15 Fragen an David Czaniecki “Als Gründer habe ich viele Freiheiten, die ich schätze”

"Gründen ist immer der Versuch, ein Problem zu lösen. Wer erfolgreich Gründen möchte, sollte sich deshalb ein Problem suchen, das möglichst viele Menschen betrifft, und eine Lösung für dieses Problem bereitstellen", sagt David Czaniecki, Gründer von wundertax.
“Als Gründer habe ich viele Freiheiten, die ich schätze”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet David Czaniecki, Gründer von wundertax. Das junge Unternehmen betreibt mehrere Plattformen, die den Nutzern bei ihrer Steuererklärung helfen, die sich an spezifische Personen- und Berufsgruppen wie Studierende, Auszubildende, Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleute, Lehrer und Expats richten. Das Start-up, zu dem etwa studentensteuererklaerung gehört, wurde 2016 von David Czaniecki, Jalyna Schröder und Daniel Hanemann auf die Beine gestellt.

Was bedeutet es Dir, Dein eigener Chef zu sein?
Ich sehe mich weniger als Chef, sondern mehr als Teil eines Teams, das an einem Strang zieht und jeden Tag aufs Neue versucht, unser Unternehmen voranzutreiben. Als Gründer habe ich natürlich auch viele Freiheiten, die ich sehr schätze.

Bei welcher Gelegenheit kam Dir die Idee zu Deinem Start-up?
Schon während des Studiums hat man uns immer erzählt, dass wir später unbedingt unsere Studienkosten von der Steuer absetzen sollen. Als ich dann nach dem Abschluss meine erste Steuererklärung machen wollte, wurde schnell klar, dass dies keine einfache Angelegenheit werden wird. Ich selbst war mit der Flut an unverständlichen Formularen überfordert. Die gängigen Steuerprogramme auf dem Markt gingen und gehen kaum bis gar nicht auf die spezielle Situation von Studenten ein. Auch ein kontaktierter Steuerberater konnte mit dem Thema Steuererklärung fürs Studium nicht viel anfangen und war zudem noch sehr teuer. Irgendwann habe ich mich dann selbst hingesetzt und mich durch eine Vielzahl von Paragrafen gewälzt. Am Ende hatte ich dann einen abgabefertige Steuererklärung und die Erkenntnis: das muss auch einfacher gehen. So entstand zunächst die Idee, ein Steuer-Tool speziell für Studenten zu entwickeln. Und weil auch viele andere Personen- und Berufsgruppen Schwierigkeiten haben, selbst ihre Steuererklärung zu erstellen, haben wir nach und nach weitere spezialisierte Tools entwickelt, z.B. für Azubis, Soldaten, Polizisten, Lehrer oder Expats.

Woher stammte das Kapital für Dein Unternehmen?
Als ich mir gegen Mitte 2015 sicher war, dass ich meine Idee umsetzen werde, habe ich mir von einem Freund ein privates Darlehen geben lassen. Kurze Zeit später haben dann Berliner Angels rund um die Saarbrücker21 als Seed-Investoren weiteres Geld nachgeschossen. Im nächsten Schritt haben wir dann mit Capnamic Ventures aus Köln und PROfounders Capital aus London zwei institutionelle Investoren mit an Bord geholt.

Was waren bei der Gründung Deines Start-ups die größten Stolpersteine?
Natürlich gab es am Anfang schon einige Hürden zu meistern. Wie baue ich schnell und mit hoher Kundenorientierung ein gutes Produkt? Wie setze ich mit geringem Budget ein erfolgreiches Online-Marketing auf? Wie komme ich bei Bedarf schnell an die besten Mitarbeiter ran? Durch die Unterstützung meines Netzwerks, v.a. der Seed-Investoren, konnten wir aber alle Hürden schnell und effizient nehmen.

Was würdest Du rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich bin sehr zufrieden, wie sich unser Unternehmen entwickelt hat. Deshalb bereue ich eigentlich auch keinen der vielen Fehler, die ich gemacht habe. Nur wenn du Fehler machst, lernst du daraus und kannst diese in Zukunft umgehen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Euch besonders wichtig?
Wer ein Online-Unternehmen aufbauen will, ist gut beraten, zunächst einmal auf Performance Marketing zu setzen – Google ist da logischerweise unser stärkster Akquise-Kanal. Dabei wird der mobile Traffic immer wichtiger. Grundsätzlich sind wir aber für viele Möglichkeiten offen und testen diese auch.

Welche Person hat Dich bei der Gründung besonders unterstützt?
Viel Unterstützung in der Startphase, aber auch heute noch, bekomme ich von Robert Maier, dem Gründer und CEO von LadenZeile. Von ihm gab es nicht nur das notwendige Startkapital, sondern auch viele hilfreiche Tipps. Mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk hat Robert entscheidend zum Erfolg von wundertax beigetragen.

Welchen Tipp gibst Du anderen Gründern mit auf den Weg?
Gründen ist immer der Versuch, ein Problem zu lösen. Wer erfolgreich Gründen möchte, sollte sich deshalb ein Problem suchen, das möglichst viele Menschen betrifft, und eine Lösung für dieses Problem bereitstellen. Wer nur ein Unternehmen aufbauen will, um reich zu werden, der wird vermutlich nie Erfolg haben. Wenn der Entschluss gefasst ist, selbst etwas auf die Beine zu stellen, sollte man es am besten einfach probieren. Ich kenne viele Menschen, die eigentlich unbedingt gründen wollen, aber stattdessen viel Zeit aufwenden, um zu erklären, warum sie noch nichts gestartet haben. “Ich muss erstmal Banking und Corporate Erfahrung sammeln”, höre ich oft. In meinen Augen zumeist Zeitverschwendung.

Du triffst die Bundeswirtschaftsministerin – was würdest Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland von ihr wünschen?
Ein eigenständiges Ministerium für Digitalisierung.

Was würdest Du beruflich machen, wenn Du kein Start-up gegründet hättest?
Dann würde ich wahrscheinlich bei einem VC arbeiten und anderen Menschen dabei helfen, Start-ups zu gründen.

Bei welchem deutschen Start-up würdest Du gerne mal Mäuschen spielen?
Beim hoffentlich bald neu gegründeten Ministerium für Digitalisierung.

Du darfst eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reist Du?
Ich reise definitiv in die Zukunft. Im zurückliegenden Bundestagswahlkampf und tagtäglich in den Talkshows reden unsere Politiker unermüdlich davon, wie wichtig Digitalisierung für unser Land und unsere Gesellschaft ist. Mich würde brennend interessieren, was daraus wird und wie die Zukunft aussieht.

Du hast eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machst Du mit dem ganzen Geld?
Ich investiere die eine Hälfte in Start-ups, da Ich in den vergangenen Jahren viele interessante Menschen mit spannenden Ideen kennengelernt habe. Mein erstes Investment würde sicher an meinen Freund Leander de Laporte und sein Start-up MedBelle gehen. Was ich mit der anderen Hälfte mache, verrate ich nicht.

Wie verbringst Du einen schönen Sonntag?
Seit der Gründung von wundertax kommen Familie und Freunde oft viel zu kurz. Wann immer es geht, halte ich mir Sonntage frei, um meine Familie zu besuchen, mit Freunden was zu unternehmen – oder einfach mal wieder auszuschlafen.

Mit wem würdest Du gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit dem zukünftigen Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Ich würde sie oder ihn dann gerne davon überzeugen, dass moderne Wirtschaften ein eigenständiges Ministerium für Digitalisierung vertragen könnten. Minister Dobrindt schien mit der Doppelaufgabe von klassischer und digitaler Infrastruktur ja etwas überfordert gewesen zu sein.

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Foto (oben): wundertax

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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