Crowdfunding: Mit Seedmatch und Innovestment sammeln Start-ups Geld ein

So manche Start-up-Idee wird nie umgesetzt, weil das nötige Startkapital fehlt. Eine Möglichkeit zur Geldbeschaffung, die bisher vor allem im sozialen und gemeinnützigen Bereich eingesetzt wird, ist das Prinzip Crowdfunding: Viele geben jeweils […]
Crowdfunding: Mit Seedmatch und Innovestment sammeln Start-ups Geld ein

So manche Start-up-Idee wird nie umgesetzt, weil das nötige Startkapital fehlt. Eine Möglichkeit zur Geldbeschaffung, die bisher vor allem im sozialen und gemeinnützigen Bereich eingesetzt wird, ist das Prinzip Crowdfunding: Viele geben jeweils ein bisschen, denn viel Kleinvieh macht bekanntlich auch eine gehörige Menge Mist. Mit Seedmatch (www.seedmatch.de) und Innovestment (www.innovestment.de) sind nun kurz nacheinander zwei Plattformen geschlüpft, die das Crowdfunding-Konzept auf die Start-up Szene übertragen. Gründer mit vielversprechenden Ideen kommen so an Startkapital von bis zu 100.000 Euro. Die Geldgeber sind keine finanzstarken Investoren sondern Privatmenschen, die geringe Beträge investieren und sich inhaltlich mit dem Projekt identifizieren. Ihr Bonus: Gewinnbeteiligung!

“Wir wollen Menschen dafür begeistern, in zukunftsweisende Unternehmen zu investieren”, erklärt Seedmatch-Gründer Jens-Uwe Sauer. “Erstmalig tragen viele Menschen dazu bei, dass mit kleinen Beträgen innovative Geschäftsideen verwirklicht werden.” Schon über 1.000 Privatinvestoren sind auf der Plattform registriert. Um Geld einzusammeln muss ein Gründerteam den “Vorentscheid” des Seedmatch-Teams bestehen, das auch die Bewertung des Start-ups vornimmt. Professionalität, Leidenschaft und eine zukunftsweisende Idee sind wichtig, daneben die Ausrichtung: Die Dresdner Crowdfunding-Plattform sucht gezielt nach Konzepten aus den Bereichen Internet/Mobile, erneuerbare Energien/Cleantech und Social Business. Zum offiziellen Start buhlen Cosmopol (cosmopol-shop.com), ein Online-Shop für exklusive Souvenirs aus über 70 Ländern, und der Spieledienst NeuroNation (www.neuronation.de) um Investoren.

Seedmatch: schon 1.000 registrierte Privatinvestoren

Wer es auf die Plattform geschafft hat, muss “nur” noch die Privatinvestoren von sich überzeugen. Gründer stellen sich mit einem Businessplan und einem dreiminütigem Video vor. 60 Tage haben sie Zeit, um genügend Menschen von ihrer Idee zu begeistern. Nur wenn der angegebene Kapitalbedarf zusammenkommt, wird das Projekt umgesetzt. Damit ist Seedmatch auch ein erster Prüfstein, ob die eigene Idee in der Öffentlichkeit ankommt. Die Privatinvestoren sind dabei nicht nur Geldgeber sondern auch Multiplikatoren, da sie “ihre” Start-ups weiterempfehlen und für sie werben. Als “stille Beteiligten” dürfen sie zwar nicht mit entscheiden, werden von den Gründern aber mit regelmäßigen Quartalsberichten auf dem Laufenden gehalten.

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Wie viele Anteile ein Start-up abgibt, wird individuell entschieden. Gründer behalten aber immer den hauptsächlichen Teil des Unternehmens. Wenn ein Crowdfunding-Projekt erfolgreich war, erhält Seedmatch ein Erfolgshonorar von fünf bis zehn Prozent der gefundeten Summe. Ähnlich läuft es bei der Crowdfunding-Plattform Innovestment ab, einem Spin-Off der RWTH Aachen. Hier kann man aber erst ab einem Investment von 1.000 Euro einsteigen. Außerdem wird die Bewertung des Start-ups von den Investoren selbst vorgenommen, indem sie bei der Innovestment-Auktion Gebote abgeben. Start-ups können sich bereits für die Teilnahme bewerben. Im Herbst dieses Jahres geht es dann offiziell los. Insgesamt scheint sich mit den beiden Plattformen für Start-ups ein neuer Finanzierungszweig aufzutun, der nicht an die Regeln staatlicher Förderprogramme und an Kontakte in die Business-Welt gekoppelt ist: eine spannende Entwicklung.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. olaf

    warum nicht gleich kickstarter? Da ist die kritische Masse schon da.



  2. Ju

    Weil man bei Kickstarter keine Anteile an Startups erwerben kann!



  3. klm

    stille Beteiligungen sind auch nicht wirklich Anteile. Bei http://www.crowdcube.com gibt es Equity, allerdings auch noch keine kritische Masse.



  4. Ju

    Mit stillen Beteiligungen kann man an den jährlichen Gewinnausschüttungen und am wachsenden Unternehmenswert partizipieren. Was will man bei beim 250-Euro-Investment mehr?

    Während es in England keine Notare gibt, müssten wir bis zu 400 Beteiligungsverträge beurkunden lassen. Dieser Aufwand würde sich nicht rechtfertigen. Oder anders gesagt: Crowdfunding für Startups kann nur funktionieren, wenn man die Verträge nicht notariell beurkunden muss. Daher stille Beteiligungen.



  5. AH

    Wie partizipiert man denn bei der stillen Beteiligung am tatsächlich erzielten Exiterlös bei einem Share Deal?



  6. Ju

    Bei einem Share Deal kann man als stiller Gesellschafter leider nicht partizipieren. Das ist mit stillen Beteiligungen nicht möglich. Dafür sind stille Beteiligungen aber kündbar. Beim Exit partizipiert der Mikroinvestor vom Unternehmenswert, den wir bei Seedmatch auf der Basis des Ebit ermitteln.



  7. Rosemarie

    @Ju:
    Werden stille Beteiligungen direkt an die Startups überwiesen, oder landen diese zunächst auf einem Konto von Seedmatch? Falls letzteres zutrifft: Welche Einlagensicherung gibt es?



  8. Ju

    Das Geld fassen wir gar nicht selbst an, sondern wird von Zahlungsdienstleister der zugleich Treuhänder ist eingesammelt.



  9. Innoj

    Interessant, aber:

    Und was wenn das junge Unternehmen kein EBIT macht, weil die anfallenden Überschüsse “investiert” werden? hier kann doch das Unternehmen sehr flexibel den Wert gegenüber den Investoren “bestimmen”, da keinerlei Mitspracherecht der Investoren besteht,richtig? Wäre hier nicht eine umsatzbasierte Bewertung fairer?

    Interessant, aber ob das ein richtiges “Investment” ist oder eher ein netter Zeitvertreib – das ist noch die Frage…btw, das exitpotential der mikroinvestoren ist auf das 6 fache von 0.0417% des letzten “beeinflussbaren” ebits begrenzt, korrekt?

    Gruß



  10. Innoj

    Nachtrag: das oben ist auf seedmatch bezogen. Die exitregelung bei innovestment Abwind fairer zu sein (anteiliger sondergewinn auf Basis der Anteilshöhe).

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