Foodist - Erfolg mit Gourmetboxen Von der Bachelorarbeit über Hartz IV zum Millionenumsatz

Mit einem Startkapital von 4.000 Euro erwecken Alexander Djordjevic und Ole Schaumberg Foodist zum Leben. Investoren konnten die Hanseaten in ihrer Anfangszeit nicht von sich überzeugen. Inzwischen kaufte der Werbegigant Ströer das Unternehmen – angeblich für rund 3,5 Millionen.
Von der Bachelorarbeit über Hartz IV zum Millionenumsatz

Das vor rund 5 Jahren gestartete Leckerschmecker-Start-up Foodist, eine Abobox rund Delikatessen aus Manufakturen, wurde 2014 bundesweit bekannt – durch einen Auftritt in der VOX-Gründer-Show “Die Höhle der Löwen”, bei dem es aber zu keinem Deal kam – siehe “Wir haben 300.000 Euro Umsatz erzielt, das ist unfassbar“. Inzwischen kaufte der Werbegigant Ströer das Unternehmen – angeblich für rund 3,5 Millionen Euro. Zeit für einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Food-Start-ups.

Foodist wurde 2012 von Alexander Djordjevic und Ole Schaumberg in Hamburg gegründet. Die Gründer lernten sich an der Hamburg School of Business Administration (HSBA) kennen. Djordjevic arbeitete parallel für den Kaffee- und Süßwarenhändler arko, Schaumberg war beim Handelsriesen Otto aktiv. Schon damals war dem Duo klar, dass sie einmal ein Unternehmen gründen wollen. Bereits als sie an ihrer Bachelorarbeit saßen, feilten sie am Konzept für Foodist. Im Oktober 2012 ging der Shop für Gourmetbox-Abos dann an den Start.

“Noch absolut unerfahren und grün hinter den Ohren entschieden wir uns für Bootstrapping, warfen jeder 2.000 Euro in die Mitte und mit diesem Startkapital von 4.000 Euro wurde Foodist dann zum Leben erweckt. Im ersten Jahr fanden wir Unterschlupf in einer Bürogemeinschaft. Wenn der Konfi belegt war, sind wir mit unseren Laptops ins Café gegangen und konnten uns dort pro Fritz Cola 30 Minuten ins WLAN einloggen. Wir hatten weder Büro noch Gehalt und unser aktuell 1.700 Quadratmeter-Lager bestand ganz zu Anfang aus einer einzigen Europalette. Wir lebten in dieser Zeit von Hartz IV”, berichtet Djordjevic über die Anfangszeit von Foodist.

Rund ein Jahr später schrieben wir erstmals ausführlicher über Foodist. “Zur Mitte jeden Monats verschickt Foodist in seiner ‘Foodist Box’ Delikatessen-Überrschungen an seine aktuell etwa 1.000 Abonnenten. An Produkt-“Teasern” finden sich verschiedene Lebensmittel beziehungsweise Genussartikel wie beispielsweise Tee, Knabbereien, Saucen, Süßigkeiten oder Getränke. An jedem Set wirken sechs bis 8 Betriebe mit, insgesamt beteiligen sich zurzeit 45″, heißt es in unserem Bericht, der den Titel “Foodist verschickt Delikatessen aus Manufakturen per Abo” trägt.

ds-FineFoodBox

Investoren konnten die Hanseaten in ihrer Anfangszeit nicht von sich überzeugen. “Entweder erhielten wir gar keine Rückmeldung oder nur Absagen. Es gab zu dieser Zeit einfach nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt, um den Erfolg zu prognostizieren – weder Zahlen noch Fakten. Und außerdem fragten sich potenzielle Geldgeber damals: ‘Wollen sich die Deutschen überhaupt – gerade, wenn es ums Essen geht – überraschen lassen?!'”, erinnert sich Djordjevic.

Das Foodist-Team setzte deswegen auf Crowdinvesting. Über Companisto sammelte das Start-up 2013 rund 175.000 Euro. ein. “Das Geld investierten wir in unser eigenes kleines Büro, unsere erste Mitarbeiterin, zwei Auszubildende sowie ins Marketing. Und wir zahlten uns ein erstes kleines Gehalt, das über dem Hartz-IV-Satz lag”, erzählt Djordjevic weiter. Im April 2014 folgte die zweite Crowdinvesting-Runde – diesmal sammelte das Unternehmen 295.000 Euro ein. Das Kapital floss “in Personal, Räumlichkeiten und Marketing”.

2015 folgte eine weitere Crowdinvesting-Runde – diesmal kam 1 Million zusammen. Djordjevic: “Wir nutzten das Geld und investierten in die Superfood Box, die Ausweitung des Onlineshops und die Auswertung des Kundenfeedbacks. Das Datenmaterial ist rückblickend sehr wichtig, um den Erfolg von neuen Produkten auf dem deutschen Markt abschätzen zu können. Anhand dessen haben wir Exklusivverträge mit gut funktionierenden Marken ausgearbeitet. Daraus entstand dann der Großhandelsvertrieb. Mittlerweile beliefern wir insgesamt 3.500 Stores in ganz Deutschland – Edeka, Rewe, Famila, Feinkost Käfer und Rossmann sind unter anderen dabei. So können wir die Wertschöpfungskette optimal abdecken: Wir führen ein Produkt in der Abo-Box ein, verkaufen es anschließend im Onlineshop und wenn es gut funktioniert, bieten wir es dem Einzelhandel als Großhändler an. Unser Paradebeispiel ist Propercorn aus London. Vor Foodist kannte das Produkt in Deutschland niemand. Mittlerweile finden die Kunden die Marke in nahezu jedem gut sortierten Supermarkt. Wir sind durch Foodist keine typischen Vertriebler, die ihre Produkte in den Himmel loben. Vielmehr argumentieren und überzeugen wir durch Fakten”.

Zu guter Letzt noch ein Blick auf den finanziellen Werdegang von Foodist: 2013 erwirtschafte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 300.000 Euro. Das Geschäftsjahr 2014 endete – auch dan der Teilnahme an der VOX-Show “Die Höhle der Löwen” mit 15 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,5 Millionen Euro. 2015 endete für die beiden Jungunternehmer mit 25 Mitarbeitern und einem Umsatz von 6 Millionen Euro. 2016 waren dann schon 45 Mitarbeiter bei Foodist an Bord. 200.000 Pakete verschickte die Jungfirma im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr peilen die Food-Unternehmer 400.000 Paketversendungen und eine Umsatzsteigerung von 100 % an.

Der schwierige Weg hat sich somit gelohnt. Auch Djordjevics Vater dürfte nun zufrieden sein: “Als ich für Foodist dann ein gutes Jobangebot von einem Energiekonzern ablehnte, meinte mein sicherheitsliebender Vater nur: ‘Bist du denn wahnsinnig? Du wirst mit deinen Marmeladengläschen niemals richtig Geld verdienen!’.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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