Welcome Investment: Neue Finanzierungsplattform bezieht Dienstleister mit ein

  Auf dem Thema Crowdinvesting ruhen zur Zeit viele Augen: Wird es sich in Deutschland als alternative Finanzierungsform für Start-ups durchsetzen können? Nun will die jüngste Investment-Plattform Welcome Investment (www.wlcm.in) das bisher bekannte […]

 

Auf dem Thema Crowdinvesting ruhen zur Zeit viele Augen: Wird es sich in Deutschland als alternative Finanzierungsform für Start-ups durchsetzen können? Nun will die jüngste Investment-Plattform Welcome Investment (www.wlcm.in) das bisher bekannte Konzept ausweiten: Neben Start-ups und Investoren beziehen die Macher auch die Gruppe der Dienstleister in den Finanzierungsprozess mit ein. Denn, so Mitgründer Jörn Kunst: „Beim Aufbau eines Unternehmens gehören diese drei Parteien unbedingt zusammen. Das wurde bisher vernachlässigt.“

Die Idee hinter Welcome Investment ist simpel aber schlüssig: Start-ups benötigen einen großen Teil des Kapitalbedarfs für Dienstleistungen wie Programmierung, Webdesign oder Beratung. Dienstleister wiederum haben oft noch freie Kapazitäten übrig, die sie einbringen könnten, aber keine Auftraggeber. Bei Welcome Investment finden beide Parteien zusammen: Start-ups geben beispielsweise an, dass sie einen Kapitalbedarf von 100.000 Euro haben und die Hälfte davon in Programmierleistung fließen soll. Programmierer können daraufhin ihren Dienst im Wert des festgesetztes Betrags anbieten und erhalten eine Gegenleistung, die ausgehandelt wird – möglich sind stille oder substanzielle Beteiligungen sowie die Beteiligung am Gewinn. So verringert sich der Kapitalbedarf für Start-ups und es wird einfacher, den Rest auf anderem Wege finanziert zu bekommen.

„Wir wollen keine Start-ups aussieben“

Welcome Investment sieht sein Konzept als eine Erweiterung des bisherigen Micro-Investment-Ansatzes an. Zu Seedmatch (www.seedmatch.de) und Co. gibt es aber noch weitere Unterschiede als die Integration der Dienstleister: So will die Plattform lediglich die technischen Module liefern, damit alle Beteiligten sich finden und miteinander in Kontakt treten können. „Was wir hingegen nicht wollen, ist, im Vorfeld schon einen Großteil der Ideen selbst auszusieben.“ Dass bei Welcome Investment potentiell jedes Start-up finanziert werden kann, wird sicherlich einige Herausforderungen an die Übersichtlichkeit mit sich bringen. Im schlimmsten Fall müssen sich Mikroinvestoren und Dienstleister durch eine Vielzahl von schlechten Geschäftsmodellen wühlen, bis sie auf die Perlen stoßen.

Auf der anderen Seite geht es damit demokratischer zu als bei anderen Crowdinvestment-Plattformen, da nun wirklich jedes Start-up die Chance auf eine Finanzierung bekommt. Ein weiterer Unterschied zu Seedmatch: Investoren können nicht nur stille sondern auch substanzielle Beteiligungen erwerben. Insofern ist Welcome Investment am ehesten als Finanzierungs-Börse zu bezeichnen, auf der sich Start-ups aus unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten eine passende Lösung zusammenbasteln können. Die Rollen der einzelnen Beteiligten sind dabei flexibel: Ein Start-up kann einerseits Geld einsammeln und andererseits selbst eine Dienstleistung anbieten. Dienstleister wiederum können sowohl ihre Arbeitsleistung als auch Geld investieren. „Wir wollen die modernsten Investmentmöglichkeiten zentral an einem Ort zur Verfügung stellen“, fasst Kunst zusammen.

Ziel: Verbesserung der Gründer- und Investmentkultur

Jörn Kunst, der Welcome Investment zusammen mit Michael Urbanski hochzieht, hat als Gründer von Luupo und Spreadbooster bereits Erfahrung mit Mikrobeträgen gesammelt. Bei der Schnäppchen-Community konnten Nutzer den Preis für ihre Wunschartikel mit dem Einsatz von „Luupos“ um jeweils 40 Cent senken. Das Unternehmen musste jedoch 2009 verkauft werden und ging 2010 schließlich komplett vom Netz, als der Freistaat Bayern den weiteren Betrieb mit Verweis auf das Verbot von Glücksspielen untersagte. „Unser größtes Problem damals war die Kapitalfrage. Jetzt will ich daran arbeiten, die Gründer- und Investmentkultur zu verbessern. Wir selbst müssen für Welcome Investment unser Kapital zwar noch klassisch einsammeln, vielen anderen Gründern werden wir das aber ersparen“, erklärt Kunst. Rund 300.000 Euro will das junge Unternehmen als „Eigenkapitalhebel für Förderungen“ einsammeln.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.