Alles Betrug, oder was? #savedroid: Was wir wirklich wissen, und was nicht

savedroid ist tot! Ein Hackerangriff scheint unwahrscheinlich. Wenn es ein PR-Gag sein sollte, wäre dies ein Fiasko. Die Szene muss somit weiter mit dem schlimmsten rechnen. Dies wäre ein Exit-Scam. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man jetzt rufen: Popcorn, bitte!
#savedroid: Was wir wirklich wissen, und was nicht

Seit Mittwoch ist savedroid, ein Startup rund ums Thema Spareinlagen, offline, der Gründer Yassin Hankir offenbar abgetaucht. Die deutsche Startup- und Fintech-Szene fürchtet den Super-Gau. Die savedroid-Macher haben sich die knapp 40 Millionen aus dem kürzlichen ICO geschnappt und sind weg. Ein Szenario, das an einen Hollywoodfilm erinnert. Netflix sollte sich schon einmal die Filmrechte sichern! Wenn es so wäre, wäre das Thema ICO in Deutschland tot. Ein für alle Mal – und für immer.

Oder ist alles nur ein PR-Gag? Dann wäre es der schlechteste aller Zeit. Denn schon jetzt ist der vermeintliche ICO-Scam weltweit ein Thema – sogar CNN hat schon drüber berichtet. Es wäre dann ein PR-Gag, der dem Startup nachhaltig schaden würde, der der deutschen Fintech-Szene nachhaltig schaden würde. Das Startup savedroid wäre am Ende: Nie wieder würde irgendjemand die Macher ernst nehmen – und ihr Produkt auch nicht.

Doch, was wissen wir derzeit wirklich? Zunächst einmal ist die Website von savedroid tot. Die App funktioniert aber noch (zumindest bisher). Gründer Hankir und alle anderen Macher und Mitarbeiter von savedroid sind verstummt. Telefonisch, per SMS, WhatsApp oder per Mail ist niemand zu erreichen.

Was schon einmal alles gegen einen zunächst spekulierten Hackerangriff spricht. Es wird kaum jemand alle savedroid-Verantwortlichen auf einmal irgendwo festgesetzt haben. Dieses Szenario wäre selbst für einen Hollywoodfilm unrealistisch. Zudem hätten sich die Macher bei einem normalen Hackerangriff ohne Entführungsszenario längst gemeldet – zumindest mit einer klärenden Stellungnahme.

Hart wird die ganze Geschichte, wenn man sich in Frankfurt – am Firmensitz von savedroid, umsieht. “Im Handelsregister ist eine Firmenadresse in der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt eingetragen, unter der heute Nachmittag jedoch niemand von Savedroid anzutreffen war”, berichtet die WiWo.

Offenbar ist das Startup schon vor Wochen ausgezogen – und auch an der vom Empfang genannten neuen Adresse, dem FinTech-Hub in der Mainmetropole, ist savedroid schon lange nicht mehr vertreten. Alles ganz schlechte Anzeichen. Bei Startups kommt es aber schon einmal vor, dass diese umziehen und umziehen und umziehen. Die Adresse im Handelsregister stimmt dann einfach nicht.

Die Investoren von savedroid waren gestern, am Mittwoch, noch ziemlich entspannt. Zuletzt investierten unter anderem die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), Alfred Schorno (360T) und Dennis Weidner 1,5 Millionen Euro in die Spar-App. Insgesamt flossen bisher rund 3,5 Millionen in das Unternehmen. Die Bewertung des Startups lag wohl vorher schon bei rund 20 Millionen.

Auf Nachfrage schrieb Investor Weidner gestern, dass nun erst einmal die Echtheit der E-Mails und Meldungen festgestellt werden müsste. Es ist offensichtlich, dass auch der Hamburger derzeit keine Ahnung hat, was bei savedroid genau los ist. Was auch alles gegen einen geplanten -zumindest aber gegen einen abgesprochenen – PR-Gag spricht. “Mit dem Unternehmen savedroid ist alles in Ordnung“, teilte dagegen die ISB gegenüber der WiWo mit. “Wir haben keine Bedenken.” Kontakt mit den savedroid-Machern hatten die Geldgeber bisher aber auch nicht.

Fazit: savedroid ist tot! Ein Hackerangriff scheint unwahrscheinlich. Wenn es ein PR-Gag sein sollte, wäre dies ein Fiasko. Die Szene muss somit weiter mit dem schlimmsten rechnen. Dies wäre ein Exit-Scam. Dann wäre savedroid die schlimmste deutsche Startup-Geschichte aller Zeiten.

Update (9:28 Uhr): Angeblich gibt es nun erste Hinweise, dass es tatsächlich ein PR-Stunt gewesen sein soll – unter anderem vom savedroid-Advisor Kilian Thalhammer. Zudem soll das viele ICO-Geld noch in den virtuellen Geldbörsen der savedroid-Nutzer vorhanden sein.

Update (9:37 Uhr): savedroid-Macher Hankir meldet sich zu Wort und verkauft den Skandal als Experiment, um auf Exit-Scams hinzuweisen. Die Aktion war somit ein abartiger PR-Gag. Einer, der savedroid mehr geschadet hat, als Hankir sich derzeit ausmalen kann.

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Foto (oben): savedroid

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.