Spontan Leute treffen jetztra – ein Social Network ganz ohne Profile

"Seit unserem Launch im Oktober hatten wir enormen Zulauf und dabei festgestellt, dass es neben spezifischen Interessen häufig die alltäglichen Dinge sind, wofür Personen Interessenspartner suchen, sei es für einen Theaterbesuch, zu Kaffee und Kuchen oder auf einen Drink am Abend", sagt Julia Weber von jetztra.
jetztra – ein Social Network ganz ohne Profile

Über 1.000 Hamburger sind bereits bei der Social Discovery-App jetztra unterwegs. Das Start-up, das von Julia Weber und Christian Kranemann gegründet wurde führt Menschen ausschließlich über Interessen zusammen. “Nur wer als Nutzer selbst aktiv wird und sein Interesse als Inserat auf jetztra einstellt, sieht die Inserate von anderen und kann mit diesen in Kontakt treten. So werden Nutzer dazu angehalten, selbst aktiv zu werden, denn passives Stöbern durch bestehende Inhalte ist so nicht mehr möglich”, teilen die Hanseaten mit.

Der hanseatische Geldgeber 20Scoops findet das Konzept gut und investierte beriets einen mittleren sechsstelligen Betrag in das Start-up. Das frische Kapital soll “insbesondere zur weiteren technischen Entwicklung sowie für Marketing eingesetzt” werden. Langfristig soll sich die kostenlos App über Werbeeinblendungen – etwa von lokalen Yoga-Studios – refinanzieren. “Zusätzlich planen wir die Entwicklung einer Bezahl-Version von jetztra, bei der Nutzer von Vergünstigungen entsprechend ihrer Interessen profitieren können”, sagt Mitgründerin Weber.

“Wer etwas erleben möchte, geht zu jetztra”

Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht Julia Weber, Mitgründerin von jetztra, über Nutzerprofile, Kaffee und Matching.

Welches Problem wollen Sie mit jetztra lösen?
Zwar gibt es heutzutage schon jede Menge soziale Plattformen – wenn ich aber nach einer Möglichkeit suche, spontan Leute zu finden, die meine Interessen teilen, stoße ich hier an Grenzen. Denn entweder ist das Ganze dann auf Nutzerprofilen basierend und erhält so auch schnell einen Dating-Charakter. Oder aber Inhalte, die ich finde, sind nicht – mehr – aktuell und verlaufen oft ins Nichts. Deshalb verzichten wir bei jetztra auf Nutzerprofile, vorgegebene Kategorien und das Scrollen durch bestehende Inhalte. User sehen bei jetztra nur etwas, wenn sie selbst aktiv werden und ihr Interesse in Form eines Inserats einstellen und können auch dann erst mit anderen in Kontakt treten. Und da alle Inserate maximal 24 Stunden online sind, sind Inhalte stets aktuell und somit verbindlicher.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet jetztra ein Erfolg?
Weil wir eine Lösung für genau das obenstehende Problem bieten. Es gibt viele Gründe, weshalb mir gerade niemand zur Verfügung steht, mit dem ich meine Interessen teilen kann, etwa weil ich neu in eine Stadt gezogen bin oder aber meine Lebensumstände sich geändert haben und meine Interessen sich deshalb verschieben, zum Beispiel weil ich Mutter oder Vater geworden bin oder gerade in Rente gehe. Seit unserem Launch im Oktober 2016 hatten wir enormen Zulauf innerhalb unserer App und dabei haben wir auch festgestellt, dass es neben ganz spezifischen Interessen häufig die ganz alltäglichen Dinge sind, wofür Personen Interessenspartner suchen, sei es für einen Theaterbesuch, zu Kaffee und Kuchen oder auf einen Drink am Abend. Das bestätigt uns ganz klar darin, dass jetztra eine Lücke füllt, die bisher vorhanden war – und dass jetztra deshalb ein Erfolg wird. Spannend ist dabei übrigens, dass unsere Nutzer aus allen Alterssegmenten stammen. Und das zeigt: Soziale Netzwerke sind längst auch für die Generation 60+ ein interessantes Thema.

Wer sind Ihre Konkurrenten?
Generell gilt: jetztra ist dem Markt der sozialen Netzwerke zuzuordnen und steht hier doch in keiner unmittelbaren Konkurrenz zu anderen Netzwerken. Denn entweder sind Plattformen wie MeetUp zwar interessensbasiert aber eher auf Gruppenevents ausgelegt oder aber sie stellen wie Tinder oder Facebook Nutzerprofile in den Fokus. Wir legen bei jetztra einen Fokus auf individuelles, interessensbezogenes Matching und das ist ganz klar, was uns von anderen Plattformen unterscheidet.

Wo steht jetztra in einem Jahr?
Wer stöbern will, geht zu Facebook, wer Fotos sehen möchte zu Instagram, wer Wischen möchte zu Tinder und so weiter. Wir sagen: Wer etwas erleben möchte, geht zu jetztra. Derzeit fokussieren wir uns noch auf Hamburg. Im Sommer soll es jetztra dann auch in weiteren Großstädten geben, so dass jetztra spätestens 2018 auch bundesweit die Plattform ist, die ich nutze, wenn ich spontan aber verbindlich Interessenspartner suche.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.