Facebook verklagt studiVZ

Das amerikanische Social Network Facebook (www.facebook.com) fährt die Krallen aus und verklagt den deutschen Platzhirschen studivz (www.studivz.net). “Dem Facebook-Klon soll untersagt werden, weiterhin \’look, feel, features and services\’ von Facebook.com zu kopieren.\’Ein großer […]

Das amerikanische Social Network Facebook (www.facebook.com) fährt die Krallen aus und verklagt den deutschen Platzhirschen studivz (www.studivz.net). “Dem Facebook-Klon soll untersagt werden, weiterhin \’look, feel, features and services\’ von Facebook.com zu kopieren.\’Ein großer Teil des Erfolgs – wenn nicht der gesamte Erfolg – von StudiVZ ist dem Kopieren und dem Missbrauch von Facebooks geistigem Eigentum geschuldet\’, heißt es in der 116-seitigen Klageschrift, die Facebook bei einem US-Bezirksgericht in San Jose im Silicon Valley einreichte”, berichtet die “Financial Times Deutschland“. Und weiter: Facebook werfe dem sozialen Netzwerk unter anderem auch vor, ohne Erlaubnis auf seine Computersysteme und -netzwerke zugegriffen zu haben, um sich unrechtmäßig Daten zu verschaffen.

“Der Klage sind offenbar monatelange Gespräche zwischen Facebook und studiVZ vorausgegangen, die aber wohl nicht das erhoffte Ergebnis aus der Sicht von Facebook gebracht haben. StudiVZ hat nun 20 Tage Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern oder seine Website umzubauen”, berichtet Holger Schmidt von der “FAZ” in seinem Blog Netzökonom. Das Studenten-Netzwerk studiVZ ging eineinhalb Jahre nach Facebook an den Start. Beim Design und den Funktionen orientierten sich Ehssan Dariani und seine Mitstreiter ohne Zweifel am großen Vorbild, lediglich die Farbe war immer anders: rot statt blau. Inzwischen gehört das erfolgreiche Angebot zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (auch an deutsche-startups.de beteiligt).

“Lange Zeit nicht ernst genommen”

Bleibt die Frage: Warum kommt die Klage erst jetzt? Netzökonom Schmidt liefert eine mögliche Antwort: “Vermutlich hat Facebook seinen deutschen Klon lange Zeit nicht ernst genommen. Erst nach dem Start in Deutschland, der lange nicht so erfolgreich verlief wie erhofft, hat Facebook wohl erkannt, gegen studiVZ in Deutschland keine Chance mehr zu haben”. Seit März buhlt Facebook mit einer deutschsprachigen Seite um hiesige Onliner. Die Klage könnte aber auch eine Möglichkeit sein, das deutschsprachige Netzwerk wieder an den Verhandlungstisch zu drängen – diesmal mit dem Ziel der Übernahme. Bei Facebook sind seit Januar auch die Samwer-Brüder mit ihrem European Founders Fund (ebenfalls an deutsche-startups.de beteiligt) mit an Bord.

Nachtrag (20. Juli, 16:44 Uhr) Inzwischen liegt eine offizielle Stellungnahme von studiVZ vor. Demnach sei die Klage dem Unternehmen bislang nicht zugestellt worden. “studiVZ kann und wird den Inhalt der Klageschrift daher nicht kommentieren”, heißt es in der Presseerklärung. Die Berliner ziehen nun ebenfalls vor Gericht: Bereits am vergangenen Freitag habe man eine Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart eingereicht. Diese habe das Ziel, von den zuständigen deutschen Gerichten feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend seien. Die studiVZ-Mannschafthält die in Medienberichten erhobenen Vorwürfe für haltlos. “Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von studiVZ gerichtlich zu behindern”, sagt studiVZ-Chef Marcus Riecke. „Es gibt weltweit zahlreiche soziale Netzwerke. Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das Einzige. Mit dem Versuch, studiVZ durch die Durchführung eines Prozesses ohne Erfolgsaussichten vor einem amerikanischen Gericht zu schädigen, erhebt Facebook im Prinzip den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Dies ist vermessen und wird sich schnell entlarven. Wir sehen der Sache gelassen entgegen.“

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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