Chat-Bot statt Liebe Lovoo unter Betrugsverdacht: Abzocke mit Fake-Profilen

Nach Recherchen von c’t soll die Flirt-Plattform Lovoo ihren Nutzern mit "Tricks viel Geld aus der Tasche gezogen haben". Es geht konkret um Fake-Profile, die "die automatisiert andere Profile zu Interaktionen auf der Plattform verleitet haben – auch zu kostenpflichtigen".
Lovoo unter Betrugsverdacht: Abzocke mit Fake-Profilen

Die Dresdner Flirt- und Dating-App Lovoo gehört zu den ganz großen deutschen Hit-Startups mit weltweit über 30 Millionen Nutzern, über 160 Mitarbeitern und Einnahmen “im achtstelligen Bereich“. Und alles erreichte das Lovoo-Team ohne finanzielle Hilfe durch Investoren – siehe auch “So wurde die Dating-App Lovoo zum Mega-Erfolg“.

Nun aber steht Lovoo erstmals massiv in der Kritik: Nach Recherchen des Computermagazins c’t soll die Flirt-Plattform ihren Nutzern mit “unlauteren Tricks viel Geld aus der Tasche gezogen haben”. Es geht konkret um sogenannte Fake-Profile, die “die automatisiert andere Profile zu Interaktionen auf der Plattform verleitet haben – auch zu kostenpflichtigen”. Seit rund zwei Jahren soll Lovoo demnach mit solchen Profilen arbeiten und Nutzer zu sogenanntem “Top-Chat” verführt haben. Dabei sollen teilweise 5.000 Euro täglich erwirtschaftet worden sein. “Was aufs Jahr gerechnet einen Schaden von mehr als einer Million Euro bedeuten würde”, rechnet das Computermagazin zusammen.

Zum Hintergrund: Der c’t wurden dem Bericht zufolge “unaufgefordert Dateien zugespielt, die nach seiner Darstellung E-Mails der Lovoo-Führungsriege enthalten”. Diese Dokumente wurden allerdings von einem Lovoo-Anwalt als Fälschungen betitelt. “Bei den uns vorliegenden Dateien handelt sich um mehrere Kopien von Mail-Postfächern sowie Screenshots und Quellcode – insgesamt mehr als 50 GByte. Selbst in diesem Umfang lassen sich Dateien manipulieren, wir haben bislang keinerlei Hinweise auf eine Manipulation entdeckt”, sagt Johannes Endres, Chefredakteur von c’t. Nach Abschluss der Recherche konfrontierte c’t Lovoo mit konkreten Fragen zu den Beobachtungen und Dokumenten. Das Unternehmen habe aber bislang nicht konkret zu den Dokumenten Stellung genommen, teilt c’t mit.

“Stattdessen teilte ein vom Unternehmen beauftragter Rechtsanwalt pauschal mit, dass Lovoo aus den Fragen den Inhalt der Berichterstattung ableiten könne, die aber falsch sei und jeder Grundlage entbehre bzw. Informationen in einen falschen Kontext stelle”. Quasi zeitgleich sollen bei Lovoo aber diverse Profile von der Plattform verschwunden sein, heißt es in dem Bericht weiter. “Die meisten der Profile tauchten ab dem 12. September plötzlich nur noch als ‘Gelöschter Nutzer’ auf”. Mittlerweile seien die ‘Gelöschten Nutzer’ komplett entfernt worden.

Lovoo weist die genannten Vorwürfe auch gegenüber Spiegel Online noch einmal zurück: “Die in der heutigen Ausgabe der ‘c’t’ in einem Artikel aufgestellten Vorwürfe gegen die Kennenlern-App Lovoo beruhen auf zweifelhaften Dokumenten und Daten, die dem Magazin anonym zugespielt worden sind und dessen Authentizität die Autoren in ihrem Beitrag selbst anzweifeln”. Wobei Fake-Profile in der Dating-Szene leider kein Einzelfall sind.

Passend zum Thema: “15 Fragen an Alexander Friede von Lovoo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.