#5um5 “Viele VCs in Europa agieren eher wie Banker”

Was würdest Du bei Deinem nächsten Start-up anders machen? "Versuchen schneller an den Markt zu kommen, die Idee intensiver testen, verschiedene Business Modelle ausprobieren und generell freier an die Sache heranzugehen - und nicht so fixiert auf eine mögliche Lösung zu sein", sagt Waldemar Wegelin von Tastillery.
“Viele VCs in Europa agieren eher wie Banker”

Unsere Rubrik “5um5” liefert jeden Tag um Punkt 5 Uhr insgesamt – wer hätte das gedacht – 5 wissenswerte Fakten, bahnbrechende Tipps oder hanebüchene Anekdoten rund um ein startupaffines Thema. Heute geht es um: 5 Gründer enthüllen, was sie beim nächsten Start-up anders machen würden.

Was würdest Du bei Deinem nächsten Start-up anders machen?

Auch wenn wir stets wirklich gute Investoren hatten, würde ich noch stärker auf den strategischen Fit achten als bisher getan. Es ist so wichtig, dass die langfristige Planung übereinstimmt. Grade im Marktplatz-Business kann man nicht von heute auf morgen profitabel sein. Man braucht einen langen Atem und muss mühsam und teuer an der Reichweite arbeiten. Da darf einem unterwegs nicht die Puste ausgehen. Außerdem würde ich stärker auf verschiedene Profile meiner Mitgründer achten. Ich hatte zwei sehr starke und smarte Mitgründer aber wir waren uns, glaube ich, zu ähnlich und konnten uns nicht wirklich gut ergänzen. Auch wenn ich meine Mitgründer sehr schätze, denke ich, dass es effizienter ist, wenn verschiedene Fachrichtungen zusammenkommen.
Zu guter Letzt, würde ich es mir zumindest sehr gut überlegen, in Europa einen echten Marktplatz zu gründen. Marktplätze leben von großen Skalen. Der Umsatz pro „Transaktion“ ist in der Regel klein. Um auf große Reichweite zu kommen, braucht man sehr lange, sehr viel Geld. Viele VCs in Europa agieren eher wie Banker, die in Bundesschatzbriefe investieren wollen. Ich denke nicht, dass ein Konzept wie eBay oder Facebook in Europa genug Funding bekommen hätte, um wirklich groß zu werden. Hier erkenne ich aber grade durch die immer stärkere Präsenz der US-Investoren-Szene in Europa einen Wandel.
Thomas Jajeh, twago

Die Frage ist in dem Fall weniger hypothetisch, da Homeday bei mir bereits das „nächste“ Startup ist. Wir machen bei Homeday viele Dinge anders und versuchen Fehler von früher wenn möglich nicht zu wiederholen. Eine Thema, das uns bei Homeday sehr am Herzen liegt sind unsere Mitarbeiter. Wir legen großen Wert und verwenden sehr viel Zeit darauf die richtigen Mitarbeiter zu finden, und eine Umgebung zu schaffen, in der sich unsere Mitarbeiter wohl fühlen und große unternehmerische Verantwortung übernehmen können. Wir suchen keine Mitarbeiter, die „in“ unserer Firma, sondern gemeinsam mit uns „an der Firma“ arbeiten möchten.
Steffen Wicker, Homeday

Ich habe ja schon seit 1999 mehrere gegründet und auch wieder verkauft. Heute leite ich drei Internetfirmen und bin an mehreren beteiligt. Jedes Projekt hatte seine Besonderheiten, da gibt es kaum Vergleiche. Ich glaube aber, ich würde nicht viel anders machen als bisher.
Harald Meurer, HelpShops

Ich würde gerade zu Beginn die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Wir sind zwei Gründer bei CareerFoundry. Optimal aber wäre es gewesen, wir hätten das Unternehmen zu fünft gegründet. Dann hätten wir gleich Experten für Marketing, Finance, IT, UX und Sales an Bord gehabt – so dass wir das Unternehmen schneller in die Spur hätten bringen können.
Raffaela Rein, CareerFoundry

Sehr viel. Versuchen schneller an den Markt zu kommen, die Idee intensiver testen, verschiedene Business Modelle ausprobieren und generell freier an die Sache heranzugehen – und nicht so fixiert auf eine mögliche Lösung zu sein.
Waldemar Wegelin, Tastillery

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.