“Wir freuen uns riesig” – Max Wittrock von mymuesli im Interview

Die Jury hat entschieden, mymuesli ist das Startup des Jahres. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? Diese Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit. Im öffentlichen Bewusstsein existieren wir erst seit dem Launch […]

Die Jury hat entschieden, mymuesli ist das Startup des Jahres. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Diese Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit. Im öffentlichen Bewusstsein existieren wir erst seit dem Launch Ende April, aber schon in den Monaten davor, haben wir sehr viel Zeit in mymuesli investiert. Deswegen ist es schön, dass wir nun diese Form der Anerkennung für unsere Arbeit bekommen. Wir freuen uns riesig!

Was war in den vergangenen Monaten die größte Herausforderung für Sie und Ihre Mitgründer Hubertus Bessau und Philipp Kraiss?
Im Vergleich zu anderen Internet-Startups haben wir ein komplexes operatives Geschäft mit einem echten Produkt, welches viele Herausforderungen mit sich bringt. Der Umzug in ein größeres Lager, beim laufenden Betrieb war eine große Herausforderung, schließlich muss das Mischen und der Versand der Müslis auch an so einem Tag weitergehen. Die Produktionsprozesse bei steigender Kundenzahl zu verbessern ebenfalls. Die größte Herausforderung liegt aber noch vor uns, nämlich die Zeit nach dem Weihnachtsgeschäft. Wir müssen den Anfangserfolg dieses Jahres im kommenden Jahr weiter ausbauen. Was nicht leicht wird, denn der Erwartungsdruck wird immer größer.

Wird es neben Müsli künftig auch andere Produkte aus Ihrem Hause geben?
Die Produktpalette werden wir derzeit nicht erweitern. Unsere Stammkunden dürfen sich aber regelmäßig auf neue Zutaten freuen. Im Moment etwa bieten wir Spekulatius und Weihnachtsmandeln an. Bald nehmen wir auch Pflaumen und Erdnüsse in unserer Sortiment auf. Mymuesli soll weiterhin für individuelles Müsli stehen, myfischfutter bieten wir sicherlich nicht an.

Und wie sieht es mit einer Auslandsexpansion aus?
Die Erschließung neuer Märkte ist definitiv ein Thema für uns. Dabei denke ich aber nicht nur an eine Auslandsexpansion, sondern auch den Weg in den klassischen Handel. Allerdings müssen solche Angebote zu unserer Marke passen. Es macht sicherlich keinen Sinn, wenn wir das hundertste Schokomüsli anbieten. Wir denken eher an Müslis, die auf bestimmte Personenkreise zugeschnitten sind. In Zusammenarbeit mit Runner’s Wolrd und dem Institut für Sporternährung in Bad Nauheim haben wird beispielsweise bereits spezielle Läufermüslis gemischt.

Sie haben mehrere Dutzend Zutaten im Angebot – darunter auch Rosinen. Die getrockneten Weintrauben gehören vermutlich zu den meistgehassten Müslizutaten überhaupt, oder?
Witzigerweise laufen auch Rosinen bei uns gut. Man muss aber sagen, dass eigentlich alle Zutaten ganz gut gehen. Ansonsten müssten wir keine individuell zusammenstellbaren Müslis anbieten. Es gibt aber saisonale Unterschiede, so weit man dass nach so kurzer Zeit sagen kann. Momentan laufen Walnüsse, Apfelstücke und Apfel-Zimt-Crunchy gut. Ansonsten laufen exotische Zutaten wie Gojibeeren gut. Offenbar will jeder mal ausprobieren, wie solche Sachen schmecken.

Wie viele Kilo Müsli, Nüsse und Früchte stapeln sich in Ihrem Lager?
Zum Glück können wir die meisten Zutaten schnell bestellen und müssen deswegen keine großen Vorräte anhäufen. Meist ordern wir zwei- bis zweimal in der Woche neue Ware. Haferflocken holt unserer Freund und Mitbewohner Jan zur Not auch mal selbst bei der Mühle um die Ecke ab.

Haben Sie inzwischen auch immer genügend Verpackungen auf Lager? Kurz nach dem Start sind euch die Rollen schließlich mal ausgegangen.
Auch hier haben wir vorgesorgt. Direkt nach dem Start hatten wir nicht mit so vielen Bestellungen gerechnet. Und obwohl wir auf der Seite ausdrücklich darauf hingewiesen haben, dass wir derzeit nicht ausliefern können, haben die Leute trotzdem weiter bestellt. Wir waren mehrere Wochen zur Untätigkeit verdammt. Eine sehr unschöne Zeit.

Wie lange arbeiten Sie derzeit durchschnittlich?
Jetzt in der Vorweihnachtszeit arbeiten wir eigentlich immer. Und wenn wir nicht arbeiten, schlafen wir. Wobei Philipp eigentlich schon in der Produktion wohnt. Es muss aber niemand Mitleid mit uns haben, das ist in der Branche ganz normal. Klassischen Einzelhändlern geht es in der Vorweihnachtszeit genauso. Wir kommen damit klar, schlimmer wäre es, wenn uns unsere Müsliverpackungen wieder ausgehen würden.

Können Sie von mymuesli eigentlich leben?
Wir zahlen uns bisher noch kein Gehalt aus. Wir hatten uns vor dem Start darauf eingestellt, dass wir eine Weile von unseren Rücklagen leben müssen und machen dies derzeit auch noch. Demnächst werden wir uns aber zumindest ein kleines Gehalt auszahlen. Die restlichen Einnahmen investieren wir lieber weiter in die Zukunft von mymuesli.

Zur Person
Max Wittrock, Jahrgang 1982, ging in München und Texas zur Schule. Von 2001 bis 2006 Jura-Studium in Passau. Ab 2003 dann parallele Ausbildung am Institut für Journalistenausbildung, Uni Passau. Im April 2007 gründet Wittrock zusammen mit seinen Studienfreunden Hubertus Bessau und Philipp Kraiss mymuesli (www.mymuesli.de). Im gemeinsamen Unternehmen kümmert sich Wittrock unter anderem um die PR.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.