15 Fragen an Harald Zapp von relayr “Wer nicht fragt, kriegt auch kein konstruktives Feedback”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Harald Zapp von relayr.
“Wer nicht fragt, kriegt auch kein konstruktives Feedback”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Zum einen, meine Ideen so pragmatisch und schnell wie möglich zum Erfolg führen zu können. Und zum anderen mir die Leute an Bord zu holen, mit denen ich gerne und mit viel Spaß erfolgreich an meiner Idee arbeiten möchte.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die letzten Jahre habe ich mich intensiv mit dem Internet der Dinge beschäftigt und mich gefragt, welche Anwendungen dieser Vision von der Vernetzung von allem zum Durchbruch verhelfen werden. Bei einer Kernfrage bin ich dann hängen geblieben: welche Killer-Applikationen schaffen es, das Internet der Dinge für uns alle erlebbar zu machen?

Dabei ging es mir dann auch mehr um Interoperabilität und die Plattform, auf der solche Anwendungen entwickelt werden können, als um die Anwendungen selbst. Und so habe ich angefangen, mir ein gutes Entwickler-Team zusammenzustellen, mit dem ich eine solche Plattform aufbauen kann. Damit wollen wir quasi das „WordPress“ für das Internet der Dinge werden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Beginn bin ich mit eigenem Kapital gestartet, das dann typischerweise durch F&F und Business Angels und schließlich durch das Seed Beteiligungskapital unsers neuen CEO Josef Brunner ergänzt wurde.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ehrlich gesagt: genau das Thema Kapital. Da die Erstellung einer globalen Software-as-Service Internet-of-Things-Plattform etwas mehr Zeit und Personal braucht – auch nur bis zu einem ersten MVP – ist der Kapitalbedarf deutlich höher als die Fantasie der potenziellen Geldgeber gewesen. „Think Big“ ist leider keine Deutsche Erfindung.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wie heißt es so schön: „Wenn man vom Rathaus kommt, ist man klüger.“ Aus der heutigen Sicht würde ich mit dem Kernteam für 3 bis 6 Monate in ein Apartment oder Haus ziehen und Tag und Nacht mit den üblichen Methoden wie lean startup an der Weiterentwicklung der Gründungsidee arbeiten. Hier haben wir in der Gründungsphase viel zu viel Zeit liegen gelassen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Sicher, dass tollste Produkt und die beste Lösung ist nichts wert, wenn darauf keine Investoren oder Kunden aufmerksam werden. Ich setze daher auf den richtigen Kommunikations-Mix, um die Zielgruppen optimal zu erreichen. Die sehen natürlich für Software Entwickler anders aus als für C-Level Entscheider in Unternehmen oder eben Investoren.

Daher ist es schwer, hier eine pauschale Antwort zu geben. Nur so viel: wir haben sehr gut Erfahrungen mit dem Aufbau und Management unserer Community gemacht. Dabei haben uns die vier Zieldimensionen Growth, Engagement, Listening, Improvement weit gebracht.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Es wird ja immer sehr viel über das persönliche Netzwerk gesprochen, das einen dabei unterstützt. Ich war überrascht, dass mir vor allem Personen maßgeblich weitergeholfen haben, die ich vor einem Jahr noch nicht kannte! Ergo, wer nicht rausgeht und fragt, kriegt auch kein konstruktives Feedback und am Ende die notwendige Unterstützung.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Erstens: Keine Angst vor dem Scheitern der eigenen Idee oder dem eigenen Unternehmen, und sich deshalb von einer Gründung abhalten lassen.
Zweitens: Man sollte sich nicht zu sehr auf die Kraft seiner Idee versteifen – Ideen gibt es wie Sand am Meer. Am Ende kommt es auf das kompetente Team und die konsequente Umsetzung der Idee an.
Drittens: zu früh aufgegeben. Klar, es wird Widerstand geben aber das gehört dazu. Also Kritik in Chancen ummünzen und weiter konsequent am Ziel arbeiten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Mehr aktive Förderung des Gründergeists, im internationalen Vergleich ist Deutschland leider immer noch eine Wüste. Zur Wahrung des hohen Lebensstandards ist Deutschland auf ständige Innovationen angewiesen. Insbesondere junge Leute müssen mehr motiviert werden, Verantwortung zu übernehmen und vor allem Unternehmen zu gründen, um innovativen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Für mich gibt es dazu heute keine Alternative mehr. Ich habe sämtliche Aktivitäten auf neue Ideen und das Gründen bzw. Unterstützen von Startups gelegt. Alles andere habe ich in den ersten 25 Berufsjahren intensiv erlebt.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich sehe das so: bei allen Technologie-Startups, die von großen Unternehmen gekauft wurden. Das wäre wahnsinnig spannend und erkenntnisreich für mich.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Auf jeden Fall in die Zukunft, da ich in ihr den Rest meines Lebens verbringen und gestalten werde.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich investiere es in weitere gute Ideen und passionierte Gründer in Deutschland, die mich persönlich begeistern und inspirieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Entspannt mit Freunden, meiner Frau oder gar der ganzen Familie beim BBQ und einer guten Flasche Wein.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Getränke egal, der ideale Tag wäre: Frühstück mit Peter Thiel, Mittagessen mit Marc Benioff und Abendessen mit Elon Musk.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Harald Zapp ist Gründer von relayr und Seriengründer innovativer Startup-Unternehmen. Er arbeitet seit fast 30 Jahren in der IT- und Telekommunikationsbranche und hatte dort vielfältige Positionen inne. Er sammelte früh seine Erfahrung bei US-Firmen aus erster Hand, unter anderem bei Wang Laboratories, Syn-Optics und Cisco Systems. Außerdem war er Direktor bei Attensity Europe verantwortlich für Strategie und die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.