"Man wird hier zwangsläufig zum Netzwerker" So zieht adgoal seinen Ableger im Silicon Valley hoch

"Man wird hier zwangsläufig zum Netzwerker. Nicht nur ist es wichtig, um im schnelllebigen Geschäftsalltag mitreden zu können, auch ist die Kultur über das eigene Business zu reden, selbst mit direkten Konkurrenten, eine ganz andere, ganz offene, durchweg kommunikative", sagt adgoal-Mitgründer Carlo Schwarz.
So zieht adgoal seinen Ableger im Silicon Valley hoch

Das Münchner Unternehmen adgoal, ein Meta-Affiliate-Netzwerk, existiert schon seit rund sieben Jahren. Nun wagt die junge Firma den Schritt in die USA. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Auswanderer Carlo Schwarz, Mitgründer von Gründer von adgoal, über das Eröffnen eines Geschäftskontos in den USA, das teure Silicon Valley und die am amerikanische Kultur über das eigene Business zu reden.

adgoal gibt es bereits seit 2008. Warum wagen Sie nun den Schritt in die USA?
Weil wir wachsen wollen und in den USA die Musik spielt. In den ersten Jahren lag unser Fokus darauf, unsere Produkte und Services in Deutschland zu etablieren und voranzutreiben. Wir waren 2008 die ersten, die hierzulande die Idee eines Meta-Affiliate-Netzwerks hatten. Entsprechend oft mussten wir damals die neue Thematik erklären, viele Gespräche führen und natürlich Partner gewinnen. Diese sehr aufwändige Pionierarbeit zahlt sich heute aus – wir bündeln insgesamt 45 Affiliate-Netzwerke mit über 20.000 eindeutigen Partnerprogrammen. Damit sind wir nicht nur das erste, sondern auch das größte Meta-Affiliate-Netzwerk Deutschlands. Der Schritt in die USA ist nun der nächste logische und notwendige Schritt für unser Geschäft. Zum einen, um unsere international tätigen Partner besser betreuen zu können – zum anderen, um unsere Position im Markt auszubauen. Und der Löwenanteil des internationalen Affiliate-Markts, schätzungsweise 50 Prozent, findet nun mal in den USA statt. Früher oder später muss man sich also diesem Markt annehmen und die eigenen Landesgrenzen verlassen.

Wie haben Sie die Expansion in die USA organisiert, was waren Ihre ersten Schritte, Maßnahmen?
Die ersten und wichtigsten Schritte waren zunächst, die adgoal USA Inc. zu gründen und einzutragen. Danach eine Anschrift vor Ort zu finden – in Form einer Wohnung und Büros. Diese Anschrift wiederum ermöglichte uns überhaupt erst das Eröffnen eines Geschäftskontos und die steuerliche Registrierung. Dabei hatten wir das Glück, dass ein Freund uns einen Anwalt vorgestellt hat, der auf Incorporations und Corporate Financing spezialisiert ist und binnen drei Tagen dafür gesorgt hat, dass unsere 100-prozentige-Tochter nun eingetragen ist. Wir waren selbst überrascht, wie schnell das ging und ich kann dieses Vorgehen über einen Anwalt nur empfehlen.

Was raten Sie anderen Gründern sonst, die in die USA expandieren möchten?
Auf jeden Fall: Tut es! Aber nicht unvorbereitet und nicht ohne finanziellen Background. Denn das Silicon Valley ist teuer. Nur als Beispiel: Wohnungsmieten zwischen 3.000 und 4.000 Dollar sind hier normal. Facebook und Co. treiben die Preise gerade enorm in die Höhe. Entweder man beißt in den sauren Mietapfel oder sucht sich eine Alternative außerhalb des Valleys, um sein US-Business zu starten. Und selbstverständlich sollte man frühzeitig die Visumsfrage klären.

Sie haben adgoal in Deutschland bisher gemeinsam mit ihrem Mitgründer Eugen Falkenstein geführt. Wie haben Sie entschieden, wer in die USA geht, um dort das Geschäft auf- und auszubauen?
Genau, wir sind beide alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Allerdings war Eugen Falkenstein in Sachen adgoal schon immer das „Sprachrohr“ und Gesicht nach außen im deutschsprachigen Raum. Wir wollten hier keinen Bruch herbeiführen. Zumal ihn jeder ihn in unserem Bereich kennt. Und Deutschland ist nach wie vor unser stärkstes Standbein. Aus diesem Grund haben wir uns darauf geeinigt, dass ich den Aufbau in den USA übernehme. Aber selbstverständlich stimmen wir alles gemeinsam ab. Egal, ob Deutschland oder USA.

Was reizt Sie daran, adgoal in den USA voranzutreiben?
Wie gesagt, die USA sind der größter Affiliate-Markt weltweit. Das allein ist schon Anreiz, unser Business hier weiter auszubauen. Außerdem sind hier alle Investoren der Welt. Und nicht zuletzt das wertvolle Networking, das hier stattfindet. Davon profitieren wir auch in Deutschland. Zum Beispiel in Form einer vor kurzem geschlossenen Kooperation mit Tapatalk. Die ist hier in den USA zustande gekommen.

Wie organisieren Sie den Austausch zwischen Deutschland und den USA?
Hauptsächlich über Skype, E-Mail und Telefon. Und dann natürlich regelmäßige Meetings in Deutschland. Meistens bin ich zwei bis drei Wochen hier in den USA, gefolgt von ein bis zwei Wochen in Deutschland. Wie es gerade passt und das Geschäft es erfordert.

Was haben Sie bei der Expansion unter- bzw. überschätzt?
Unterschätzt haben wir sicherlich den Markteintritt. Es warteten keine offenen Türen und kein roter Teppich auf uns. Außerdem ist das Geschäft im Silicon Valley enorm schnelllebig. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber was mich sehr beeindruckt hat: Business-Mails werden innerhalb von Minuten beantwortet, Geschäftstermine stehen innerhalb eines Zeitfensters von 48 Stunden. Wenn man schnell vorankommen möchte, dann ist man hier richtig. Man muss nur mit dem hohen Tempo mithalten können. Und was man auf keinen Fall unterschätzen darf: Wie wichtig das Netzwerken im Silicon Valley ist. Hier geht nichts ohne ein Intro, dem gegenseitigen Vorstellen. Man muss Leute kennen, die wiederum andere kennen und einen vorstellen. Wer kein Netzwerker ist, wird hier wahrscheinlich nicht weit kommen. Networking ist essentiell im Silicon Valley.

Und Sie sind ein Netzwerker?
In meinem Fall kann ich nur sagen: Man wird hier zwangsläufig zum Netzwerker. Nicht nur ist es wichtig, um im schnelllebigen Geschäftsalltag mitreden zu können, auch ist die Kultur über das eigene Business zu reden, selbst mit direkten Konkurrenten, eine ganz andere, ganz offene, durchweg kommunikative. Ich musste dies tatsächlich erst neu erlernen durch die eher zurückgezogene, misstrauende Art der Kommunikation, die man aus Deutschland gewöhnt ist.

Wo steht adgoal in einem Jahr?
Auf einem gestärkten Standbein in den USA – zumindest ist das unser Ziel. Ein weiteres Ziel – auch wenn es vielleicht vermessen klingt: Wir hatten in den letzten drei Jahren ein Wachstum von weit über 100 Prozent jährlich. Es wäre natürlich klasse, wenn wir das noch einmal schaffen. Wir arbeiten auf jeden Fall daran.

Passend zum Thema: “Viele Wege führen ins Silicon Valley – ein Ausreiseratgeber” und “Bücher über das Silicon Valley, die Startupper lesen sollten“.

Foto: Joseph Sohm / Shutterstock.com

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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