Brandneu “Resozialisierung für einen Corporate-Job ist aussichtslos”

"Allein in Deutschland gibt es rund 375 KMUs, mit einem jährlichen Geschäftsreisevolumen von 42 Milliarden Euro. Über 70 % davon nutzen bis heute keinerlei Tool Hier setzen wir an und bieten eine SaaS-Lösung, die alle Bereiche der Geschäftsreise", sagt Veit Blumschein von Lanes & Planes.
“Resozialisierung für einen Corporate-Job ist aussichtslos”

Veit Blumschein und Daniel Nolte, die schon fromAtoB aus der Taufe gehoben haben, starten mit dem Travel-Startup Lanes & Planes, früher als TripClick Pro bekannt, wieder durch. Connect Ventures, die Flixbus-Gründer und Business Angels wie Andy Goldstein und Thomas Döring investierten kürzlich eine siebenstellige Summe in die Jungfirma.

“Jeder, der geschäftlich unterwegs ist, weiß wie nervig die Buchung und Abrechnung von Geschäftsreisen ist. Da stellten wir uns schnell die Frage, wieso es so viele gute B2C-Lösungen, aber bisher keine, die den besonderen Ansprüchen von Geschäftsreisen in der gleichen einfachen Bedienbarkeit aber mit B2B-Qualität nachkommt”, sagt Blumschein zum Konzept von Lanes & Planes. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Blumschein das Konzept hinter Lanes & Planes einmal ganz genau vor.

Mit Lanes & Planes gründet ihr nach fromAtoB erneut ein Startup. Was reizt euch, wieder ein Unternehmen aufzubauen?
Nach zehn Jahren Unternehmertum ist jegliche Resozialisierung für einen regulären Corporate-Job ohnehin aussichtslos, das haben wir gar nicht erst probiert.

Und warum zieht ihr mit Lanes & Planes wieder ein Travel-Startup?
Viele Zweitgründer können zwar von ihrem Erfahrungsschatz des ersten Start-ups was Organisation, Investoren, etc. angeht sehr profitieren, aber dann in der Regel einem komplett anderen Produkt- bzw. Markt-Umfeld. Für uns war das schon ein riesiger Glücksfall, diese Opportunität erkannt zu haben, gleichzeitig auch noch unsere Erfahrung und Netzwerk aus diesen Bereichen einbringen zu können.

Welches Problem wollt Ihr mit Lanes & Planes lösen?
Allein in Deutschland gibt es rund 375 KMUs, mit einem jährlichen Geschäftsreisevolumen von 42 Milliarden Euro. Über 70 % davon nutzen bis heute keinerlei Tool oder sonstige einheitliche Lösung. Hier setzen wir an und bieten eine SaaS-Lösung, die alle Bereiche der Geschäftsreise von der Buchung bis zur Buchhaltung voll digital abbildet, wodurch bis zu 30 % der direkten und indirekten Reisekosten eingespart werden.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Lanes & Planes ein Erfolg?
Wir profitieren von der seltenen Kombination der Chancen eines riesigen Marktes ohne jegliche digitale Disruption bisher, mit den stärken eines Teams, das fünf Jahrzehnte technologisches Domänewissen mitbringt.

Wer sind eure Konkurrenten?
Es gibt einerseits Wettbewerber, die mit Agenten und Chatbots arbeiten und damit versuchen lediglich die Kommunikation zwischen Geschäftsreisendem und Reisebüro zu digitalisieren, während die eigentliche Leistungserbringung der Recherche, Interaktion, Buchung, etc. aber manuell bleibt. Als direkte Konkurrenten wäre da beispielweise Travelperk aus Barcelona, die jedoch mit ihrem internationalen und breiten Ansatz nur bedingt auf die administrativen Anforderungen von Rechnungslegung und Reisekostenabrechnung deutscher Unternehmen eingehen. Aber wie eingangs schon erwähnt, haben wir es hauptsächlich mit indirektem Wettbewerb zu tun. Da die Reisenden in Unternehmen oftmals buchen wie sie es als Konsumenten gewohnt sind: Suchen auf Kayak, Buchen auf Expedia, zahlen mit der privaten Kreditkarte, dann muss eine Reisekostenabrechnung in XLS ausgefüllt und mit den physischen Belegen eingereicht werden. Zum Schluss sind alle Unzufrieden; der Buchhalter, weil auf den Belegen nicht die Firmenadresse steht und der Mehrwertsteuer-Ausweis fehlt, der Reisende, weil er ewig auf die Rückerstattung warten muss und der CFO, weil er keine Transparenz über die Kosten hat.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Nicht wie im Reisebereich üblich, durch Vermittlungsprovision der Leistungserbringer. Denn anders als unsere Konkurrenz oder im B2C, geben wir die Einkaufspreise an unsere Kunden weiter, wodurch die vermittelten Reiseleistungen in der Regel sehr viel günstiger sind, da wir die Philosophie vertreten: der Kunde bezahlt uns, damit hat er das Recht Reisealternativen so transparent präsentiert zu bekommen, dass er sich keine Sorgen machen muss, ob die Ergebnisse nicht von der Provisionshöhe bspw. des Hotels abhängig sind. Als SaaS-Geschäft haben wir stattdessen eine sehr einfache Preisgestaltung: geringe fixe plus volumenabhängige variable Gebühr.

Zum Abschluss noch eine Frage zu euer ehemaligen Gründung fromAtoB, wo ihr schon länger keine aktive Rolle mehr hattet: Kürzlich schlitterte das Satrtup in die Insolvenz und wurde dann von Tank & Rast übernommen. Wie habt ihr dies wahrgenommen?
Schön ist natürlich anders, wenn das mit deinem ehemaligen Baby passiert. Letztendlich muss man als Unternehmer aber hartnäckiger Optimist sein, denn ohne die Erfahrung der letzten zehn Jahre wäre es uns mit Sicherheit nicht gelungen, ein so komplexes Produkt in so kurzer Zeit auf so stabile Beine zu stellen, wie nun mit Lanes & Planes.

Kennt Ihr schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Mehr Startup-Substanz im Newsfeedfolgt ds auf Facebook

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

Aktuelle Meldungen

Alle

#DealMonitor Takeaway kauft Foodarena – und alle Deals des Tages

Takeaway kauft Foodarena – und alle Deals des Tages
Freitag, 22. Juni 2018 ds-Team

Im aktuellen #DealMonitor (22. Juni), unserer täglichen Übersicht über alle Deals und Exits in der DACH-Region, gibt es wieder alle Deals der letzten 24 Stunden! Delivery Hero etwa verkauft seinen Schweizer Ableger an Takeaway.com.

15 Fragen an Dirk Owerfeldt Gründen? Selbstverantwortung! Selbstverwirklichung!

Gründen? Selbstverantwortung! Selbstverwirklichung!
Freitag, 22. Juni 2018 Alexander Hüsing

“Im Firmen-Marketing ist PR sehr wichtig. Doch was nutzt der bekannteste Name, wenn das Unternehmen am Markt scheitert? Deshalb sind im B2B-Bereich vor allem ein gutes, ausgefeiltes Produkt und professioneller Service essenziell”, sagt Dirk Owerfeldt, Gründer von Gastrofix.

#DealMonitor Silexica bekommt 18 Millionen – und alle Deals des Tages

Silexica bekommt 18 Millionen – und alle Deals des Tages
Donnerstag, 21. Juni 2018 ds-Team

Im aktuellen #DealMonitor (21. Juni), unserer täglichen Übersicht über alle Deals und Exits in der DACH-Region, gibt es wieder alle Deals der letzten 24 Stunden! Darunter: Baze sammelt Kapital ein. Zudem bekommt talpasolutions 1,5 Millionen.

#Zahlencheck Lesara: Zahlensalat pur! Rohertrag nur 24,7 Millionen

Lesara: Zahlensalat pur! Rohertrag nur 24,7 Millionen
Donnerstag, 21. Juni 2018 Alexander Hüsing

Der Lesara-Jahresabschluss für 2016 ist da! Der Zahlensalat um das Startup wird dadurch nur noch schlimmer. Der Rohertrag des Unternehmens lag damals bei 24,7 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2015 ein Wachstum in Höhe von 254 %.

App für den Schulalltag Scoolio aus Dresden: Schon 175.000 Schüler machen mit

Scoolio aus Dresden: Schon 175.000 Schüler machen mit
Donnerstag, 21. Juni 2018 Alexander Hüsing

“In den vergangenen Monaten haben wir unser Geschäftsmodell sukzessive weiterentwickelt. Inzwischen nutzen wir die Datentiefe, um Angebote zur Berufs- und Ausbildungsorientierung zielgenauer an interessierte Schülern zu adressieren”, sagt Mitgründer Danny Roller.

#DealMonitor 16 Millionen für Blinkist – und alle VC-Deals des Tages

16 Millionen für Blinkist – und alle VC-Deals des Tages
Mittwoch, 20. Juni 2018 ds-Team

Im aktuellen #DealMonitor (20. Juni), unserer täglichen Übersicht über alle Deals und Exits in der DACH-Region, gibt es wieder alle Deals der letzten 24 Stunden! Darunter: Das Stuttgarter Startup VirtualQ sammelt Millionensumme ein.

#Zahlencheck Verlust von N26 steigt um 214,1 % – auf 14,7 Millionen

Verlust von N26 steigt um 214,1 % – auf 14,7 Millionen
Mittwoch, 20. Juni 2018 Alexander Hüsing

Wir werfen einen Blick in den Jahresabschluss der Startup-Bank N26 für das Jahr 2016. Demnach lag der Jahresfehlbetrag des Startups vor zwei Jahren bei 14,7 Millionen Euro – im Vergleich zum Vorjahr (4,7 Millionen) ein Plus von 214,1 %. Das Wachstum auf zuletzt 1 Millionen Kunden dürfte somit teuer erkauft sein.

Eversports: Vom holprigen Start zum Millioneninvestment

Eversports: Vom holprigen Start zum Millioneninvestment
Mittwoch, 20. Juni 2018 Alexander Hüsing

“Die Idee zu Eversports wurde geboren, als ich in Klagenfurt, durch Recherche erfahren habe, wie viel die Stadt an Sportaktivitäten zu bieten hat. Gleichzeitig habe ich jedoch gemerkt, dass nur Wenige von dieser Vielfalt wissen”, sagt Mitgründer Hanno Lippitsch.

#DealMonitor 11,5 Millionen für abracar – und alle VC-Deals des Tages

11,5 Millionen für abracar – und alle VC-Deals des Tages
Dienstag, 19. Juni 2018 ds-Team

Im aktuellen #DealMonitor (19. Juni), unserer täglichen Übersicht über alle Deals und Exits in der DACH-Region, gibt es wieder alle Deals der letzten 24 Stunden! Darunter: Allianz X investiert 11,5 Millionen Euro in abracar. Crate.io bekommt zudem 11 Millionen US-Dollar.

Interview “Mit Geschwistern kann man offener kommunizieren”

“Mit Geschwistern kann man offener kommunizieren”
Dienstag, 19. Juni 2018 Alexander Hüsing

“Wir sind von Hause aus mit sehr ähnlichen Werten und der gleichen Leistungsbereitschaft ausgestattet – was die Zusammenarbeit enorm erleichtert”, sagt Pauline Koehler, die WeddyPlace gemeinsam mit ihrem Bruder Daniel Koehler hochzieht.