“Die geplante Finanzierungsrunde hat sich verzögert” – Christine Stumpf von weblin im Interview

Weblin trennt sich zum Monatsende von 7 seiner 25 Mitarbeiter. Warum dieser harte Einschnitt? Weblin hat im Zuge von Kostenkürzungen auch Mitarbeiter entlassen müssen. Der Grund sind Umstrukturierungen. Wir empfehlen alle Mitarbeiter gerne […]

Weblin trennt sich zum Monatsende von 7 seiner 25 Mitarbeiter. Warum dieser harte Einschnitt?
Weblin hat im Zuge von Kostenkürzungen auch Mitarbeiter entlassen müssen. Der Grund sind Umstrukturierungen. Wir empfehlen alle Mitarbeiter gerne weiter. Es wäre sehr nett, wenn Sie die Leser darauf hinweisen können. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir die betroffenen Mitarbeiter zeitnah an andere Unternehmen vermitteln könnten.

Mit weniger Mitarbeitern wird es vermutlich schwieriger bestimmte Projekte umzusetzen. Welche Projekte legen Sie nun auf Eis?
Wir legen keine Projekte auf Eis, die Timeline der Roadmap wird sich verzögern.

Die letzte Finanzierungsrunde von weblin ist schon eine Weile her, reicht das restliche Kapital noch, um weblin in die schwarzen Zahlen zu führen?
Die geplante Finanzierungsrunde hat sich aufgrund der Finanzkrise verzögert. Darauf haben wir mit Einsparungen reagiert. Weblin fährt bereits Tests mit Monetarisierung durch Werbung. Monetarisierung mit virtuellen Gütern steht jetzt im Februar erstmals an. Auch andere Modelle, wie beispielsweise ein Subscriptionsmodell werden diskutiert, sind derzeit aber nicht konkret geplant.

Erwirtschaftet weblin denn jetzt schon nennenswerte Umsätze?
Da wir erst seit November mit vorerst nur einem Revenuestream begonnen haben sind die Umsätze zwar noch nicht nennenswert, aber gut skalierbar. Eine Herausforderung dabei ist, dass wir auf den Top-15-Märkten die geeigneten Vermarktungsagenturen und deren Werbekunden integrieren müssen. Damit haben wir begonnen, es dauert aber natürlich ein bisschen. Vor allem bei verkleinerter Mannschaft.

Gerüchteweise war zu hören, dass weblin-Mitgründer Heiner Wolf sich aus dem Unternehmen zurückzieht.
Eine Umstrukturierung des Managements ist bereits seit Dezember geplant. Eine konkrete Entscheidung über die einzelnen Personen ist jedoch noch nicht getroffen.

Erst vor wenigen Wochen haben Sie verkündet, dass inzwischen 2 Millionen User weblin nutzen. Erst im September 2007 wurde die Millionenmarke geknackt. Woher kommt dieses Wachstum?
Weblin hat einige hundert Kooperationen, darunter sind bekannte Namen wie Pennergame, Windows Live und ProSieben. Jeden Tag kommen neue dazu, auch der Longtail ist hier nicht zu unterschätzen. Dasselbe gilt für Downloadportale wo man Software kostenlos herunterladen kann. Hier hat sich gezeigt, dass das, was Anfangs als Hürde bezeichnet wurde, nämlich, dass User ein Programm installieren müssen, für weblin ein Vorteil ist. Auf diese Weise ist weblin über die ganze Welt verteilt und wird in mehr als 200 Ländern benutzt.

Wo steht weblin in einem Jahr?
Innerhalb des nächsten Jahres steht Monetarisierung im Vordergrund. Dabei spielen virtuelle Güter eine zentrale Rolle. Diese bringen wichtige Features für User mit sich. Dekorative Gegenstände für die Webseite und die Avatare aber auch Güter, die interaktiv bedienbar sind. Eine Kaffeemaschine bei der man Kaffee in der Tasse bekommen kann, aber auch Wasser und Kaffeepulver nachfüllen muss. So entsteht nach und nach eine virtuelle Welt auf Webseiten. Es ist keine Teenager-Welt, sondern eine Welt für jeden Internetnutzer, egal welchen Alters. Unsere User sind zum großen Teil 20 bis 35 Jahre alt. In diesem Segment sind wir jetzt schon eine der wichtigeren virtuellen Welten, was Userzahlen betrifft. Diese Position wollen wir weiter ausbauen.

Zur Person
Im Sommer 2006 jagte Christine Stumpf gemeinsam mit Heiner Wolf das Alter-Ego-System weblin (www.weblin.com) ins Internet. Mit der kostenlosen Software, die zunächst Zweitgeist hieß, kann sich jeder Onliner einen virtuellen Charakter aussuchen und wird so im Netz sichtbar. Auf diese Weise ist es möglich, dass sich Besucher einer Website unterhalten können, ohne dass der Betreiber dafür einen besonderen Service anbieten muss. Vor weblin hat Stumpf bei der Softwareschmiede bluehands gearbeitet und davor das Unternehmen Cyland gegründet. Neben dem High-Tech Gründerfonds investierten Mountain Partners und der T-Online Venture Fund in weblin.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.