15 Fragen an Sabrina O. Beck “Denke nicht zu viel bzw. zu lange über alles nach”

"Wenn ein Unternehmen aus der Seed Phase raus ist und in die Growth Phase kommt, gibt es wenig Kapitalgeber, die eine Investition in der dann benötigten Höhe stemmen können. Diesbezüglich sollte es von Regierungsseite weitere Unterstützung geben", sagt Sabrina O. Beck, Mitgründerin von Geschenke.de.
“Denke nicht zu viel bzw. zu lange über alles nach”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Sabrina O. Beck, Mitgründerin von Geschenke.de. Gemeinsam mit York N. Fischer treibt Beck seit 2016 Geschenke.de voran. Zum Start bekam das Geschenke.de-Team von seinen Gesellschaftern, darunter Hanse Ventures, eine “Finanzierung im oberen sechsstelligen Bereich” mit auf den Weg. Kurze Zeit später beteiligte sich auch Medieninvestor GMPVC an Geschenke.de.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Mein eigener Chef zu sein gibt mir die Chance, mein Unternehmen selber zu gestalten, eigene Ideen einzubringen und vergleichsweise sehr schnell umzusetzen. Sein eigener Chef zu sein bedeutet aber kein dauerhafter “Machen-Was-Man-Will”-Modus. Auch wir haben Verpflichtungen und Versprechungen gegenüber Investoren, Kunden, Lieferanten einzuhalten. Es bedeutet aber jeden Tag klar zu wissen, was zu tun ist und Entscheidungen mit Weitblick zu treffen und auch im täglichen Doing schnell zu reagieren.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Startup?
Mein Mitgründer York und ich haben uns zusammen mit dem Companybuilder Hanse Ventures aus Hamburg diverse Märkte angeschaut. Ein für uns sehr spannender war der fragmentierte Geschenkemarkt. Wie der Zufall es wollte, sprach Hanse Ventures mit dem damaligen Inhaber der Domain Geschenke.de und hat erfahren, dass er diese gern für Erfolg versprechende, neue Projekte zur Verfügung stellen würde. Mit Geschenke.de lösen wir das Bedürfnis der Kunden nach der einfachen Suche für das perfekte Geschenk und wollen die zentrale Marke rund um Geschenke aufbauen, die es bis dato noch nicht gibt.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Wir Gründer selbst haben in unsere Company investiert wie auch Hanse Ventures, Business Angels und strategische Partner – uns lag von Anfang an viel dar an, dass neben Kapital auch Know-how und Erfahrung in die Company mit eingebracht werden.

Was waren bei der Gründung Deines Startups die größten Stolpersteine?
Mit design3000 haben wir im September 2016, weniger als ein Jahr nach der Gründung von Geschenke.de, einen der größten und ältesten E-Commerce Shops für Lifestyle- und Design Produkte übernommen. Auch wenn es der richtige Schritt war, war uns am Anfang nicht bewusst, wie groß die Herausforderung als sehr junges Unternehmen ist, einen solchen Zusammenschluss zu stemmen.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich glaube nicht, dass ich rückwirkend vieles anders gemacht hätte – hinterher ist man immer schlauer und es ist einfach zu sagen „Das hätte man aber lieber so machen sollen“. Und außerdem kann man den Lauf der Dinge nicht immer beeinflussen, da nicht alles nur von unserer Entscheidung abhing. Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit unserer Entwicklung in den letzten zwei Jahren.

Jedes Startup muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Euch besonders wichtig?
Wir haben den großen Vorteil, eine selbsterklärende, dankbare Domain zu haben, die nebenbei das emotionale Thema unseres Onlineshops direkt aufgreift: Geschenke und schenken. Perfekt um eine
Marke aufzubauen und die perfekte Grundlage für TV-Werbung, womit wir auch direkt gestartet sind. Als performance getriebenes Unternehmen setzen wir aber auch stark auf die gängigen Online Marketing Kanäle SEA, SEO und CRM. Last but not Least: Social Media ist das perfekte Bindeglied zwischen Team und Kunden und ist, wie auch PR, ein tolles Tool, um Trends zu promoten. Unsere Marketingspielarten haben also alle eine tragende Rolle.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Natürlich mein Mitgründer York. Wir haben uns schon in unseren früheren Jobs bei Parship perfekt ergänzt und ich wusste, dass wir uns aufeinander verlassen können. Mit ihm kann man Ideen und Konzepte neu entwickeln, er brennt genauso wie ich für eine Sache und das hat sich bis heute nicht geändert.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Erstens: Wähle Deinen Geschäftspartner richtig aus. Du solltest ihn gut kennen und auf einer Augenhöhe mit ihm sein – das Vertrauen zueinander ist das A und O. Im Idealfall ergänzt Ihr Euch mit heterogenen Stärken. Zweitens: Brennt für Euer Geschäft – Euer Unternehmen ist Euer Baby! Ihr solltet überzeugt von Eurer Idee sein, Euch eingehend mit dem Unternehmen und dem dazugehörigen Markt beschäftigen und richtig Lust drauf haben. Euch sollte immer bewusst sein, dass es neben vielen Höhen auch mal Tiefen gibt. In diesen Phasen ist es wichtig, dass Ihr zu 100 % hinter Eurer Idee und Eurem Team steht, denn nur so könnt Ihr euch auch in schlechten Zeiten motivieren. Drittens: Lege ein wenig Naivität an den Tag. Denke nicht zu viel bzw. zu lange über alles nach und plane nicht alles durch – im Zweifelsfall kommt es eh anders als Du denkst. Mit Deinen Entscheidungen steuerst und kontrollierst Du Dein Unternehmen, dazu gehört es auch, gewisse Dinge zuzulassen – so bleibt es auch viel spannender.

Du triffst die Bundeswirtschaftsministerin – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihr wünschen?
Wenn ein Unternehmen aus der Seed Phase raus ist und in die Growth Phase kommt, gibt es wenig Kapitalgeber, die eine Investition in der dann benötigten Höhe stemmen können. Diesbezüglich sollte es von Regierungsseite weitere Unterstützung für Scaleup Unternehmen geben. Heißt, dass sie auch für großes Wachstum Geld zur Verfügung stellen bzw. subventionieren sollten. So könnten vielleicht auch endlich in Deutschland und Europa Unternehmen groß werden, bevor die großen Player aus den USA und China den Markt einnehmen.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Startup gegründet hättest?
Vermutlich würde ich irgendwo im Gesundheitswesen arbeiten. Ich finde das Thema total spannend und würde gerne nachhaltig Menschen helfen, die älter werden und auf Hilfe angewiesen sind. Hier
gibt es noch großes Verbesserungspotential und reichlich Platz für innovative Ideen.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschen spielen?
Bei mymuesli, denn ich finde es beeindruckend wie die drei Gründer aus einem einfachen Produkt eine riesige Marke aufgebaut haben. Hier würde ich gerne mal reingucken und könnte sicher noch
einiges für Geschenke.de dazu lernen.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Über die Vergangenheit sind wir so gut aufgeklärt, mich würde interessieren was vor uns liegt. Für mich hieße es, ab in eine Epoche in der Zukunft. So in 100 bis 150 Jahren würde ich gern mal wieder reinschauen.

Du hat eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Ich würde wieder in unser Unternehmen investieren, weil wir so unglaublich viel vorhaben und das Geld perfekt in die Weiterentwicklung stecken könnten. Ein anderer Teil würde in soziale Projekte für Alzheimer-Patienten gehen. Und nicht zuletzt sollte noch so viel übrig bleiben, dass ich noch bequem viele, fremde Länder bereisen kann.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Endlich etwas ausschlafen. Dann starte ich mit einem Lauf, um den Kopf frei zu machen. Weiter gehts mit einem gemütlichen Frühstück, meiner liebsten Mahlzeit – deshalb wird es auch möglichst lange ausgedehnt: Mit frischen Brötchen, Rührei, Obst, einfach gemütlich zu zweit oder mit lieben Freunden. Abends koche ich gern und schaue mir einen guten Film an. Alles in allem also sehr
entspannt, ich lasse mich sonntags gerne einfach treiben.

Mit wem würdest Du Dich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde sehr gerne meinen Großvater, der leider nicht mehr bei uns ist, auf einen Kaffee treffen. Er war einer der wichtigsten Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Da er eine große Persönlichkeit und ein Unternehmer mit Herz war, könnte ich auch heute noch viel von ihm lernen. Es wäre spannend, seine Tipps und Ratschläge zum jetzigen Zeitpunkt zu erfahren.

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Foto (oben): Geschenke.de

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.