Live-Shopping: Wer langfristig die besten Perspektiven hat

Jokerdeals.de (www.jokerdeals.de) nennt sich der neueste Anbieter. Der gefühlt einhunderttausendste Live-Shopping-Dienst in Deutschland, der einmal mehr mit einem einzigen Produkt am Tag auf Kundenfang geht. Tatsächlich gibt es nach Einschätzung von Branchenkenner Tim […]
Live-Shopping: Wer langfristig die besten Perspektiven hat

Jokerdeals.de (www.jokerdeals.de) nennt sich der neueste Anbieter. Der gefühlt einhunderttausendste Live-Shopping-Dienst in Deutschland, der einmal mehr mit einem einzigen Produkt am Tag auf Kundenfang geht. Tatsächlich gibt es nach Einschätzung von Branchenkenner Tim Rohrer von Liveshoppingwidgets.de (www.liveshoppingwidgets.de) zurzeit aber erst um die 20 bis 30 Anbieter in Deutschland, die allesamt dem großen US-Vorbild Woot.com (www.woot.com) nacheifern. Da aber nahezu alle deutschen Live-Shopping-Dienste das immer gleiche Sortiment an Computertechnik, HiFi-Artikeln oder Klamotten verhökern und sich auch in Punkto Kundenansprache wenig unterscheiden, sorgt ein neuer Shop erst einmal für gepflegte Langeweile.

Keine Frage: Im deutschen Live-Shopping-Markt macht sich zunehmend Ernüchterung breit. Auch wenn einige Händler immer wieder neue Angebote starten: Spätestens seit sich im vergangenen September mit Guut.de (www.guut.de) einer der deutschen Parade-Shops vom Woot-Klon zum Schnäppchen-Portal wandelte, mag man als neutraler Branchen-Beobachter kaum noch so recht an das Business-Modell „Ein Produkt pro Tag“ glauben. Schließlich war Guut.de mit rund fünf Millionen Jahresumsatz noch einer der größten Anbieter hierzulande. Nur verdient wurde anscheinend wohl selbst hier zu wenig. Für diese These spricht zumindest, dass erst vor einigen Monaten Investor Holtzbrinck eLab bei Guut.de ausgestiegen ist. Übrigens ein gutes dreiviertel Jahr später, nachdem bereits die Guut-Gründer Peter Posztos und Robert Stephan das 2007 gegründete Unternehmen verlassen haben.

Schutzgeld-Macher: “Kein profitables Geschäft möglich”

Die Schwierigkeiten von Guut.de kommen in der Tat nicht von ungefähr. Denn trotz des Medien-Hypes bleibt Live-Shopping ein schwieriges Geschäft. “Das Geschäftsmodell trägt sich für Stand-Alone-Shops nicht alleine aus der Ware heraus”, warnt stellvertretend Peter Faisst im Interview mit Förderland.de. Faisst hatte im Jahr 2006 mit Schutzgeld.de (www.schutzgeld.de) einen der ersten deutschen Live-Shops gestartet. Trotz viel Presse-Echo und Experten-Lob war aber bereits zwei Jahre später wieder Schluss. “Es kann niemals eine kritische Masse erreicht werden, die ein profitables Warengeschäft ermöglicht”, argumentiert er. Eine Perspektive haben klassische Live-Shopping-Dienste dennoch.

Live-Shopping kann als Stand-Alone-Anwendung dann funktionieren, wenn sich Anbieter auf eine Nischenzielgruppe fokussieren und eine Community pflegen. Zwar sind damit auf Dauer keine großartigen Sprünge möglich, die einen Live-Shop auch nur entfernt in die Umsatzregionen eines Amazon katapultieren könnten. Es ist aber in jedem Fall erfolgsversprechender, als mit möglichst günstigen Allerweltsprodukten rund um Elektronik und HiFi auf den Break-Even zu spekulieren. US-Shop Woot.com – der bereits zu den 150 umsatzstärksten US-Retailern gehört – bleibt mit seinen angeblich schon weit über 100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz wohl eine Ausnahme.

Gute Perspektiven für Nischen-Shops und Shopping-Gimmicks

Zum einen ist bei Spielekonsolen, iPod & Co. einfach der Preisdruck im Live-Shopping zu groß, so dass viele Anbieter bei besonders günstigen Angeboten bereits heute draufzahlen. Zum anderen hat es derzeit den Anschein, als ob dieser Mainstream-Markt durch Anbieter wie Preisbock.de (www.preisbock.de) – nach eigener Aussage übrigens bereits seit über einem Jahr inzwischen profitabel – bereits gesättigt ist. Durchaus nachvollziehbar vor diesem Hintergrund also, warum gerade die Preisbock-Macher im Oktober mit Stylebock.de (www.stylebock.de) und Gadgetbock.de (www.gadgetbock.de) zwei zusätzliche Nischen-Shops gestartet haben. Auch wenn es hier statt typischem Woot-Live-Shopping lediglich ein „Produkt der Woche“ gibt.

schutzgeld

Andere Anbieter dagegen betreiben durchaus schon vielversprechende Woot-Klone in der Nische. Dealgeil.de (www.dealgeil.de) beispielsweise bietet nach eigenen Angaben “Deutschlands ersten Erotik-Live-Shop”. Manko bleibt aber auch hier, dass vor allem der Preis verkaufen soll und zu wenig in den Aufbau einer treuen Kunden-Community investiert wird. Das ist zwar im Prinzip auch bei PaulDirekt (www.pauldirekt.de) der Fall. Da der Shop aber seine Tagesschnäppchen über selbst produzierte Produktvideos verkauft, entsteht hier zumindest in Ansätzen ein Alleinstellungsmerkmal. Kurioserweise rücken die Shopbetreiber ausgerechnet hiervon ab und starten immer öfters Verkaufsaktionen ohne Videos.

Klassische Online-Shops setzen auf Live-Shopping

Live-Shopping funktioniert als Stand-Alone-Lösung langfristig aber wohl dann am besten, wenn Händler besonderen Content bieten (wie die Produktvideos von Pauldirekt) und Nutzer in einem angenehmen Shopping-Umfeld vielleicht auch einmal mehr bezahlen als den allergünstigsten Preis. Ein weiterer vielversprechender Ansatz kann aber auch darin bestehen, klassische Online-Shops durch Live-Elemente aufzupeppen. Traditionelle Versandhändler wie Neckermann.de (“Sensation des Tages“), Shopping-Plattformen wie eBay.de (“Wow des Tages“) oder reine Online-Retailer wie MikFunshopping.de (“Deal of the Day“) bieten bereits zusätzlich zum klassischen Sortiment jeden Tag in irgendeiner Form einen besonderen Daily Deal.

Neckermann

Die Händler wissen: Live-Shopping-Elemente locken Nutzer tagtäglich in den Shop und erhöhen die Shop-Stickiness. Und wer mit dem Tagesschnäppchen nichts anfangen kann, kann immer noch im traditionellen Shop stöbern. Ein Selbstläufer sind solche Shopping-Gimmicks aber nicht. Wer nur Restposten und B-Ware verhökert, wird auf lange Sicht wohl kaum viele Kunden für seine Tagesschnäppchen begeistern können. Diese Erfahrung musste bereits der Dresdner Online-Shop Cyberport.de machen, der sein Live-Shopping-Experiment Cyberport24.de nur acht Monate nach dem Start im Oktober 2006 wieder einstellen musste. “Letztendlich durften wir bei Cyberport.24 oftmals nur die Kuchenkrümel vermarkten, während der Kuchen selbst an anderer Stelle verspeist wurde”, klagte der Projektverantwortliche Sven Kaulfuss damals.

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