also bis Ende 2016 – stattliche 29,4 Millionen Euro ein – und damit viel mehr, als bisher bekannt war. Bekannt war bisher aber auch nicht, dass Holtzbrinck Ventures (12 %) und Tengelmann Ventures (15,5 %) gerade bei Springlane wieder ausgestiegen sind. Die Anteile der Investoren hält nun Mitgründer Fritzsche, der nun wieder rund 32,4 % an Springlane hält (vorher: 5 %). Die wichtigsten Investoren des Startups sind nun Heliad Equity Partners (23,3 %) und TriPos (18,3 %).

Der Doppelausstieg der erfahrenen E-Commerce-Investoren macht nach außen überhaupt keinen guten Eindruck. Vom Startup und den Investoren war bisher dazu keine Stellungnahme zu bekommen. Wie aus dem Umfeld der Jungfirma zu hören ist, wollten die beiden Investoren kein weiteres Geld mehr in Springlane investieren und sind deswegen ausgestiegen, um den weiteren Geldgebern nicht im Weg zu stehen. Offenbar war man bei Holtzbrinck und Tengelmann mit der Entwicklung des Startups nicht zufrieden. Springlane war und ist in Sachen Content Marketing zwar gut gestellt, das Unternehmen kann seine vielen Rezeptfans aber nicht im großen Stil in Käufer umwandeln. So bleibt das große Engagement bei Pinterest und Co. dann brotlose Kunst.

Aus dem aktuellen Jahresabschluss lässt sich leider nicht viel über den Status quo von Springlane herauslesen. Die kleine Kapitalgesellschaft erwirtschaftete 2016 einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 6,9 Millionen Euro. Der höchste Jahresverlust bisher. Ein Fiasko war 2015 und 2016 vor allem die Expansion nach Italien, die 2015 los ging. Im Jahresabschluss heißt es dazu nur: “Im Jahr 2016 wurde das Warenlager in Italien aufgelöst”. Insgesamt häufte das Unternehmen, das 2016 rund 88 Mitarbeiter beschäftigte, seit dem Start Verluste in Höhe von rund 19,3 Millionen Euro an. Wie zu hören ist, soll der Springlane-Umsatz im vergangenen Jahr im zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. 2018 peilt das Startup – laut Handelsblatt – schwarze Zahlen an. Man darf gespannt sein, ob dies gelungen ist.

Springlane im Zahlencheck

2016: 6,9 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 6,3 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 3,3 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2013: 2,9 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

PODCAST

Im neuen ds-Podcast kommentieren OMR-Podcast-Legende Sven Schmidt und ds-Chefredakteur Alexander Hüsing wieder die wichtigsten Startup- und Digital-News aus Deutschland. Wir sprechen über den geplanten IPO von Westwing sowie die Börsenambitionen von Auxmoney und Adjust, die Pläne von Otto mit Hermes, das Berliner Startup mitte und Vinted.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.