Ursachenforschung bei Weblin

In seinem Blog Thetawelle setzt sich Helge Städtler intensiv mit dem Ende des Avatardienstes weblin (www.weblin.com) auseinander und versucht die Ursachen des Misserfolgs niederzuschreiben. Von Beginn an war er “sehr skeptisch”, was das […]

In seinem Blog Thetawelle setzt sich Helge Städtler intensiv mit dem Ende des Avatardienstes weblin (www.weblin.com) auseinander und versucht die Ursachen des Misserfolgs niederzuschreiben. Von Beginn an war er “sehr skeptisch”, was das Konzept des kürzlich gestrauchelten Start-ups anging. Das Modell mit “virtuellem Nippes” Geld zu verdienen erschien ihm äußerst zweifelhaft. Als weitere Punkte spricht er unter anderem die erteilte Staatsförderung und die Softwareinstallation an. “Mit das größte Problem schien mir, dass man nur wenn man EXAKT auf der selben URL wie ein anderer Besucher im Web war, auch jemanden gesehen hat. Dieser Tunnelblick hilft mir nicht! Die Menschen in der Stadt erst dann zu sehen, wenn ich in jeden einzelnen Laden hineingehe (dann aber alle anderen nicht mehr zu sehen), wäre ein recht armes Erleben von sozialem Raum”, schreibt Städtler, der als Technical Manager im Bereich IT/Software Engineering & Consulting arbeitet.

Weblin-Gründer Heiner Wolf hat die Ursachenforschung zum Ende von Weblin bereits entdeckt und antwortet in seinem Blog Code and Life sehr offen und ausführlich auf die Anmerkungen Städtlers. Zum Thema “virtueller Nippes” schreibt Wolf: “Virtuelle Güter im Allgemeinen scheinen zu gehen, wie viele Berichte zeigen. Aber bei Weblin war das alles ziemlich lange ziemlich sinnlos, also \’Nippes\’, stimmt. Das hätte man nicht so lange sinnlos bleiben lassen dürfen. Ende 2007 wurden virtuelle Güter eingeführt, dann kamen schnell die Weihnachts- und Horten-Sammelaktionen. Dann hat Weblin leider die virtuellen Gütern nicht weiter entwickelt. Man konnte sammeln, tauschen, ein paar Alben machen für Avatare. Gegen Ende dann die Effekte. Aber eine Ökonomie hat es nie gegeben. Die User wurden ein ganzes Jahr hängen gelassen. Das Jahr 2008 wurde komplett verpasst, weil die Prioritäten falsch waren.”

In der Tat war vermutlich die verschlafene Monetarisierung mit virtuellen Gütern der größte Knackpunkt bei Weblin. Die Staatsförderung und die Softwarehürde lässt Wolf dagegen nicht gelten: “Die gute alte Download Hürde, immer wieder gerne kolportiert, aber durch die Praxis widerlegt. 3 Mio registrierte und 150.000 Weekly Returning User für relativ wenig Marketingausgaben sagen etwas anderes. Im ernst: Benutzer im zweistelligen Prozentbereich machen den Download, werden und bleiben Weblin-User, manchmal sogar bis 30% (der Besucher auf der Weblin-Seite), was eine ziemlich gute Conversion-Rate ist.”

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.