“Wir erzielen mit jeder Bestellung einen positiven Deckungsbeitrag” – froodies-Gründer Lutz Preußners im Interview

Bei froodies.de (www.froodies.de) können Onliner Butter, Eier, Milch und unzählige weitere Lebensmittel einkaufen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Lutz Preußners über mächtige Konkurrenten, appetitliche Produktbilder und niedrige Margen. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bezeichnete […]

Bei froodies.de (www.froodies.de) können Onliner Butter, Eier, Milch und unzählige weitere Lebensmittel einkaufen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Lutz Preußners über mächtige Konkurrenten, appetitliche Produktbilder und niedrige Margen.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bezeichnete den Internethandel mit Lebensmitteln kürzlich als “das schwerste Geschäft, das es gibt”. Teilen Sie diese Meinung?
Es ist zumindest eine Herausforderung, weil wir uns in einem Markt bewegen, der zumindest in Deutschland noch überhaupt nicht erschlossen ist. Und natürlich ist es in Bezug auf die Logistik ein Unterschied, ob man Bücher oder Lebensmittel liefert bzw. versendet. Wir haben uns in den 16 Monaten, in denen wir mittlerweile am Markt sind, viel Logistik-Know-how angeeignet, lernen aber immer noch jeden Tag dazu. Ich bin dennoch fest davon überzeugt, dass der Internethandel mit Lebensmitteln auch in Deutschland über kurz oder lang zum Durchbruch kommen wird.

Neben den berechtigten Skeptikern gibt es auch Menschen, die dem Lebensmittelverkauf übers Internet durchaus eine Chance einräumen. Der Versandriese Otto prüft gerade den Wiedereinstieg. Freuen Sie sich über diese Entwicklung oder fürchten Sie diese mächtige Konkurrenz?
Zunächst einmal freue ich mich über jedes Unternehmen, das ebenso wie wir die Chancen in diesem Markt sieht. Durch die Aussagen von Otto und den Start von Amazon ist unheimlich viel Bewegung in den Markt gekommen, wovon natürlich auch wir enorm profitiert haben. Letztendlich geht es in der aktuellen Situation darum, das Bewusstsein der Verbraucher zu ändern und ihnen die natürlichen Hemmungen vor einer Online-Bestellung von Lebensmitteln zu nehmen. Und da helfen solche Entwicklungen natürlich enorm.

Wie bereits angesprochen ist Amazon bereits in das Lebensmittelsegment eingestiegen und erntet dafür – gerade in Bezug auf die unübersichtlichen Versandkosten – sehr viel Kritik. Grund für das Chaos sind die über 60 Partnershops, auf die Amazon setzt – darunter froodies. Rechnet sich die Kooperation bisher für Sie?
Zunächst einmal freuen wir uns, dass ein solch großes und erfahrenes Unternehmen wie Amazon den Start in den Online-Lebensmittelhandel unter anderem gemeinsam mit uns durchgeführt hat. Die Publicity und die Resonanz, die sich in einem deutlichen Anstieg unserer Kundenzahl niederschlägt, liegt weit über unseren Erwartungen. Damit haben wir nicht gerechnet, aber das freut uns natürlich. Das Marktplatzkonzept von Amazon lebt seit jeher davon, dass verschiedene Händler ihre Produkte anbieten und versenden. Das ist nicht wirklich neu. Natürlich hat der Verbraucher auch bei der Bestellung von Lebensmitteln wie bei anderen Warengruppen Vorteile davon, wenn er seine Artikel größtenteils bei einem Anbieter kauft. Ich bin überzeugt davon, dass Amazon gegenüber dem Verbraucher im Hinblick auf die Versandkostenproblematik für mehr Transparenz sorgen wird.

Wer profitiert von der Partnerschaft mehr – Amazon oder froodies?
Da müssen Sie natürlich auch Amazon fragen. Ich kann nur sagen, dass wir mit dem Start hochzufrieden sind. Auch wenn bei der Vielzahl an Bestellungen und vor allem aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen noch nicht alles rund lief. Aber wir haben mittlerweile unsere Hausaufgaben gemacht und freuen uns auf die nächsten Monate.

Was für Hausaufgaben waren das? Immerhin haben Sie den Verkauf sogar einige Tage ausgesetzt.
Zu den Hausaufgaben, die wir gemacht haben, gehört die Überarbeitung des Sortiments sowie die Optimierung der internen Prozesse und der Verpackungsmaterialien.

Wie sieht der typische Nutzer von froodies aus und welche Produkte legt er in seinen Warenkorb?
Den typischen Nutzer gibt es nicht. Letztendlich kaufen bei uns internetaffine Personen ein, die vor allem zwei Aspekte zu schätzen wissen: die Zeitersparnis und den hohen Convenience-Faktor. Wir haben sicherlich einen überproportional hohen Anteil an Berufstätigen und jungen Familien mit Kindern unter unseren Kunden. Für diese sind die genannten Vorteile natürlich essenziell. Wir beliefern aber auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen mit allem, was man täglich im Büro für die Versorgung der Mitarbeiter und Kunden benötigt. Der Großteil unserer Liefer- und Versandkunden erledigt seinen Wocheneinkauf bei uns. Da wir ein Vollsortiment-Anbieter sind, erhält der Kunde bei uns alle Waren aus einer Hand. Daneben haben wir einige Kunden, die bei uns ganz spezielle Artikel kaufen, die sie bei sich zu Hause nicht bekommen.

Zum Beispiel?
In erster Linie Delikatessen und regionale Produkte wie Wurstwaren und Biersorten.

Neben Privatpersonen beliefern Sie auch Geschäftskunden. Welches Standbein ist momentan wichtiger?
Wir sind in erster Linie endkonsumentenfokussiert und unterscheiden uns dadurch sicherlich von dem einen oder anderen Wettbewerber in unserem Markt. Die Belieferung von Unternehmen ist vor diesem Hintergrund sehr hilfreich, um die Mitarbeiter auf unser Angebot aufmerksam zu machen.

Nutzer aus Dortmund und Schwerte beliefern Sie mit einem eigenen Lieferservice, der auch kühl- und tiefkühlpflichtige Produkte ausliefert. Wie stemmen Sie diesen logistischen Kraftakt?
Das ist gar nicht so kompliziert wie man denkt. Wir liefern in Dortmund mit eigenen Fahrzeugen und Fahrern sechs Tage die Woche morgens, mittags und abends in 2-Stunden-Zeitfenstern aus. Das hat sich bewährt, weil es für den Kunden komfortabel ist und für uns abbildbar. Die sensiblen Produkte werden selbstverständlich so verpackt, dass die vorgeschriebene Kühlkette lückenlos eingehalten wird.

Lässt sich dieses Konzept ohne Probleme auf andere Städte ausweiten?
Wir denken ja, denn unser Konzept ist ja gerade, auf eigene Warenlager komplett zu verzichten und vor Ort mit lokalen Lebensmittelhändlern zu kooperieren. Diesen bieten wir mit unserem Online-Shop ein optimales Tool und einen komplett neuen Absatzkanal. Im Gegenzug können wir auf ein vorhandenes und täglich gepflegtes Sortiment zurückgreifen. Unser Plan sieht vor, bis Ende des Jahres zwei weitere Standorte zu eröffnen und dann in 2011 den großen Roll-Out zu starten.

Welche Städte haben Sie auf der Agenda?
Großstädte und Ballungszentren innerhalb und außerhalb von NRW.

Was ist die größte Herausforderungen beim Verkauf von Lebensmitteln: die ansprechende Präsentation der Waren, die Verderblichkeit bestimmter Produkte, oder der Versand im Allgemeinen?
Letztendlich alles. Die Präsentation der Waren halte ich für extrem wichtig, weil die Kunden die Waren im Netz ja nunmal nicht anfassen oder riechen können. Aus diesem Grund haben wir uns für die Aufnahme eigener Produktbilder entschieden. Das war eine Menge Aufwand, aber aus unserer Sicht alternativlos. Der Versand ist sicherlich eine Herausforderung, weil die Warenkörbe so unterschiedlich sind und jede Bestellung individuell verpackt werden muss. Aber auch für verderbliche Waren gibt es entsprechende Verpackungsmaterialien und Kühlmittel, mit denen ein Versand unter Einhaltung der Kühlkette möglich ist

Wie viele Menschen sorgen für den reibungslosen Ablauf bei froodies?
Neben meinem Mitgründer und Mitgeschäftsführer Kai-Uwe Reimers beschäftigen wir aktuell etwas mehr als 10 Mitarbeiter auf Stundenbasis, die für uns in erster Linie die Bestellungen abwickeln. Die Einstellungen von festen Mitarbeitern ist kurzfristig geplant.

In der Lebensmittelbranche ächzen alle über die niedrigen Margen. Ab wann rechnet sich froodies?
Wir erzielen mit jeder Bestellung einen positiven Deckungsbeitrag. Da die Marge relativ konstant ist und wir die Fixkosten, speziell die kritischen Logistikkosten, sehr niedrig halten können, ist der Break Even relativ gut planbar und liegt gemäß unserer aktuellen Planung auch nicht mehr in allzu weiter Ferne.

Sirius Venture Partners investierte kürzlich einen sechsstelligen Betrag in froodies. Nach welchen Kriterien haben Sie ihren Investor ausgesucht?
Für uns war wichtig, dass wir einen Investor finden, der mit derselben Leidenschaft ans Werk geht wie wir es tun, der unternehmerisch denkt und uns als Sparringspartner zur Verfügung steht. Und bei dem auch die zwischenmenschliche Komponente passt. Natürlich ist daneben auch eine gute Bewertung wichtig. Wir haben mit Sirius, glaube ich, einen sehr guten Partner gefunden.

Was sind die Pläne für die kommenden Monate?
Aktuell bereiten wir die zweite Finanzierungsrunde vor, die wir bis zum Herbst abschließen wollen. Mit den zusätzlichen Mitteln werden wir die nationale Expansion vorantreiben und zügig weitere Standorte und Liefergebiete erschließen.

Wo befindet froodies in einem Jahr?
Mit Sicherheit auf einem guten Weg! Wir geben jedenfalls unser Bestes.

Zur Person
Gemeinsam mit Kai-Uwe Reimers gründete Lutz Preußners 2009 den Online-Lebensmittelshop froodies (steht für fresh Food Deliveries). Davor arbeitete Preußners\’ als Leiter Marketing TV Movie bei der Verlahsgruppe Bauer und als Senior Manager Marketing/Advertising beim Pay-TV-Sender Premiere.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Bart S.

    Tolles Interview, jetzt versteh ich endlich das Konzept von Froodies.de.

  2. Die Idee, Lebensmittel online zu verkaufen, ist älter als die Steinkohle. Neckermann hat schon vor 50 Jahren frisches Fleisch versendet, und das ganze später beendet. Unproblematische Lebensmittel werden schon jetzt von unzähligen Versendern an den Mann gebracht.

    Der Grund dafür, daß verderbliche Lebensmittel kaum im Versandhandel erhältlich sind, ist: Der Versand dieser verderblichen Güter über Nacht und zum Teil in Thermo- Verpackungen mit Kühlakku drin ist zu teuer.

    Der einzige, dem ich zutrauen würde, daß er das auf die Reihe bekommt, ist Amazon. Die verschicken so viele Pakete, daß sie die Versandkonditionen bekommen, die notwendig sind, und daß das Obst im Warenlager nicht matschig wird.

  3. Weiterhin viel Erfolg Lutz. Ich freue mich, dass es so gut läuft für Euch!



  4. LuGa

    Kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie das alles rechnet. Selbst bei vielen Bestellungen in einer Stadt ist der Aufwand doch enorm.



  5. AnKl

    Von einem “positiven Deckungsbeitrag” zu einem “Gewinn” kann es ein langer Weg sein…

  6. Pingback: Lesenswerte Artikel 6. August 2010



  7. FroDa

    Da kann man schon sehr stolz sein, wenn der Deckungsbeitrag positiv ist.

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