Bertelsmann-Tochter arvato übernimmt den Geräteverschönerer 123skins

EXKLUSIV Der Geräteverschönerer 123Skins (www.123skins.de), der im August in die Insolvenz schlitterte, hat nach Informationen von deutsche-startups.de. einen neuen Besitzer. Der von Fabian Deschler, Simon Lee und Gregor Moss gegründete Dienst gehört nun […]
Bertelsmann-Tochter arvato übernimmt den Geräteverschönerer 123skins

EXKLUSIV Der Geräteverschönerer 123Skins (www.123skins.de), der im August in die Insolvenz schlitterte, hat nach Informationen von deutsche-startups.de. einen neuen Besitzer. Der von Fabian Deschler, Simon Lee und Gregor Moss gegründete Dienst gehört nun der arvato distribution GmbH, einem Ableger des Medienriesen Bertelsmann. Die ehemalige tortoise design GmbH, das Unternehmen hinter 123skins, wurde unterdessen aufgelöst. arvato betreibt das Design-Folienangebot für Elektrogeräte wie Handys, Notebooks und Spielekonsolen nun in Eigenregie.

Die extrem verschachtelte arvato-Gruppe mit mehr als 60.000 Mitarbeitern darf man getrost als Mega-Dienstleister bezeichnen. Die Logistiksparte arvato services verschickt nach eigenen Angaben pro Jahr mehr als 650 Millionen Sendungen. Zu den Kunden zählt beispielsweise Vodafone Deutschland. Der Dienstleister unterstützt den Mobilfunker bei der Logistik, im After Sales, im Forderungseinzug und im Customer-Service. In diesem Imperium findet nun auch 123skins seinen Platz. Vom Gründerteam ist nur noch Deschler an Bord. Auf Anfrage bestätigt er die Übernahme durch arvato, die ohnehin bereits im Impressum sichtbar ist, will aber keine Details zur neuen Struktur und seiner künftigen Rolle nennen. Auf der Website wird er bisher nur als “Inhaltlich Verantwortlicher (gemäß § 10, Absatz 3 MDStV)” genannt.

“Wir dachten: Wir stecken einfach Geld ins Marketing”

Neben der IBB Beteiligungsgesellschaft waren bei der 123Skins-Mutter tortoise design auch estag Capital, eine private Beteiligungsgesellschaft aus Berlin, und der Business Angel Holger Czesnat investiert. Das Trio stellte dem jungen Unternehmen rund 450.000 Euro zur Verfügung. Vor zwei Jahren war 123Skins unter den Gewinner der FTD-Initiative enable2start. Im entsprechenden Gründertagebuch ist davon die Rede, dass 123Skins im September des vergangenen Jahres erstmals den operativen Break­even erreichte: “Bei der betriebswirtschaftlichen Auswertung – die Zahlungen berücksichtigt, die noch nicht auf dem Konto sind, aber für die die Leistung bereits erbracht wurde – machten die Gründer in diesem Monat 6.000 Euro Gewinn.”

Danach lief es offenbar nicht mehr so gut. Auch zuvor gab es schon Probleme – etwa Entlassungen im Sommer 2009 und nervöse Investoren, die “Leistung forderten” nachdem die Einnahmen ausblieben. Die letzte ausstehende Investionstranche von insgesamt 60.000 Euro wollten die Geldgeber nur auszahlen, wenn sie im Gegenzug weitere Anteile erhielten. Es folgten Gespräche, Verhandlungen und weitere Gespräche. Letztendlich ging es ohne Anteilserhöhung für die Investoren weiter. Leider nahm die Geschichte kein glückliches Ende – vielleicht auch, weil die richtige Strategie fehlte. “Wir dachten: Wir stecken einfach Geld ins Marketing, dann läuft das schon”, sagt Mitgründer Lee im Gründertagebuch. Hinzu kamen handwerkliche Fehler und Fehlentscheidungen wie falsche Marketingausgaben – etwa bei der TV-Werbung, die viel zu lange ohne entscheidende Erfolgskontrolle lief. Nach dem Insolvenzantrag ging es bei 123skins mit einem 10-köpfigen Mini-Team weiter. In der neuen Struktur schreibt der Geräteverschönerer seitdem schwarze Zahlen. Wie zu hören ist, interessierten sich in den vergangenen Monaten deswegen auch mehrere Unternehmen für 123skins – letztendlich erhielt aber arvato den Zuschlag. Unter diesem gigantischen Dach hat der Geräteverschönerer nun die Chance, zu neuer Größe zu wachsen.

Hausbesuch bei 123Skins

Der Geräteverschönerer 123Skins sitzt auch nach der Übernahme durch arvato weiter in Berlin. Im Büro des Start-ups geht es kunterbunt zur Sache: Überall verschönern Folien das verwinkelte Büro im Bezirk Friedrichshain. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.