Gründeralltag 25 Gründer über ihren lehrreichsten Fehler

Was war der lehrreichste bzw. der beste Fehler, den Du gemacht hast? 25 Gründerinnen und Gründer antworten! "Zwei Sachen, Start-up und Job, gleichzeitig geht nicht", sagt Marko Wenthin von solarisBank. "In die USA zu expandieren und das so richtig zu versemmeln", sagt Tim Mois von sipgate.
25 Gründer über ihren lehrreichsten Fehler

Wer ein Start-up gründet, steht vor vielen Herausforderungen, vielen Entscheidungen sowie vielen Höhen und Tiefen. Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten 25 Gründerinnen und Gründer gefragt: “Was war der lehrreichste bzw. der beste Fehler, den Du gemacht hast?” – hier die Antworten, die wir hier erstmals gebündelt veröffentlichen.

Ich finde die meisten Fehler die ich und meine Co-Founder gemacht haben, sehr lehrreich. Am spannendsten sind sicherlich die Fehler die man mehrfach macht, zum Beispiel Personalentscheidungen hinauszögern usw. Dabei lernt man viel über sich selbst und sein Umfeld und kann irgendwann besser einschätzen in welchen Bereichen man als Unternehmer stark ist und gute Entscheidungen trifft und in welchen Umfeldern man eher andere Leute Entscheidungen treffen lassen sollte. Die wirklich heftigen Krisensituationen, die dann auch mal zu schlaflosen Nächten führen, waren sicherlich am lehrreichsten.
Alexander Graf, Spryker

If you pay peanuts, you get monkeys. Ich habe entschieden, dass ich nur noch mit Profis arbeiten möchte und es mir nicht mehr primär darum geht die Gehaltskosten zu optimieren und möglichst wenig zu bezahlen. Mir geht es darum, dass die Leute wissen was sie tun und die Firma voran bringen. Am Gehalt zu sparen und schlechtere Leute einzustellen lässt die Firma viel Zeit verlieren.
Doreen Huber, Lemoncat

Fehler die zur Erkenntnis führen, dass man Geld raisen soll, wenn man es gerade nicht braucht.
Marcus Börner, Optiopay

Ich habe im Studium erwogen, eine Karriere in der Wirtschaftsprüfung zu machen. Das habe ich dann aber nach drei Monaten Praktikum in einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sofort wieder verworfen. Ich glaube, es hätte kaum eine schlechtere Berufswahl für mich gegeben.
Anna Alex, Outfittery

Unendlich viele ‘kleine’ Fehler im täglichen Tun. Hier gilt einer meiner (wenigen) Leitsprüche: “Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein”. Ein richtiger “Knaller-Fehler” fällt mir hier nicht ein.
Dieter Fromm, moneymeets

“Falsche“ Menschen einzustellen – das zeigte mir, wie wichtig gutes Recruiting, ein funktionierendes Team und Teamwork sind.
Eva Missling, 99designs

Da kann man nicht eine Sache herausgreifen. Man macht viele kleine Fehler und lernt aus diesen. Aus den einzelnen Lernerfahrungen setzt sich das Gesamtbild zusammen.
Christopher Oster, Clark

Der beste Fehler ist ein wunderschöner Widerspruch. Rückblickend hätte ich gern ab Beginn der Community Life mehr von unserer Plattform mit dem eigenen Team entwickelt. Das tun wir heute und es funktioniert wunderbar. Die Schwäche der Fehleranalyse ist jedoch, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt. Ob ein anderer Weg tatsächlich besser gewesen wäre, können wir leider nie testen.
Claudia Lang, Community Life

Ich habe mich zu lange von dem (5 Jahres-)Plan-Irrsinn doktrinieren lassen und damit auch zu lange am ursprünglichen Plan als Marschroute festgehalten: Der (5 Jahres-)Plan ist eben nicht der Plan, sondern die Erkenntnis gibt den Plan vor: Trial & Error ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor! Und darauf muss man schnell und vor allem konsequent reagieren, leider auch in Form von permanenten Plan-Updates.
Magnus Schmidt, scoo.me

Mit Agenturen zu arbeiten: Agenturen verstehen dein Business nicht genug, kosten zu viel Geld und extrem viel Zeit zu managen. So viel wie möglich selber machen!
Antonia Albert, Careship

Mich auf die falschen Leute einzulassen. Das ist kein aktuelles Thema, aber in meinen 16 Jahren Selbstständigkeit immer wieder passiert. Wenn man mit anderen gründet oder langfristig gemeinsam Geschäfte macht, lernt man auch viele Abgründe menschlicher Psyche kennen oder sieht, wie sich Menschen in unerwartete Richtungen entwickeln. Das gehört dazu, führt zu vielen schmerzhaften Erkenntnissen, lässt aber die eigene Menschenkenntnis ungemein reifen. Und am Ende bleiben diejenigen übrig, auf die man sich jederzeit blind verlassen kann.
Christoph Huebner, exmedio

Wir haben vor allem in zu kurzen Fristen und schnellen Erfolgen gedacht und dadurch unnötig Enttäuschungen bei uns selbst produziert. Gerade die Etablierung einer Pinnwand und Plattform für Nachbarschaften braucht einen lagen Atem. Schließlich wollen wir damit Nachbarschaft auch nachhaltig beleben.
Philipp Götting, WirNachbarn

Eine AG vom Start weg, mit allem was dazugehört.
Sven Zuschlag, SmapOne

Am Anfang zu großzügig zu sein: mit unserer Zeit, unserer Geduld und unseren Margen.
Moritz Grumbach, Gastrozentrale

Falsche Entscheidungen beim Recruiting tun am meisten weh. Deswegen stellen wir noch Leute ein bei denen wir 100 % sicher sind und haben einen ausgefeilten Recruitingprozess um sicher zu stellen nur die allerbesten Leute für uns zu gewinnen.
Mathis Büchi, smallpdf

Zu früh skalieren – wenn der Product Market-Fit noch nicht erreicht ist. Ist das Produkt noch Scheiße und man skaliert, dann produziert man halt Scheiße in Masse.
Jan Dzulko, everphone

Nach den ersten erfolgreichen Jahren mit der Mietkautionsbürgschaft von kautionsfrei.de habe ich mit Unterstützung meiner Gesellschafter ein weiteres Unternehmen gegründet. Aufgrund des stabilen Netzwerks und der Zielgruppe, die ich gut zu kennen glaubte, bin ich fest davon ausgegangen, dass auch die neue Idee ein Erfolg werden musste. Aber trotz aller Mühen sowie des zeitlichen und finanziellen Investments wollte es nicht funktionieren. Daraus habe ich für mich diese drei Schlüsse gezogen. Erstens: Man sollte im Vorfeld den Zeitpunkt definieren, an dem man die Reißleine zieht. Zweitens: Allein der starke Glaube an ein Projekt genügt leider nicht. Drittens: Wenn man ins Stolpern gerät und hinfällt, muss man danach einfach „nur“ wieder aufstehen! Robert Litwak, kautionsfrei.de

Keine Backups vom eigenen Rechner zu haben, das hat mich vor vielen Jahren sehr viel Geld gekostet, um die Daten aufwändig wiederherstellen zu lassen. Seitdem wird täglich teils lokal, teils in die Cloud – natürlich verschlüsselt – gesichert.
Markus Schicker, Outbank

Ohje, wo soll ich da anfangen. Wir haben vor acht Jahren gegründet und glaube ich jeden Tag Fehler gemacht. Ich denke, ich habe aus den meisten etwas gelernt. Der lehrreichste Fehler im Business-Kontext war eventuell kurzfristige Investoreninteressen über langfristige Interessen der Firma zu stellen. Eventuell war uns auch gar nicht bewusst, was diese damals neue „strategische Ausrichtung“ langfristig bedeutet. Zumindest rudern wir heute noch Jahre nach dieser Entscheidung zurück und versuchen das Model zu korrigieren. Das kostet viel Zeit und Nerven. Persönlich habe ich viel aus der Interaktion mit Menschen gelernt. Welches Verhalten warum welche Reaktionen auslöst und wie man damit umgeht. Das war aber mehr ein kontinuierlicher Prozess als eine Event.
Thomas Jajeh, twago

In die USA zu expandieren und das so richtig zu versemmeln. Unter anderem, weil wir nicht schnell genug ein komplettes Team an den Start gebracht haben.
Tim Mois, sipgate

Der lehrreichste Fehler: Personalentscheidungen wurden zu sehr herausgezögert. Neue Leute bringen in der Regel – und idealerweise – neue Ideen und neuen Spirit.
Alexander Stelmaszyk, buddy

Ich habe in den letzten 15 Jahren meiner Selbstständigkeit jede Menge Fehler gemacht. Fehler passieren immer wieder. Das Wichtigste ist, dass man den gleichen nicht zweimal macht und seine Lehren daraus zieht. Ein recht lehrreicher Fehler für uns war, dass wir zu Beginn mit einem Team von mehreren Entwicklern gestartet sind, die wir aus unserer vorherigen Firma übernommen hatten. Wir hatten somit schon am Anfang recht hohe Kosten und den damit verbundenen Erfolgsdruck. Wir waren alles andere als schlank. Die Mitarbeiter haben nach wenigen Monaten die Firma verlassen und wir mussten das Heft selbst in die Hand nehmen. “Lean” zu sein, ist zu unserer Firmenphilosophie geworden.
Jens Kammerer, Jaumo

Zu Früh zu viele Themen gleichzeitig gemacht. Viel davon haben wir dann wieder gelassen. Fokus ist alles.
Philipp Man, Chronext

Zwei Sachen, Start-up und Job, gleichzeitig geht nicht. Ganz oder gar nicht. Ich hatte bei meiner ersten Gründung noch den Fehler gemacht zu glauben, dass ich das Geld aus dem Freelancer-Job bräuchte, um über die Runden zu kommen. Am Ende war es deutlich teurer, weil das Start-up nicht abgehoben hat. Und das hauptsächlich weil ich nicht 120 % meiner Aufmerksamkeit darauf gegeben habe.
Marko Wenthin, solarisBank

Einer unserer größten Fehler bei simfy, meiner ersten Firma, war, dass wir unser Produkt unfertig und zu früh an den Markt gebracht haben und sofort schnell wachsen wollten. Ich habe irgendwo einmal den Spruch “over-funded companies tend to solve imaginary problems” gelesen. In dem Satz steckt viel Wahres. Anstatt uns auf das Wesentliche, unser Produkt und unsere Kunden, zu konzentrieren, haben wir uns zu früh mit Wachstums- und Skalierungsthemen beschäftigt – und dafür viel Lehrgeld bezahlt.
Steffen Wicker, Homeday

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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