15 Fragen an Philipp Man von Chronext Chronext und die Idee, Luxusuhren online zu handeln

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Philipp Man von Chronext.
Chronext und die Idee, Luxusuhren online zu handeln

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Es bedeutet, eigene Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen man sein Team und sich selbst am meisten und schnellsten voranbringen kann. Allerdings auch 24/7 an die Firma zu denken und nicht zwischen privat und beruflich zu differenzieren.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Mein Mitgründer und ich hatten die Idee während einer Finance Lecture an der Uni. Wir wollten einen Börsen-artigen Marktplatz für Uni-Bücher gründen. Die Idee erschien uns schnell ziemlich schlecht, doch der Gedanke daran, Konsumgüter wie Aktien zu handeln, ließ uns nicht los. Als Uhrengeeks wurde uns schnell klar – warum machen wir das nicht für Uhren?

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Die ersten 8.000 GBP waren ein Kredit von StartUp Britain – anschließend investierte ein Family Office aus der Schweiz 50.000€. Danach haben wir unsere erste institutionelle Finanzierungsrunde mit Capnamic Ventures, der NRW.BANK und Business Angels gemacht. Das war ein langer Weg zum ersten Geld.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Idee Luxusuhren online zu handeln – bei einem Durchschnittspreis von 6.000-8.000 Euro – fanden viele verrückt. Dementsprechend mussten wir sehr viele Investoren ansprechen, bevor wir Geld bekamen um weiterzuarbeiten. Ich habe viele falsche Investoren, die gar nicht in Start-ups investieren, angesprochen, schlecht gepitcht und ehrlich gesagt auch wenig Plan gehabt, wie man Geld einsammelt. Das machte den Anfang ziemlich schwer. Zum Glück war mein Mitgründer geduldig und Kreditkartenschulden brachten uns erstmal weiter.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Das Thema HR. Wenn man einstellt, sollte man die Sache von Anfang an deutlich ernster nehmen. Heute stellen wir nur Kandidaten ein, von denen wir meinen, sie sind Weltklasse oder könnten es werden. Früher waren wir nicht so selektiv, das hat viel Ärger gemacht.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Am Anfang waren es Medienkooperationen – heute ist es TV und alles rund um Suchmaschinen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Vater hat mir sehr viel Rat gegeben, aber als Vater ist das wahrscheinlich normal. Als Mentor und Freund hat uns Christian Weiss von Project A unzählige Male gerettet – mit Ratschlägen, aber auch Kapital. Ohne ihn wären wir nicht so schnell so weit gekommen. Viele Dinge, die er mir vor drei Jahren gesagt hat und ich nicht ernst nahm, sind jetzt tatsächlich so. So viel Weitsicht und Geduld haben wenige. Ich kann nur jedem Gründer raten so jemanden zu finden und eine gute Beziehung zu ihm aufzubauen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich höre oft X, Y oder Z ist die halbe Miete. Am Ende des Tages ist aber die Miete die ganze Miete. Zahlen sollte man von Tag Eins im Griff haben und so kritisch mit sich selber sein wie mit anderen. Man sollte sich selber nichts vormachen. Zahlen lügen nicht.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Lockerere Personalgesetze. In UK und der Schweiz geht vieles einfacher. Mit hohen Sozialabgaben ab Mitarbeiter 1 fördert Deutschland nicht gerade Unternehmertum.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Rapper – ganz klar.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Wenn ich ehrlich bin, gibt es da niemanden in Deutschland. In den USA sehr gerne Uber.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
80er Jahre – damit ich 6 Jahre Zeit habe alles was ich habe am 13. März 1986 bei Microsoft zu investieren.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wahrscheinlich würde ich eine neue Firma gründen oder in andere junge Unternehmer investieren. Wenn es nicht Business sein soll, dann würde ich mir einen Formel-3000-Rennwagen kaufen und Autorennen fahren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich geh auf ein Konzert oder bin an der frischen Luft mit gutem Ausblick.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Jay-Z – auch wenn Tidal nicht fliegt, er ist Entrepreneur und Rapper. Beste Kombination aus Hustle und Flow.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Philipp Man ist Gründer von Chronext mit Sitz in der Schweiz. Er studierte sowohl in Camebridge als auch in London und arbeitet bereits parallel dazu bei verschiedenen Unternehmen und Branchen in Großbritanniern und der Schweiz.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.