#Zahlencheck Walbusch-Chef rettet Mornin’ Glory vor dem Untergang

Das Berliner Startup Mornin' Glory brauchte Ende 2017/Anfang 2018 dringend neues Geld! Von den Altgesellschaftern investierte dann auch nur Walbusch-Macher Christian Busch. Über sein Investmentvehikel FSF hält er nun stattliche 25 % an Mornin' Glory, das seit Jahren konstant Millionenverluste einfährt.
Walbusch-Chef rettet Mornin’ Glory vor dem Untergang

Um das Kleinmachnower Startup Mornin’ Glory war es zuletzt sehr ruhig. Die letzte Neuigkeit auf der Presseseite der Jungfirma, die Rasierer verkauft, stammt aus dem Februar 2015. Zumindest aber veröffentlichte die Jungfirma, die 2012 an den Start gegangen ist, gerade ihren Jahresabschluss für 2017. Umsatzzahlen des Unternehmen (kleine Kapitalgesellschaft) gibt es leider keine. Der Jahresfehlbetrag von Mornin’ Glory lag im vergangenen Jahr aber bei rund 1,4 Millionen Euro und damit nur leicht unter dem Vorjahr (1,5 Millionen) bzw. 1,8 Millionen (2015). Aus den Vorjahren kommen noch weitere Verluste in Höhe von 3,5 Millionen zusammen. Unter dem Strich steht somit 2017 bei Mornin’ Glory ein “nicht gedeckter Fehlbetrag” in Höhe von rund 581.892 Euro.

Im Jahresabschluss ist dazu zu lesen: “Der Fortbestand der Gesellschaft ist von der Generierung weiterer finanzieller Mittel abhängig. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die notwendigen Mittel auch weiterhin durch Eigenkapital- und Fremdkapitalmaßnahmen generiert werden können”. Und weiter: “Die Gesellschaft ist zwar bilanziell überschuldet, die Überschuldung wird jedoch durch Aufnahme von Darlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt beseitigt. Ausgehend von den im Jahr 2017 erfolgen Kapitalerhöhungen und den Zuzahlungen für den Erwerb der Nominalanteile ist zum Bilanzstichtag davon auszugehen, dass die Going Concern Annahme bei Aufstellung des Jahresabschlusses bestehen bleibt”.

Halten wir fest: Mornin’ Glory brauchte Ende 2017/Anfang 2018 dringend neues Geld! Offiziell kommuniziert wurde zuletzt aber keine Finanzierungsrunde. Auf Nachfrage teilt der Rasierershop aber mit, dass man Anfang dieses Jahres eine Finanzierung erhalten habe. “Im Rahmen dieser engagiert sich mit FSF einer unserer langjährigen Investoren und Unterstützer in Zukunft noch stärker bei Mornin‘ Glory. Neue Investoren kamen in dieser Runde nicht hinzu”, sagt Mornin’ Glory-Macher Ulli Papke. Umfang und Bewertung der Finanzspritze sind nicht bekannt. Dass nur ein Altgesellschafter investiert, deutet aber zumindest auf enorme Zurückhaltung unter den Bestandsinvestoren hin. Zumindest aber verbirgt sich hinter FSF ein sehr solventer Geldgeber: Das Investment-Vehikel gehört Christian Busch (Walbusch). FSF hält nun stattliche 25 % an Mornin’ Glory. Atlantic Food Labs ist weiter mit 20 % an Bord. BFB Branburg Kapital hält rund 15 % an der Jungfirma.

“Mornin‘ Glory ist auch weiterhin auf der Mission, die morgendliche Rasur so einfach, clever und stressfrei zu gestalten, wie möglich. Dafür haben wir noch viel vor und freuen uns über die weitere Unterstützung durch FSF”, sagt Mornin’ Glory-Macher Papke. Dass es bei Mornin’ Glory, das zuletzt 16 Mitarbeiter beschäftigte, weiter vorangeht, zeigt auch die Einführung des neuen Body Shavers. “Auch in der zweiten Jahreshälfte planen wir weitere Produktstarts. Wir haben noch viel vor”, verspricht Papke. Hoffentlich reicht das Geld für diese Reise.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2017
* Der Fortbestand der Gesellschaft ist von der Generierung weiterer finanzieller Mittel abhängig. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die notwendigen Mittel auch weiterhin durch Eigenkapital- und Fremdkapitalmaßnahmen generiert werden können und hat den Jahresabschluss unter Zugrundelegung der Going-Concern-Prämisse aufgestellt.
* Die Gesellschaft ist somit zwar bilanziell überschuldet, die Überschuldung wird jedoch durch Aufnahme von Darlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt beseitigt. Ausgehend von den im Jahr 2017 erfolgen Kapitalerhöhungen und den Zuzahlungen für den Erwerb der Nominalanteile ist zum Bilanzstichtag davon auszugehen, dass die Going Concern Annahme bei Aufstellung des Jahresabschlusses bestehen bleibt.
* Die durchschnittliche Zahl der während des Geschäftsjahres im Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer betrug 16.

Mornin’ Glory im Zahlencheck

2017: 1,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2016: 1,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 1,8 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

Pocast

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Foto (oben): Mornin’ Glory

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.