"USP nicht klar kommuniziert" Track – der Fehler lag definitiv im Design!

Das Berliner Food-Start-up Track gönnt sich kurz nach dem Start ein komplett neues Design. "Vor allem im direkten Kundenkontakt stellten wir fest, dass der Kunde Schwierigkeiten hatte unser Produkt zu verstehen und es schnell in die Kategorie der Smoothies oder Energydrinks verortete", sagt Track-Macher Malte Gützlaff.
Track – der Fehler lag definitiv im Design!

Das Berliner Start-up Track, das von Atlantic Food Labs unterstützt wird, ging vor wenigen Monaten an den Start. Die Jungfirma bietet einen sogenannten Liquid Snack, also ein Getränk, an. Zielgruppe des Food-Start-ups sind Zeitgenossen, die keine Lust auf einen Schokoriegel haben und sich auch keinen Energy-Drink hinter die Binde gießen wollen – siehe “Track – für Menschen, die ‘keinen Scheiß essen’ wollen“.

Dabei machte das Start-up einen Fehler in Sachen Design. “Wir wollten auch auf der Verpackung zeigen, dass wir ein junges, unabhängiges Start-up sind, welches modern ist und einen gewissen Lifestyle verkörpert. Leider haben wir es dabei verpasst, den Kundennutzen des Produkts in den Vordergrund zu stellen und die USPs nicht klar auf der Verpackung kommuniziert”, sagt Track-Mirgründer Malte Gützlaff. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Liquid Snack-Macher über Marktforschung, Kundennutzen und Kommunikation.

Track ging vor wenigen Monaten an den Start. Nun habt ihr Euer Design komplett umgestellt. Warum dieser Schritt?
Als wir uns ganz zu Beginn Meinungen zur Idee des ersten gesunden und sättigenden Snacks zum Trinken einholten, war das Feedback überragend. So gut wie jeder kannte die Momente in denen er gerne auf solch eine Alternative hätte zurückgreifen wollen. Mit diesem Wissen machten wir uns an die Produktentwicklung und anschließend an das Design. Diesmal holten wir uns jedoch nur Stimmen aus unserem direkten Umfeld und nicht von Menschen die unser Produkt noch gar nicht kannten. Leider verloren wir dadurch etwas den Überblick und der Spagat zwischen gesund und hochwertig und modern und anders gelang uns nicht wie gewünscht. Nach einer qualitativen Marktforschung entschieden wir uns, direkt mit unseren Kunden in den Dialog zu treten und entwarfen das neue Design nach ihren Vorstellungen und Wünschen und kombinierten diese mit unserem eigenen Spirit.

Was genau war das Problem beim vorherigen Design?
Das Problem lag sowohl in der grafischen als auch textlichen Kommunikation der Verpackung. Wir wollten auch auf der Verpackung zeigen, dass wir ein junges, unabhängiges Start-up sind, welches modern ist und einen gewissen Lifestyle verkörpert. Leider haben wir es dabei verpasst, den Kundennutzen des Produkts in den Vordergrund zu stellen und die USPs nicht klar auf der Verpackung kommuniziert.

Wie äußerste sich das?
Vor allem im direkten Kundenkontakt stellten wir fest, dass der Kunde Schwierigkeiten hatte unser Produkt zu verstehen und es schnell in die Kategorie der Smoothies oder Energydrinks verortete. Das unser Produkt jedoch eine gänzlich neue Produktkategorie, nämlich die der Liquid Snacks, ins Leben rief, wurde den Kunden nur durch begleitende Kommunikation klar. Wir haben nun versucht, die Grundwerte unseres Produktes klarer herauszustellen und deshalb grafisch eine ganz neue Richtung einzuschlagen.

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Was er schwer für Euch, so viel Kritik für Euer Design einstecken zu müssen?
Natürlich ist es schade, wenn man das Design nach so kurzer Zeit ändern muss. Schließlich haben wir uns gemeinsam mit einer renommierten Agentur sehr viele Gedanken und viel Mühe für das den ersten Entwurf gemacht. Aber letztlich kommt es auf den Kunden an und ob die zu übermittelnde Botschaft ankommt. Wir haben unseren Stolz aber schnell runtergeschluckt, die Ärmel hochgekrempelt und uns an das neue Design gemacht. Diesmal inhouse mit einem Illustrator und vielen Zwischenrunden in denen wir Feedback eingesammelt haben.

Hat sich der Aufwand denn gelohnt?
Heute sind wir froh über diesen Schritt und können jedem solch eine Vorgehensweise raten. Auch eine Markforschung ist, selbst wenn es für ein Start-up einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand bedeutet, ein enorm wichtiger Meilenstein und Proof of Concept. Denn so ehrliches und wertvolles Feedback zu deinem Produkt wirst du von deinem Umfeld oder Gesprächen auf Messen und Events nicht erhalten.

Wo steht Track in einem Jahr?
In einem Jahr haben wir unsere Vertriebswege soweit ausgebaut, dass Track auch über die Grenzen Berlins hinaus im Einzelhandel vertreten ist. Über unseren Online-Shop verkaufen wir bereits deutschlandweit, jedoch ist dies nur durch gezieltes Online-Marketing möglich. Für den Einzelhandel müssen wir uns noch breiter aufstellen und auch die Offline-Kanäle bespielen. Nichts ist frustrierender, als wenn du eine Listung hinter dir hast, dein potenzieller Kunde dein Produkt allerdings nicht kennt und du es nicht schaffst verschiedene Berührungspunkte zu kreieren. Wir planen bereits viele Messen und Events für das kommende Jahr um auf uns aufmerksam zu machen. Zurzeit nutzen wir dafür die Crowdfunding-Plattform startnext. Eine tolle Möglichkeit um sich direktes Feedback zu holen und zu sehen ob dein Produkt bestehen kann.

Welches Ziel genau verfolgt ihr mit Eurer Crowdfunding-Kampagne ?
Neben der finanziellen Unterstützung sehen wir eine Crowdfunding-Kampagne als tolle Möglichkeit der Präsentation und des direkten Austauschs zwischen Start-up und Endkunde. Wir haben bereits viel Feedback zu unserm neuen Auftritt erhalten, spannende Kontakte geknüpft und Vorbestellungen generiert. Als junges Unternehmen bedarf es unkonventioneller Wege um sich bekannt zu machen, startnext ist 2016 sicherlich keine Neuerfindung, aber dennoch eine tolle und vor allem ehrliche Plattform dafür.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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