Team Europe baut ein U-Boot – Neues Start-up Submarine Internet setzt auf Branchenbücher

Ganz geheimnisvoll schrieb Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski am Mittwoch via Twitter: “some submarine is going to appear above the waterline, soon”. Bei Facebook lieferte der Kopf hinter Team Europe Ventures (TEV) noch gleich das […]

Ganz geheimnisvoll schrieb Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski am Mittwoch via Twitter: “some submarine is going to appear above the waterline, soon”. Bei Facebook lieferte der Kopf hinter Team Europe Ventures (TEV) noch gleich das passende Logo dazu. So weit so nebulös! Schon seit geraumer Zeit spekuliert die deutsche Gründerszene über das neueste Projekt aus dem Hause Team Europe, mal gingen die Vermutungen Richtung E-Commerce, mal Richtung Branchenbuch. Nach Informationen von deutsche-startups.de wird der neueste Schrei von Gadowski und Co. von der Submarine Internet GmbH vorangetrieben. Interner Arbeitstitel: “Yellow Submarine”. Die 100-prozentige Team Europe-Tochter residiert wie die Mutter am Berliner Monbijouplatz. Als Geschäftsführer wirkt Daniel Offermann, seit April Partner bei Team Europe Ventures. Unterstützt wird er auf dem U-Bootstand von Waldemar Zeiler. Bei United Internet Media kümmerte sich Offermann unter anderem bei der damals noch eigenständigen Web.de AG um Geschäftsmodelle im E-Commerce. Für eine Stellungnahme war Offermann am Donnerstagabend nicht zu erreichen – er befand sich auf einem Termin.

Im Netz findet man das Start-up Submarine unter www.subma.net. Auf der Firmenhomepage stehen einige Jobanzeigen und eine kurze Selbstbeschreibung. Darin heißt es: “Wir sind ein junges, ambitioniertes Unternehmen im Herzen von Berlin, direkt am Hackeschen Markt, unterstützt von führenden VCs und Business Angels in Deutschland. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mittelständische Zielgruppen ins Online-Zeitalter zu begleiten”. Wirklich erhellend ist diese Selbstbeschreibung leider nicht. Im Handelsregister gibt es weitere Infos über das Geschäftsmodell von Submarine. Dort heißt es, Gegenstand sei “die Entwicklung und der Betrieb von inländischen und ausländischen Internet- und Technologie-Projekten, sowie damit verbundene Geschäfte, soweit hierfür keine behördliche Genehmigung erforderlich ist”. Klingt auch nebulös.

Gelbe-Seiten-Verzeichnis trifft Neukunden-Vermittlung

Eine Stellenanzeige sorgt dagegen für ein wenig Aufklärung: Submarine Internet sucht unter anderem einen “Medienberater / Handelsvertreter (m/w) für den Verkauf von digitalen Anzeigen”. Zu den Aufgaben des Handelsvertreters gehören “persönliche, telefonische und schriftliche Verkaufsgespräche sowie die Beratung von Kunden”. Gesucht wird ein Mitarbeiter, der “Erfahrungen als Mediaberater für Branchenbücher & “Gelbeseiten” -Verlage” mitbringt. Was die Bewerber mitbringen sollten ist ebenfalls interessant: “Freude und Interesse digitale Werbelösungen (digitale Anzeigen, multimediale Branchenverzeichnis-Einträge) auf freier Handelsvertreter-Basis oder als Vertriebsmitarbeiter in Festanstellung zu verkaufen”. Somit schließt sich der Kreis! Das neueste Team-Europe-Projekt ist mit ziemlicher Sicherheit ein Branchenbuch! Funktionieren soll das Submarine-Konzept offenbar über einzelne Nischenplattformen. Das junge Unternehmen hat sich bereits unzählige Domains unter den Nagel gerissen – darunter beispielsweise Dachdecker.com (www.dachdecker.com).

Denkbar wäre in diesem Zusammenhang auch eine Mischung aus themenspezifischem Gelbe-Seiten-Verzeichnis und Neukunden-Vermittlung im Stil von MyHammer (www.myhammer.de) und blauarbeit.de (www.blauarbeit.de). Mit dem Start-up Käuferportal (www.kaeuferportal.de) sammelte die TEV-Mannschaft bereits Erfahrungen bei der Vermittlung von gewerblichen Dienstleistungen und Produkten. Neben dem Verkauf von kostenpflichtigen Branchenverzeichnis-Einträgen auf SEO-optimierten Nischenwebsites geht es bei Submarine deswegen höchst wahrscheinlich auch um die Vermittlung von Neukunden, also die Generierung von Leads. In diesem großen und lukrativen Branchenbuchmarkt bewegt sich auch Auskunft.de (www.auskunft.de), das neue Start-up von Daniel Grözinger und Sven Schmidt (ehemals verwandt.de). Die eigentlichen Konkurrenten im Local Search-Markt aber sind die diversen Gelbe-Seiten-Verlage im Lande. Die verteidigen ihren Milliardenmarkt, von dem Submarine ein kleines Stückchen abhaben möchte, vor allem mit den Ellbogen. Als Start-up in diesem Segment sollte man den Namen Gelbe Seiten deswegen auf gar keinen Fall verwenden, sonst folgt umgehend eine Klage. Dann müsste das U-Boot wieder auf Tauchstation gehen.

Artikel zum Thema
* verwandt.de-Macher Grözinger und Schmidt starten Auskunft.de
* Telefonbuch- und Verzeichnisverlage unterstützen Einkaufsplattform Marktjagd
* ProSiebenSat.1 verkauft billiger.de an Telefonbuchverlage

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Steffen

    maler.org gehört denen auch



  2. Peter Pan

    schon wieder ein branchenverzeichnis — wer braucht eigentlich so viele branchenverzeichnisse?

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  4. Flo

    Kannte es nur unter “Projekt U-Boot” und hatte auch was total Abgefahrenes erwartet.

    Aber gut. Lead Genreation kann – wie man es bei Groupon sieht – unglaublich rocken.

    Fraglich ist nur ob Malermeister und Dachdecker so online affin und Management affin sind.



  5. amy

    Ihr müsst euch mal Keetz.com anschauen, die waren gerade bei mir. Das ist mal ganz was anderes und vor allem nützliches! … ok, ich bekomme das auch erstmal kostenlos wie alle hier im Kiez.

  6. @Peter Pan: Wer braucht schon das Internet, wenn es Gelbe Seiten auch gedruckt gibt? Ich vermute mal, dass die vielen Neugründungen auf der Hoffnung auf einen großen Exit an einen der Telefonbuchverlage beruhen.

    Die Verlage haben den Zug (vor 15 Jahren) verpasst und suchen jetzt krampfhaft nach einem funktionierenden Geschäftsmodell im Internet, auf das sich “ihre Kompetenzen” übertragen lassen. Wer etwas ansatzweise funktionierendes findet, kann sich eines Käufers sicher sein.

    My 2 Cent



  7. Tim

    Wie kann man eigentlich am besten und schnellsten sehen, welche Domains zum Portfolio/einer Person gehören. Gibt es da Tools für? Wäre mal spannend zu sehen, auf welche Pferde sie sonst noch setzen.



  8. Jan

    Ich kann es einfach nicht glauben, dass Praktikanten nur mit EUR450 p. Monat vergütet werden. Das ist ja der Wahnsinn!

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  10. Henning

    @Tim: so ein Tool würde mich auch interessieren. Habe es mal über 1-2 WhoIs-Abfrage Tools versucht, also quasi Rückwärtssuche – das hat aber leider nicht so toll geklappt.

    Zur Info: bin durch Zufall noch über fliesenleger.net von Submarine gestolpert.

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