#Zahlencheck EyeEm peilt 20 Millionen Umsatz an

Im Jahresabschluss für 2016 präsentiert sich EyeEm als schnellwachsendes und verlustreiches Startup. 2017 seien die Verluste bereits deutlich gesunken, sagt EyeEm-Macher Florian Meissner auf Anfrage. In diesem Jahr peilt der Bilderdienst 20 Millionen Dollar Umsatz an.
EyeEm peilt 20 Millionen Umsatz an

Das Berliner Startup EyeEm, 2011 gegründet, wandelte sich in den vergangenen Jahren von der simplen Foto-App zum gefeierten Bildermarktplatz. Der Weg dahin war hart und verlustreich. Und wie bei anderen Startups ein Ritt auf der Rasierklinge, denn Ende 2016 waren die Kassen bei EyeEm – bei gleichbleibend hohen Verlusten – fast leer. Der bildgewaltige Dienst hilft seinen Nutzern – mit seiner ausgefeilten Bilderkennungssoftware – ihre Bilder über seinen Stockfoto-Marktplatz zu verkaufen. Weltweit sind mehr als 22 Millionen Nutzer bei EyeEm aktiv. Mehr als 100 Millionen Fotos sind bei EyeEm verfügbar.

Rund 2 Million EyeEm-Nutzer bieten ihre Bilder auf der Plattform inzwischen auch zum Verkauf an. Spannend dabei: Noch im vergangenen Jahr war von “gut einer Million” Verkäufern die Rede. Den Hauptstädtern ist es somit zuletzt massiv gelungen immer mehr normale Nutzer in aktive Verkäufer umzuwandeln. Nur so funktioniert das Geschäftsmodell von EyeEm! Vor allem im asiatischen Raum gibt das EyeEm-Team derzeit richtig Gas. So arbeitet die Fotoplattform etwa mit Bytedance – das Unternehmen kaufte kürzlich musical.ly – und Amanda Images, einer Foto- und Content-Dienst aus Tokio, zusammen. Vorteil: EyeEm ist nun deutlich unabhängiger von klassischen Bildagenturen wie Getty Images, über die das Startup seit einigen Jahren erfolgreich Fotos verkauft.

“Unser Ziel ist den Verkauf eines Fotos oder Videos so einfach wie möglich zu gestalten, im Grunde sowie das Rufen eines Taxis oder die Vermietung der eigenen Wohnung”, sagt EyeEm-Mitgründer Florian Meissner. “Auch wollen wir es unseren Kunden ermöglichen nie wieder dieselben Fotos rauszusuchen wie ihre Konkurrenz, da sie unsere personalisierte Suche anwenden.” Kunden von EyeEm sind insbesondere Unternehmen wie die Boston Consulting Group. Je nach Nutzungsart kosten Bildlizenzen bei EyeEm 20 Euro, 50 Euro oder 250 Dollar. Die Erlöse je Bild werden zwischen dem Fotografen und EyeEm geteilt.

Geldgeber wie Valar Ventures, Earlybird Ventures, Passion Capital und Wellington Partners investierten bis 2015 rund 24 Millionen US-Dollar in EyeEm, das 75 Mitarbeiter beschäftigt. Das Startup, das von Meissner, Lorenz Aschoff, Gen Sadakane und Ramzi Rizk gegründet wurde, teilte der Szene in der Vergangenheit sonst kaum Zahlen in eigener Sache mit. Im vergangenen Jahre verriet Mitgründer Meissner lediglich, dass der Umsatz von EyeEm im unteren zweistelligen Millionenbereich läge. “In den vergangenen zwei Jahren haben wir den Umsatz jeweils gut verdoppeln können, das soll so weitergehen“, sagte Meissner etwa der FAZ. Nun öffnet sich das EyeEm-Team und verkündet stolz, dass man in diesem Jahr rund 20 Millionen US-Dollar Umsatz erwirtschaften will. Gemeint ist Außenumsatz. “Profitabilität ist ebenfalls in Sichtweise”, sagt Meissner auf Anfrage. 2017 seien die Verluste bereits deutlich gesunken, führt der EyeEm-Macher aus. Dies war aber auch notwendig, sonst wäre das Startup eventuell gescheitert.

Im Jahresabschluss für 2016, damals wirkten 67 Mitarbeiter im Unternehmen, präsentiert sich EyeEm zuletzt als schnellwachsendes und verlustreiches Startup. Der Jahresfehlbetrag lag damals bei 7,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es ebenfalls rund 7,5 Millionen Euro. Was den Verdacht nahe legt, dass 2016 nicht wie geplant gelaufen ist. 2014 lagen die Verluste dagegen nur bei 4,1 Millionen Euro. Aus den Vorjahren kommen noch Verluste in Höhe von 2,4 Millionen Euro zusammen. Insgesamt summieren sich die EyeEm-Verluste somit seit dem Start auf über 20 Millionen Euro. Spannend dabei: Ende 2016 ging dem Startup damit das Geld aus. Eine interne Runde (10 Millionen Dollar schwer) mit den Bestandsinvestoren, die nicht kommuniziert wurde, rettete EyeEm – von außen betrachtet – quasi vor dem kompletten Aus. Mit der (vermutlichen) Millionenspritze muss EyeEm jetzt auch zeitnah beweisen, dass es schwarze Zahlen schreiben kann bzw. in die Nähe von schwarzen Zahlen kommen kann. Sonst muss wieder neues Geld her, was dann nicht einfach wird, vielleicht sogar unmöglich ist. Rund sieben Jahre nach dem Start scheint EyeEm aber auf einem guten Weg zum erfolgreichen Foto-Verkäufer. Wenn 2018 und 2019 wie geplant laufen.

EyeEm im Zahlencheck

2016: 7,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 7,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 4,1 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

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Foto (oben): EyeEm

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.