schutzgeld.de gibt auf

Die Mafia streicht die Segel: Der gut inszenierte Live-Shoppingdienst schutzgeld.de (www.schutzgeld.de), der nach außen mit einem mafiösen Image auftrat, hat seine Pforten geschlossen. “Nach nun über 2 Jahren müssen wir aber feststellen, dass […]

Die Mafia streicht die Segel: Der gut inszenierte Live-Shoppingdienst schutzgeld.de (www.schutzgeld.de), der nach außen mit einem mafiösen Image auftrat, hat seine Pforten geschlossen. “Nach nun über 2 Jahren müssen wir aber feststellen, dass dieses Konzept trotz der Aufmerksamkeit der Presse auf die Dauer immer langweiliger wird”, heißt es auf der Website. Hinter schutzgeld.de stand die Marketing Factory Consulting GmbH von Peter Faisst. Seit 2006 setzten die Düsseldorfer auf den Verkauf von einem Produkt pro Tag und begeisterten mit ihrem Konzept Branchenkenner und Nutzer gleichermaßen.

Später gestartete Live-Shoppingdienste wie Preisbock (www.preisbock.de) und Guut.de (www.guut.de) haben dem deutschsprachigen Vorreiter aber längst das Wasser abgegraben wie ein Blick auf Google Trends zeigt. Offenbar auch bei der Akquisition von Waren. Wie viele andere Live-Shoppingdienste setzte auch schutzgeld.de auf Technik- und Lifestyle-Produkte. Bei schutzgeld.de heißt es dazu: “Ein Produkt am Tag? Der Pate musste wirklich lange nach Mitarbeitern suchen, die antriebslos genug für diese Aufgabe waren. Er ist zwar schließlich doch fündig geworden, aber trotzdem hat selbst diese antriebslose Schutzgeld-Gang nach kurzer Zeit angefangen, sich vor Langeweile die Arme zu ritzen….die Arme vom Luigi natürlich – nicht die eigenen.”

“Extrem geringe Wachstumschancen”

Jochen Krisch von “Exciting Commerce” nennt die Entscheidung, schutzgeld.de einzustellen konsequent: “Auch wenn der Abschied zu einem Zeitpunkt kommt, da Live Shopping boomt und der Preisbock, so Geschäftführer Christian Grötsch nach gut einem Jahr den ersten profitablen Monat vermelden kann.” Der Preisbock-Chef sieht sich dank “steil wachsender Userzahlen, niedriger Retourenquoten und einer hohen Kundentreue” auf der Seite der Gewinner. Mit einem SMS-Newsletter will er potenzielle Käufer weiter bei der Stange halten. “Wir können nicht garantieren, dass unsere Mitglieder sich täglich für das Produkt interessieren. Mit unserem individuellen Newsletter schaffen wir Anreize für die User, die Aktionen auf dem Preisbock regelmäßig zu verfolgen.”

schutzgeld.de-Macher Faisst sieht dagegen schwarz für Live-Shopping im Lande. Im Gespräch mit dem Branchendienst “iBusiness” verriet er, dass er den deutschen Markt auf lange Sicht als zu klein ansehe, um auf eine betriebswirtschaftlich kritische Masse an registrierten Nutzern zu kommen. Der Markt biete nur “extrem geringe Wachstumschancen”. Die Zielgruppe der für Liveshopping-Angebote affinen Konsumenten sei in Deutschland nicht größer als 30.000 bis 40.000 Nutzer, so Faisst. Für die Vielzahl an Live-Shoppingdiensten in der Republik wird es sicherlich schwer, dauerhaft gute Waren anzubieten und auch noch in die Gewinnzone zu kommen. Nicht umsonst sind einige kleinere Angebote wie magazino, Opow und dealbutler schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Der Markt in Deutschland dürfte aber groß genug sein für zwei, drei große und schlagkräftige Anbieter – so lange die Produktauswahl stimmt.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.