Fragestunde mit Felix Haas von amiando – die Antworten

In der aktuelle Runde des “user-generated Interviews” von deutsche-startups.de stellte sich Felix Haas, CEO der Eventplattform amiando (www.amiando.com), den zahlreichen Leser-Fragen, die in der vergangenen Woche in der Redaktion gesammelt wurden. Zwischen Terminen […]

In der aktuelle Runde des “user-generated Interviews” von deutsche-startups.de stellte sich Felix Haas, CEO der Eventplattform amiando (www.amiando.com), den zahlreichen Leser-Fragen, die in der vergangenen Woche in der Redaktion gesammelt wurden. Zwischen Terminen und beruflichen Verabredungen fand Felix Haas Zeit für seine Antworten.

amiando sitzt in München. Ist dieser Standort für ein Start-up nicht viel zu teuer – aus welchen Gründen sitzt ihr in der Weißwurst-Hauptstadt?
Fünf der sechs Gründer kommen aus München, von daher lag der Standort des amiando Headquarters nahe. Die normalen Mietpreise für Büros liegen natürlich deutlich über denen vergleichbarer Büros z.B. in Berlin. Jedoch konnten wir dank eines persönlichen Kontakts ein großes Büro direkt im Zentrum von München für unter 1500 Euro im Monat anmieten.

Bitte ein paar Zahlen: Wie viele Nutzer, wie viele Visits, Page Impressions und wie viel Umsatz hat/macht amiando monatlich?
Unsere Key Performance Indicators wachsen monatlich stetig um ca. 20 Prozent. Das verwaltete Ticket-Volumen auf amiando liegt im Millionen-Euro Bereich und die Anzahl der registrierten Nutzer im sechsstelligen Bereich.

Wie viele dieser Events, die kostenpflichtige Tickets anbieten, entscheiden sich für die Hardticket-Variante?
Das Angebot von Ticket-Typen wie Papier-Tickets mit Hologrammstreifen, Badges, Lanyards und Armbändern ist einmalig in Europa und wird von über der Hälfte der Eventveranstalter eingesetzt. Dementsprechend hat amiando viel in Strukturen und Technologie investiert, um die Logistik für Produktion und Versand effizient und zuverlässig handhaben zu können. Nicht dass ein Teilnehmer der „next08“ plötzlich ein Badge für „DLD“ bekommt.

Wie oft ist das amiando Einlass-System schon zum Einsatz gekommen?
Da unsere kostenlose amiando EasyEntry sowohl offline, als auch mit einer Datenverbindung zu den amiando Servern online genutzt werden kann, können wir nicht genau sagen wie oft das amiando EasyEntry System eingesetzt wird. Bis heute wurde es jedoch von mehr als 1000 Eventveranstaltern heruntergeladen und installiert.

Welche strategische Bedeutung hat die private Eventplanung für amiando?
Für kleinere private Events und Treffen haben sich mit Social Networks wie beispielsweise Facebook valide Alternativen zu Plattformen wie evite und amiando entwickelt. Sobald die Anforderungen jedoch über die Standardtools von Social Networks hinaus gehen (und auch aufgrund der dann vorhandenen Budgets eine Zahlungsbereitschaft existiert), bietet ein Tool wie amiando einen großen Mehrwert für den Eventorganisator. Für amiando ist diese Zielgruppe aufgrund der hohen Zahl von derartigen Events interessant.

Was waren die größten technischen und organisatorischen Herausforderungen und Probleme bei der Entwicklung von amiando?
Sobald Geld im Spiel ist, sind die Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit der Softwaresysteme hoch. Dementsprechend viel Fokus liegt auf diesen Themen bei der Softwareentwicklung bei amiando. Auch Skalierbarkeit ist ein Thema – wenn ein beliebtes Event innerhalb von Minuten ausverkauft wird, ist ausreichende Performance entscheidend.

Organisatorisch haben wir in 2007 bei amiando mehrere Feedback-Prozesse eingeführt. Diese ermöglichen es uns, Wünsche von Kunden rasch in die Produktentwicklung einfließen zu lassen. Einer dieser Prozesse basiert auf dem „Scrum“ Prinzip, d.h. die IT-Abteilung gibt Angaben wie viel Ressourcen die Umsetzung eines Requests erfordern würde, das Management gibt anschließend die gewünschte Reihenfolge der Umsetzung (Priorisierung) vor. Dabei kommt es auch gelegentlich vor, dass Themen neu priorisiert werden – das gibt uns die nötige Flexibilität um auf kurzfristige Gelegenheiten reagieren zu können.

Was sind die größten technischen und organisatorischen Herausforderungen und Probleme bei der Internationalisierung von amiando?
Technisch gab es keine besonderen Herausforderungen. Organisatorisch arbeiten wir mit jeweils starken Partnern in jedem Land zusammen. Customer Support und Sales Koordination erfolgt dabei stets vom amiando Headquarter hier in München aus.

Wie löst ihr das Problem, dass andere Zahlungsmethoden im Ausland gängig sind?
In dem wir sie anbinden … Das amiando Backend ist sehr flexibel für die Einbindung von weiteren Zahlungssystemen. Dabei arbeiten wir mit mehreren externen Partnern zusammen und werden in der näheren Zukunft auch interessante neue Erweiterungen vorstellen.

Habt ihr eure Applikation selbst entwickelt, oder habt ihr das von einer Fremdfirma erledigen lassen? Und wie teuer war die technische Realisierung der Seite?
Ja, wir Gründer haben anfangs 100 Prozent der amiando Plattform selber entwickelt. In 2006 haben wir zu viert (vier der sechs Gründer) mehrere Monate lang in meinem Wohnzimmer die erste Version von amiando entwickelt. Inzwischen beschäftigen wir über zehn Softwareentwickler unter der Führung von Mitgründer und CTO Armin. Das gibt uns die Flexibilität, schnell bezüglich Bugfixes, neue Features und große Projekte wie OpenSocial umsetzen zu können. Natürlich holen wir uns aber auch gelegentlich Unterstützung von sehr guten Freelancern, v.a. im Bereich Design. Momentan sind wir sehr mit den Vorbereitungen für das neue amiando 4.0 beschäftigt.

Empfindest Du es als schwierig, gute Web-Developer zu finden? Wenn ja, wie schafft ihr es, geeignetes Personal zu finden und dieses auch an Euer Unternehmen zu binden?
Ja, da wir an uns und unsere neuen Mitarbeiter hohe Anforderungen stellen, findet man nicht an jeder Ecke geeignete neue „amiandos“. Auf der anderen Seite sind Faktoren wie eine Office Location am Viktualienmarkt, ein extrem dynamisches Team und Umfeld, ein spannendes Produkt, attraktive Gehälter und Aktienoptionen, und regelmäßige Teamevents und Aktionen wie unser wöchentlicher „Pizza-for-all Friday“ sehr hilfreich für die Gewinnung der besten Mitarbeiter. Office-Goodies, die wir uns bei unseren Besuchen bei Google im Silicon Valley abgeguckt haben, wie Massagesessel und Wii, kommen auch gut an.

So weit bekannt will amiando weiterhin ins Ausland expandieren. In welche Märkte wollt ihr als nächstes vordringen? Und welchen Stellenwert hat der asiatische Sprachraum dabei?
Der kerneuropäische Raum ist unser Kernmarkt. Für die Expansion darüber hinaus gehen wir recht opportunistisch vor: Grundvoraussetzung ist die Größe und Zugänglichkeit des jeweiligen Marktes sowie starke Partner vor Ort.

Welche Qualifikationen im Gründerteam waren für den Erfolg Euer Seite unabdingbar?
Eine große Stärke des amiando Gründerteams ist die Vielseitigkeit der Qualifikationen und die gemeinsame Vision und das gegenseitige Vertrauen und Zusammenspiel der Teammitglieder. Wenn ich z.B. auf einer Konferenz in San Francisco einen interessanten High-Profile Kontakt für eine Kooperation kennen lerne, kann ich das Projekt sofort an einen der Mitgründer abgeben und mich 100 Prozent darauf verlassen, dass es optimal weiterverfolgt wird. Wir sind technisch sehr stark, konnten daher alle Prototypen für die ersten Investorentreffen selbst umsetzen und auch die Monate danach noch viel selbst entwickeln. Wichtig sind auch die persönlichen Netzwerke der Gründer (und Investoren), welche uns viel geholfen haben.

Gibt/gab es ein Vorbild für amiando? Und was bedeutet der Name?
Vorbild: Kein direktes, wenn dann Seiten aus den USA wie evite.com.
Name: Auf dem Oktoberfest fällt das Brainstorming für Namen leichter… Soweit ich mich recht erinnern kann, ist Markus mit dem Vorschlag gekommen.

Fällt es Dir als Hobbypilot leichter, den Überblick zu behalten, den man als Junggründer gelegentlich braucht?
Als Pilot lernt man, eine gegebene Situation in einer gegebenen Zeit zu analysieren, daraufhin im Team im Cockpit eine Entscheidung zu treffen und sich dann auf die Umsetzung zu fokussieren.

Bist Du selbst auch ein Partygänger?
Time Permitting, aber auf der einen oder anderen Party trifft man mich natürlich an. Natürlich läuft das unter dem Punkt „Product Testing“ – man muss sein eigenes Produkt ja auch nutzen und Tickets kaufen.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.