Gründerinnen. „I have the time of my life“ – Anna Alex von outfittery

Seit der Schulzeit steht für Anna Alex (Foto: rechts) fest, dass sie etwas mit Wirtschaft machen will. Heute ist die 27-Jährige Mitgründerin und Geschäftsführerin von outfittery (www.outfittery.de), einer noch jungen Curated Shopping-Plattform für […]
Gründerinnen. „I have the time of my life“ – Anna Alex von outfittery

Seit der Schulzeit steht für Anna Alex (Foto: rechts) fest, dass sie etwas mit Wirtschaft machen will. Heute ist die 27-Jährige Mitgründerin und Geschäftsführerin von outfittery (www.outfittery.de), einer noch jungen Curated Shopping-Plattform für Männer, die gerade mächtig Geld eingesammelt hat. Das erklärte Ziel der Wahl-Berlinerin ist, Persönlichkeit in den E-Commerce zu bringen und shopping-unbegeisterte Männer einzukleiden. Sir Henry, der Büro-Hund, unterstützt Alex und das outfittery-Team tatkräftig dabei. Begonnen hat die Geschichte vor drei Jahren, als die beiden Gründerinnen Anna Alex und Julia Bösch gemeinsam bei Rocket Internet anfingen.

„Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und es war schnell klar, dass wir etwas zusammen machen wollten“, erzählt Alex begeistert. Erstmal haben die beiden Berufserfahrungen gesammelt, dabei aber immer „rechts und links“ nach einer Geschäftsidee geschaut. Im letzten Herbst, nach einem Aufenthalt in New York, bei dem Bösch das Konzept Personal-Shopping kennen gelernt hatte, entschieden sie sich für Curated Shopping. Zuerst tauften sie ihren Shop Paul Secret. Seit Kurzem heißt er nun outfittery, weil der Name allgemeingültiger und selbsterklärend ist. Bei outfittery stellt eine persönliche Outfit-Expertin den Männern individuell Kleidungsstücke zusammen. Outfittery schickt diese Auswahl dem Kunden nach Hause. Der zahlt nur für die Kleidung, die er behält, und der Service ist kostenlos.

Herausfordernd: Gutes Team und passenden CTO finden

Zu den größten Herausforderungen zählte laut Alex, ein gutes Team aufzubauen. Ein Team, das so gut „miteinander tickt“, dass es auch in Zukunft gut zusammenarbeiten kann. Auch einen CTO zu finden, der ins Team passt, war nicht leicht, da in Berlin viele Start-ups CTOs suchen. Mit Tobias Nendel sind die beiden Frauen fündig geworden – nun steht die Suche nach Praktikanten im Bereich Businessdevelopment an.

_MG_9332b 2Alex ist bei outfittery für das Produkt und den laufenden Betrieb zuständig. Sie betreut den gesamten Bereich User-Experience und arbeitet daran, Kunden das perfekte Einkaufserlebnis zu bieten. Obwohl Alex sehr viel arbeiten muss, mehr als gedacht, ist für sie „definitiv jetzt die ‘time of my life’“. Ihr macht die Arbeit Spaß. Und zwar alles. Eine besondere Anerkennung ihrer Arbeit sind glückliche Kunden. „Wir haben sehr nette Kunde, die sehr zufrieden mit ihren Outfits sind.“ Bei der Begeisterung, die Alex für ihre Arbeit aufbringt, scheint es unwahrscheinlich, dass sie einen Alternativberuf ausüben könnte. Doch wenn sie etwas anderes machen „müsste“, würde sie Autorennen fahren. Ihr Vater ist Formel 3 gefahren und Motorsport begeistert Alex seit jeher. Auch Tierärztin war mal im Rennen, aber sie „könnte keine Tiere einschläfern.“ So hat sie sich für die Wirtschaft entschieden.

Während ihres VWL-Studiums, das sie in Freiburg und Paris absolviert, macht Alex in ihrem ersten Praktikum bei KPMG in Frankfurt die Erfahrung, dass große Unternehmen als Arbeitgeber für sie nicht in Frage kommen. Viel besser gefällt es ihr bei den Start-ups smava.de in Berlin und deindeal.ch in Zürich, für die sie ebenfalls eine Zeitlang tätig ist. Direkt nach dem Studium zieht es sie zunächst ins Businessdevelopment: Bei Rocket Internet arbeitet Alex für verschiedene Projekte wie Zalando oder Groupon und knüpft damit an ihre Begeisterung für Internet und Internetthemen an, die sie seit ihrer ersten Begegnung mit diesem Thema hat. Alex erinnert sich noch genau an die erste Webseite, die sie als Schülerin auf dem Schulcomputer anschaute: rotten.com – „die Seite mit den schrecklichen Bildern“. Heute bedeutet das Internet für Alex Mobilität und Freiheit. Von überall arbeiten zu können, nicht gebunden zu sein und alle Informationen immer verfügbar zu haben. Ein Bereich, der sich laut Alex noch weiter entwickeln muss.

„Nur weil wir ein weibliches Gründungsteam sind, streiten wir nicht öfter.“

Als Frau in einer Männerdomäne schlagen Alex immer noch Klischees entgegen. Das werde sich auch so schnell nicht ändern, es sei denn man macht selber etwas dagegen, ist sie überzeugt. Mit einer Freundin hat sie deshalb „Girl in tech“ gegründet: Ein regelmäßiges Treffen, um sich mit anderen Frauen über Technologien auszutauschen und ein Netzwerk zu bilden. Hin und wieder begegnet ihr noch – versteckt oder offen – das Vorurteil, dass Frauen streiten und zickig seien. Sie sieht es gelassen: „Nur weil wir ein weibliches Gründungsteam sind, streiten wir nicht öfter.“

Für die Gründerszene in Deutschland wünscht sich die Berlinerin, dass noch „mehr Leute den Mut finden, Dinge anzugehen und zu machen, statt nur darüber zu reden.“ Und dass Gründer von Investoren mit deren finanzieller Unterstützung die Chance bekommen, sich zu beweisen, so wie es in den USA üblich ist. Selber würde Alex als Business Angel gut miteinander arbeitende Teams mit einem „handfesten“ Geschäftsmodell aus dem Bereich E-Commerce unterstützen. Mit deutlichem Fokus auf Start-ups mit gutem Team, da sich Geschäftsmodelle oft nochmal ändern, aber das Team zusammen bleibt. Für das outfittery-Team steht nach der erfolgreichen Finanzierungsrunde Wachstum auf dem Programm, um in Zukunft noch viel mehr Männer einkleiden zu können.

Im Fokus: Weitere Porträts über Netzmenschen gibt es in unserem Special Gründer-Porträts

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  1. Toto

    mir fällt da ein es ist schon komisch, das Frauen sich als Männerversteher geben und meinen zu wissen, was Männer an Kleidung tragen wollen und kaufen. Verwirrt mich irgendwie etwas…

    Das Grundproblem ist doch: “Die meisten Männer hassen shoppen”. Und ich bezweifle, dass diese “Experten” das ändern können. Die Sachen sind eher höherpreisig und zielen daher auf die modebewusste P&C Fraktion, aber die geht doch auch so shoppen. Bin mal gespannt ob das so aufgeht.



  2. Hubertus

    Sehe das ähnlich wie Toto. Allerdings spielen sich Männer ja auch seit Jahrhunderten als diejenigen auf, die wissen was Frauen wollen und kaufen. Und es funktioniert.

    Was bei Männern aber wesentlich anders ist: solange das Hemd noch passt und nicht zerschlissen oder verblichen ist, brauchen wir kein neues Hemd. Wir haben doch eins.

    Ob man diese Barriere durch ein online Berater-Lonzept durchbrechen kann? Mir fehlt da als Mann die Vorstellungskraft…



  3. Martin

    @Hubertus Wobei die Frauenversteher aus der Modebranche auch meist schwul sind (ernst gemeint).

    @outfittery Die auf der Home prominent genannten Marken schrecken mich ab. Seid ihr sicher, dass die Hilfiger-Stehkragen-Fraktion die richtige Zielgruppe ist? Warum Schuhe nur bis Gr 46?

  4. Ich bin mir nicht sicher, ob Männer, die nicht gerne Kleidung kaufen und Männer, die gerne teure Marken kaufen, wirklich die gleiche Zielgruppe sind.



  5. hans

    @outfittery: Ich habe mit euch sicher nicht die time of my life. an alle klamottenverkäufer (online wie auch offline): bitte lasst mich in ruhe. ich finde schon was. und ich weiß selber, ob mir das steht.

  6. Haben mit outfittery eine Weile das Office geteilt. Anna und ihr Team sind super engagiert und das Modell ist fast ein Home Run. Bin sicher, dass outfittery ein Erfolg wird.
    Hab die Mädels auch nie streiten sehen ;-).

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