Börse will keinen Markt 2.0 Der neue Neue Markt bleibt wohl nur ein Traum

Die Deutsche Börse bezweifelt die Notwendigkeit eines neuen Börsensegmentes für Start-ups. Florian Nöll vom Startup-Verband zeigt sich von dieser Entwicklung enttäuscht: "Die Antwort unserer Start-ups darauf ist eindeutig: Wenn es keine deutsche NASDAQ gibt, dann gehen wir eben an die echte NASDAQ nach New York".
Der neue Neue Markt bleibt wohl nur ein Traum

Immer wieder machte sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in den vergangenen Monaten für ein neues Börsensegment für Start-ups stark. Zuletzt während eines Gesprächs mit deutschen Gründern während der German NYC Week und auf dem IT-Gipfel. In Hamburg sagte er: “Wir sind der festen Überzeugung, dass wir ein solches Börsensegment brauchen”. Im Dezember will Gabriel dieses Thema bei einem Treffen mit Reto Francioni, dem Vorstandschef der Deutschen Börse, vertiefen – wie zu hören ist.

Nun aber beendet Cord Gebhardt, Director – Head of Department Primary Market der Deutschen Börse, die Diskussion mit wenigen Sätzen: “Ein neues Segment wäre viel zu kurz gesprungen”, sagte er laut Börsen Zeitung am Dienstag bei einem Pressegespräch in Frankfurt. “Wir überprüfen das genau und würden das nur machen, wenn wir das für sinnvoll halten.”

Florian Nöll vom Startup-Verband zeigt sich von dieser Entwicklung enttäuscht: “Statt die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet für die Einführung eines Markt 2.0 zu nutzen, hat die Deutsche Börse mit ihrer Zurückhaltung dazu beigetragen, dass diese Börsengänge in ein schwieriges mediales Umfeld geraten sind. Die jüngsten Äußerungen passen zu diesem Pessimismus”. Wer in New York mit einem halb vollen Glas ein Flugzeug betrete, der steige in Frankfurt mit einem halbleeren Glas wieder aus. “Die Antwort unserer Start-ups darauf ist eindeutig: Wenn es keine deutsche NASDAQ gibt, dann gehen wir eben an die echte NASDAQ nach New York”. Einen Weg, den einige deutsche Börsenkandidaten wie Delivery Hero wohl ohnehin schon ansteuern. Deutschland verspielt mal wieder seine Zukunft – siehe auch “Hessens Finanzminister gefährdet Start-up-Finanzierung“.

Passend zum Thema: “Gabriel engagiert sich weiter für die Start-up-Börse

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.