Amazon testet Lebensmittelverkauf – Start-up froodies mischt mit

“Wer knackt den Online-Lebensmittelmarkt?” fragte Jochen Krisch von Exciting Commerce vor wenigen Tagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Handelsriese Otto gerade seine Lust auf den Lebensmittelsverkauf über das Netz verkündet. Vorbild dabei: Der […]
Amazon testet Lebensmittelverkauf – Start-up froodies mischt mit

“Wer knackt den Online-Lebensmittelmarkt?” fragte Jochen Krisch von Exciting Commerce vor wenigen Tagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Handelsriese Otto gerade seine Lust auf den Lebensmittelsverkauf über das Netz verkündet. Vorbild dabei: Der britische Handelskonzern Tesco, der auf der Insel gut im Geschäft ist. “Tesco macht ein großartiges Geschäft. Mit dem richtigen Konzept geht das auch in Deutschland. Wir glauben an den Markt”, sagte Hans-Otto Schrader, Vorstandschef der Versandhandelsgruppe Otto, der “Lebensmittel Zeitung“. Schrader sucht für das Vorhaben, welches sich noch in der Planungsphase befindet, derzeit nach einem “leistungsstarken, national aufgestellten Partner aus dem Lebensmittel-Einzelhandel”.

Schon einmal war Otto als branchenfremdes Unternehmen im Lebensmittelhandel aktiv: www.otto-supermarkt.de ging Anfang 2000 ins Netz – zunächst als Service in Hamburg. “Wenige Monate später expandierte Otto und weitete das Sortiment aus. Bundesweit wurden 2.500 Produkten angeboten, in Hamburg kamen noch Frischeprodukte hinzu. Doch schon 2003 war dann Schluss: Es lohnte sich nicht”, lautet die Bilanz von Olaf Groß im shopbetreiber-blog.de. Hermes lieferte die bestellten Waren innerhalb von 48 Stunden aus. In den USA war Webvan einer der Vorreiter beim Lebensmittelverkauf über das Netz. Der Aufstieg und Fall des Start-ups ist inzwischen Legende und zählt zu den größten Katastrophen der Dotcom-Zeit. Nun scheint zumindest bei Otto die Zeit reif für einen Neuanfang. “Den meisten Ansätzen fehlt die nötige Marketing-Power. Die hätten wir”, sagte Schrader dem Fachmagazin.

Lieferungen ab 20 Euro sind kostenlos

Mit Amazon versucht sich seit diesem Donnerstag ein weiteres Dickschiff am Trendthema Lebensmittelverkauf über das Internet. Der Versandriese geht mit rund 35.000 Produkten an den Start – darunter Fleisch, Fisch, Gemüse, Brot, Wein und Kaffee. “Das Ziel von Amazon.de ist es, der Ort zu sein, an dem Kunden die größte Auswahl an Lebensmitteln und Getränken zu attraktiven Preisen finden, die man rund um die Uhr bestellen kann und bequem, schnell und günstig nach Hause geliefert bekommt”, sagt Christian Bubenheim, Director Consumables bei Amazon Deutschland. Lieferungen ab 20 Euro sind kostenlos, Kleinstbestellungen lohnen sich dagegen kaum bei rund 3 bzw. 5 Euro Versandkosten. In Frankfurt und Berlin liefert Amazon noch am selben Abend – wenn die Bestellung bis 11.00 Uhr eingeht und an eine Packstation geht. Das eigene Sortiment ergänzt Amazon mt rund 60 Partnershops – darunter Gourmondo (www.gourmondo.de), Genusshandwerker (www.genusshandwerker.de) und froodies.de (www.froodies.de). Beim Kauf von Produkten verschiedener Anbieter erhalte der Kunde nur eine Rechnung, zitiert “Zeit Online” Amazon-Mann Bubenheim. “Die Bequemlichkeit beim Einkauf war uns besonders wichtig.”

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Dass der Handel mit exklusiven Lebensmitteln im Netz funktioniert, zeigt Gourmondo bereits seit einigen Jahren. Im vergangenen Jahr wickelte der Gourmet-Shop, der 2002 gegründet wurde, 80.000 Aufträge ab. Selbst der auf den ersten Blick komplizierte Versand von Frischfleisch scheint zu funktionieren. Imposante 4,3 Tonnen frisches Fleisch schickte der Shop im ersten Jahr auf die Reise – seit Februar 2009 bietet Gourmondo frisches Fleisch an. Genusshandwerker von Andreas Hegmann und Hans-Georg Pestka ist ebenfalls ein alter Hase im Food-Commerce. Anders als die Spezialitäten-Shops Gourmondo und Genusshandwerker spricht froodies.de Otto-Normal-Esser an. Der im vergangenen Jahr gestartete Online-Lebensmittelshop, konzentrierte sich zunächst auf Dortmund. Die Integration bei Amazon dürfte das Start-up nun in ganz andere Sphäre katapultieren. Wenn der Lebensmittelverkauf über das Internet denn nun zum Massenphänomen wird.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.