Hardware-Start-up Mit Lock8 Fahrrad smart abschließen, lokalisieren und vermieten

Eine Erfindung wie Lock8 war längst überfällig. Aber sowas von. Denn laut Wikipedia wurden in 2012 allein in Deutschland 326.159 Fahrräder gestohlen. Die Aufklärungsquote betrug gerade mal 9,7 %. Gut 316.000 Bestohlene werden also sicher zustimmen: Es wird Zeit für ein smartes Fahrradschloss.
Mit Lock8 Fahrrad smart abschließen, lokalisieren und vermieten

Und genau das hat Lock8 entwickelt: Ein ziiieeemlich zu Ende gedachtes smartes Fahrradschloss, mit dem man zusätzlich auch noch sein Fahrrad vermieten kann. So funktioniert’s: Das Smartphone wird zum elektronischen Schlüssel für das Schloss. Das Schloss selbst, dessen Akku sich via Induktion beim Fahren automatisch auflädt, ist alarmgesichert. Versuchen böse Buben (oder Mädchen), es mittels Bolzenschneider, Säge, Hammer, Bohrmaschine, Trennschleifer, Bunsenbrenner oder Eis-Spray zu knacken, werden die Ohren des Schelms/der Schelmin – und aller Passanten in der Nähe – mit quälendem, 120 dB lautem Alarmton malträtiert.

Denn die integrierten Sensoren reagieren auf Bewegung, Licht, Vibrationen und auf Temperaturveränderungen und lösen den Alarm aus. Wird das smarte Kabel geknackt, bekommen die Eigentümer des Rads und die Lock8-Community automatisch eine SMS. Zu spät, denn der Dieb ist dann ja mit dem Fahrrad schon auf und davon? Keineswegs. Mittels des ins Schloss eingebauten Geo-Locators kann der Eigentümer via GPS herausfinden, wo sein Fahrrad sich jeweils befindet. All diese Sicherungen lassen die Vermutung zu, dass mit Lock8 endlich ein Fahrradschloss erfunden wurde, das wirklich vor Diebstahl schützt oder zumindest das Wiederauffinden des Diebesguts ermöglicht. Es sei denn, die Diebe bauen das gesamte Schloss ab oder sie hacken die Software.

Lock8 ermöglicht auch Fahrrad-Sharing und Beobachtung der Wege verschiedener Fahrräder

Teilt man den elektronischen Schlüssel mit Freunden oder Familienmitgliedern, kann man sogar checken, wo sich deren Fahrräder gerade befinden – ohne, dass das Rad gestohlen wurde. Eine Maßnahme, die zwar einerseits zum Stalken einlädt, andererseits aber Eltern einige Sorgen abnimmt, weil sie immer wissen, wo ihre Kinder gerade sind, wenn diese mit dem Fahrrad unterwegs sind.

A propos Teilen des elektronischen Schlüssels: Darüber funktioniert auch ein weiteres cleveres Feature von Lock8: Über die Lock8-eigene Plattform können sich alle Community-Mitglieder Fahrräder leihen, indem sie den elektronischen Schlüssel des jeweils nächsten Fahrrads erwerben. Und Fahrrad-Besitzer können auf diese Weise mit ihrem Radl sogar Geld verdienen.

Entstanden ist die Idee – wie so oft – aus eigenem Bedarf heraus
Den beiden Gründern Franz Salzmann und Dr. Daniel Zajarias-Fainsod wurden mehrere Male an der Universität ihre Fahrräder gestohlen und eines Tages diskutierten sie bei einem Kaffee über Fahrraddiebstahl. Verwundert fragten sie sich, warum es noch kein technologisch unterstütztes Fahrradschloss gibt – und entwickelten es deshalb eben selbst.

Alle zeigen sich begeistert von der Erfindung
Und dass nicht nur sie auf eine Lösung wie Lock8 anscheinend nur gewartet haben, zeigen die Reaktionen: Die Medien überschlagen sich mit Meldungen über Lock8 – von Branchen-spezifischen Medien für Fahrräder oder Gadgets über die großen Leitmedien bis hin zum WallStreetJournal haben schon fast alle über Lock8 geschrieben.

Schon früh glaubte Business Angel Christophe F. Maire an den Erfolg des Produkts und engagierte sich. Auch die Jury des Pitch-Wettbewerbs bei TechCrunch Disrupt Europe überzeugte das Konzept so sehr, dass die Lock8-Gründer als Gewinner und um 40.000 Euro reicher nach Hause fahren konnten.

Bei der Kickstarter-Kampagne zur Anschub-Finanzierung engagierten sich die Bieter mit über 60.000 £ – angestrebt hatte Lock8 50.000 £.

So ist es nicht wirklich verwunderlich, dass nun auch Horizons Ventures und Otto Capital eine siebenstellige Summe investiert haben – deutsche-startups.de berichtete.

Alle, die es jetzt gar nicht abwarten können, sich dieses clevere Gadget zu kaufen, müssen sich allerdings noch gedulden: Bislang ist das Lock8-Fahrradschloss noch nicht auf dem Markt, man kann es aber bereits für 179 US$ vorbestellen und ‘Mitte 2014’ mit der Lieferung rechnen.

Je nach Ausstattung von Lock8, was Kabellänge oder Sicherheitsstufe angeht, kann der Kaufpreis später variieren. Auch Mengenrabatte zum Beispiel für Fahrradverleihe werden wohl angeboten werden.

Diverse Features wie Nutzung der Verleih-Plattform oder der Push Notification Service werden nach Markteintritt per Abo zu erwerben sein.

Die Lock8-App gibt es bislang nur für iOS-Smartphones, die Apps für Android sind – leider mal wieder – für ‘bald’ angekündigt.

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.