#Zahlencheck Ein Grownup, das kaum einer kennt (254 Mio. Umsatz)

Der Autoteileshop Autodoc ist ein echter Hidden Champion. 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 118,7 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es nur rund 53 Millionen. 2017 stieg der Umsatz dann auf 254 Millionen. Imposant dabei: 2016 lag der Jahresüberschuss bei rund 1,4 Millionen Euro.
Ein Grownup, das kaum einer kennt (254 Mio. Umsatz)

Die deutsche Startup-Szene ist mal wieder im Autofieber. Schwergewichte wie Auto1, das Milliarden mit dem Verkauf von gebrauchten Autos umsetzt, aber auch die Frontier Car Group sorgten zuletzt massiv für Schlagzeilen. Das 2016 gegründete Berliner Startup verkauft in Schwellenländern wie Mexiko, Pakistan oder Nigeria gebrauchte Autos. OLX Ventures, der Investment-Arm des Marktplatzanbieters OLX Group, investierte kürzlich 89 Millionen US-Dollar in das Unternehmen, das von Sujay Tyle geführt wird. Zuvor flossen 58 Millionen Dollar in das Auto-Startup. Die Bewertung Frontier Car Group lag zuletzt wohl bei 270 Millionen Dollar. Auto1 wurde zuletzt mit 2,9 Milliarden Euro bewertet.

Noch deutlich unbekannter (und kleiner) als die beiden Schwergewichte ist das Berliner Unternehmen Autodoc. Obwohl die Jungfirma ebenfalls spannende Zahlen vorweisen kann. 2016 erwirtschaftete der Shop für Autoersatzteile einen Umsatz in Höhe von 118,7 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es nur rund 53 Millionen. Spannend dabei: Autodoc erwirtschaftet nur 16 % des Umsatzes in Deutschland. “Das Umsatzwachstum wurde durch verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel Witterungseinflüsse wenig beeinflusst. Obwohl die zwei warmen aufeinander folgenden Winter der vergangenen Jahre das Wachstum verlangsamten, konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr weiter wachsen”, heißt es zu den Zahlen im Jahresabschluss der Jungfirma, die komplett inhabergeführt ist.

Autodoc ging im Februar 2015 aus dem im Jahr 2008 gegründeten Unternehmen E & S Pkwteile hervor. Geführt wird Autodoc von Alexej Erdle und Maksim Samov. Am 4. August 2008 verkauften die Hauptstädter ihr erstes Produkt, eine Glühbirne. “Die Gründer legten selbst Hand an, nahmen Bestellungen auf, verpackten und verschickten Ersatzteile”, heißt es im Rückblick zum 10. Geburtstag der Pkwteilefirma. Im Mai 2009 stellten die Autodoc-Macher den ersten Mitarbeiter ein. 2011 expandierte Autodoc erstmals ins Ausland – nach Österreich und die Schweiz. 2012 folgten Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich.

Doch zurück zu den Zahlen: 2016 erwirtschaftete Autodoc, das damals 247 Mitarbeiter beschäftigte, einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es rund 551.927 Euro. Für die Vorjahre gibt es keine Vergleichzahlen. Dafür aber liefert der Jahresabschluss einen Ausblick auf 2017: “Für das künftige Wachstum und den kontinuierlichen Ausbau bereits geschaffener Strukturen ist die Autodoc GmbH aufgrund der hohen Qualität unserer Leistungen im Hinblick auf Artikelvielfalt, Lieferfähigkeit und Servicebereitstellung gut aufgestellt. Im Jahr 2017 wurden bereits 140 neue Mitarbeiter eingestellt, um die hohe Qualität unserer Leistungen weiter zu gewährleisten”.

Als Umsatz strebte der Autoteileshop rund 260 Millionen Euro an: “Mit einem Ergebnis auf dem Niveau des Jahres 2016”. Wie es scheint, ging das Vorhaben fast auf: Nach Firmenangaben stieg der Umsatz im vergangenen Jahr auf 254 Millionen Euro. Inzwischen ist das Unternehmen, das etwa Karosserieteile, Stoßdämpfer und Federn verkauft in knapp 30 Ländern aktiv. Mit diesen Zahlen ist Autodoc mindestens so spannend wie der Wettbewerber kfzteile24, an dem internetstores-Investor EQT und Project A Ventures beteiligt sind. kfzteile24 erwirtschaftete 2013 einen Umsatz in Höhe von rund 132 Millionen Euro (Vorjahr: 114,3 Millionen). Wobei kfzteile24 zuletzt deutlich erfolgreicher als Autodoc wirtschaftete: Der Jahresüberschuss lag dabei bei 1,5 Millionen bzw. 5,2 Millionen Euro. In diesem Jahe will kfzteile24 rund 180 Millionen Umsatz einfahren.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016
* Die Autodoc GmbH hat ihre Ziele auch im Geschäftsjahr 2016 konsequent umgesetzt und konnte ihren Wachstumskurs fortsetzen. Das Unternehmen hat den Umsatz im Vorjahresvergleich um TEUR 52.974 auf TEUR 118.740 gesteigert. Das Umsatzwachstum wurde durch verschiedene Faktoren, wie z. B. Witterungseinflüsse wenig beeinflusst. Obwohl die zwei warmen aufeinander folgenden Winter der vergangenen Jahre das Wachstum verlangsamten, konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr weiter wachsen.
* Die Gesellschaft kann wieder auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Der Umsatz mit TEUR 118.740 entwickelte sich deutlich positiv. Der Anstieg des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr betrug 81 %. Der Inlandsanteil vom Gesamtumsatz betrug 16 %, der Auslandsanteil lag bei 84 %.
* Die Entwicklung der Kosten lag unterhalb der Erwartungen wie im Vorjahr prognostiziert. Entsprechend konnte eine deutliche Steigerung des Jahresergebnisses auf TEUR 1.386 für 2016 erzielt werden. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit konnte deutlich gesteigert werden. Angesichts unser stark ausgeprägten Kundenorientierung und zielgruppenorientierten Werbung blicken wir auf einen breiten Kundenstamm.
* Wir erwarten im folgenden Geschäftsjahr eine deutliche Steigerung des Umsatzvolumens auf EUR 260 Mio. und rechnen – bedingt durch die erheblichen Investitionen – für 2017 mit einem Ergebnis auf dem Niveau des Jahres 2016.
* Die durchschnittliche Zahl der während des Geschäftsjahres beschäftigten Mitarbeiter beträgt 247.

Autodoc im Zahlencheck

2016: 118,7 Millionen Euro (Umsatz); 48,1 Millionen Euro (Rohergebnis); 1,4 Millionen Euro (Jahresüberschuss)
2015: 53 Millionen Euro (Umsatz); 28,2 Millionen Euro (Rohergebnis); 551.927 Euro (Jahresüberschuss)

Podcast

Auch in der dritten Ausgabe des ds-Podcasts kommentieren OMR-Podcast-Legende Sven Schmidt und ds-Chefredakteur Alexander Hüsing wieder die Startup- und Digital-News der Woche. Wir sprechen über About You, Fianzcheck, Home24, Oliver Samwer und Outfittery.

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Foto (oben): obs/AUTODOC GmbH

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.