Vor dem Start schon tot Deutsche Börse trägt den Markt 2.0 zu Grabe

Die Deutsche Börse trägt den neuen Markt 2.0 schon wieder zu Grabe. Noch vor dem Treffen mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Dezember. Die Deutsche Börse plant nun stattd dem neuen Neuen Markt eine vorbörsliche IPO-Plattform. Einen Starttermin gibt es offenbar noch nicht.
Deutsche Börse trägt den Markt 2.0 zu Grabe

Der neue Neue Markt ist tot! “Wir glauben, dass die Schaffung eines Börsensegments allein nicht das bestehende Finanzierungsproblem löst. Denn dessen Ursache ist ein Strukturproblem im deutschen Kapitalmarkt”, sagte Andreas Preuß, stellvertretender Chef der Deutsche Börse am Dienstag auf dem Deutschen Eigenkapitalforum in Frankfurt. Deutschland habe zu wenige institutionelle Investoren mit Branchenspezialisierung für wachstumsstarke Hightech-Geschäftsmodelle, führte er laut Wall Street Journal weiter aus.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der sich im Dezember mit Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Vertretern der Start-up-Szene zusammentreffen wollte, um das Thema Neuer Markt zu erörtern, ist damit vor vollendete Tatsachen gestellt worden. “Ich bedauere diese Entscheidung und halte sie auch für falsch”, sagte er dem Bericht zufolge. Die Entscheidung werde dazu beitragen, dass sich junge Unternehmen noch stärker in die USA orientierten. Deutschlands größten Börsenbetreiber forderte er auf, seine Entscheidung zum Markt 2.0 zu überdenken, berichtet Börse Online zum Thema. Die vorzeitige Entscheidung war aber abzusehen, bereits Anfang November bezweifelte die Deutsche Börse die Notwendigkeit eines neuen Börsensegmentes für Start-ups – siehe “Der neue Neue Markt bleibt wohl nur ein Traum“.

Die Deutsche Börse plant nun statt dem neuen Neuen Markt eine vorbörsliche IPO-Plattform. “Als Börsenorganisator sehen wir unseren Beitrag im Aufbau einer vorbörslichen IPO-Plattform. Sie richtet sich primär an Investoren und Unternehmen und soll als internetbasierte Informations- und Platzierungsplattform mit online- und offline-Komponenten eine für Investoren sichtbare IPO-Pipeline aufbauen”, so Preuß laut WirtschaftsWoche. Einen Starttermin gibt es offenbar noch nicht.

Warum diese Entscheidung? Dazu noch einmal die WirtschaftsWoche: “Gründer, die es hierzulande auf den Börsenzettel schaffen könnten, gibt es offenbar kaum”. Weiter heißt es im Artikel: “Innovationen wie etwa das hierzulande erfundene mp3-Format werden nicht zur Marktreife gebracht; andere Geschäftsmodelle sind im schlechten Fall US-Kopien (me-too) oder im besten Fall regional erfolgreich im T-Shirt-Druck oder der Herstellung individueller Schokolade. Sex-Appeal für die Börse: meist null”. Man könnte dieser Liste jetzt einmal zalando, Rocket Internet, Westwing, zooplus, Xing, Delivery Hero und Co. entgegenstellen. Die zählen in der börsennotierten Wirtschaftswelt aber wohl nicht. Einige deutsche Unternehmen werden den Sprung an die Börse sicherlich trotzdem wagen, andere nun erst recht in die USA abwandern.

Deutschland verspielt mal wieder seine Zukunft – siehe auch “Hessens Finanzminister gefährdet Start-up-Finanzierung“. Passend zum Thema: “Gabriel engagiert sich weiter für die Start-up-Börse

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.