#Interview

“Wir konnten trotz eines bescheidenen Frühlings massiv wachsen”

Qunomedical setzt auf Medizin-Tourismus. Die Corona-Krise traf das Startup deswegen hart. "Wir haben die Zeit jedoch sinnvoll genutzt und unsere Systeme und Abläufe massiv optimiert, so dass wir dann einen sehr erfolgreichen Sommer hingelegt haben", sagt Gründerin Sophie Chung.
“Wir konnten trotz eines bescheidenen Frühlings massiv wachsen”
Dienstag, 8. Dezember 2020VonAlexander Hüsing

Mit Qunomedical digitalisiert Sophie Chung seit mehreren Jahren daran die Gesundheitsbranche. “Qunomedical hilft Menschen (wieder) gesund zu werden, indem sie bei der Arztsuche weltweit unterstützt werden. So sorgen wir dafür, dass jede:r schnell die passende und benötigte medizinische Versorgung und Behandlung bekommen kann”, erklärt Chung das Konzept der Berliner Jungfirma.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht die Qunomedical-Macherin außerdem über den ersten Lockdown, Kurzarbeit und Krankenkassen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Qunomedical erklären?
Qunomedical hilft Menschen (wieder) gesund zu werden, indem sie bei der Arztsuche weltweit unterstützt werden. So sorgen wir dafür, dass jede:r schnell die passende und benötigte medizinische Versorgung und Behandlung bekommen kann.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Das Konzept von Qunomedical ist von Anfang an dasselbe geblieben. Aber wir verbessern uns täglich, indem wir jeden Tag mehr Ärzt:innen in unser Angebot einbinden und unsere Prozesse optimieren. Das führt dazu, dass wir Jahr für Jahr um über 100 Prozent wachsen.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Als in Deutschland am 16. März der erste Lockdown begann und weltweit das Reisen verboten wurde, war die Welt verunsichert – so auch wir. Wir konnten nicht abschätzen was passiert und wie lange es dauern würde. Wir wussten aber, dass wir schnell handeln müssen und haben einen Teil unserer Belegschaft auf Kurzarbeit gesetzt und unsere Marketingaktivitäten zurückgefahren. Wir haben die Zeit jedoch sinnvoll genutzt und unsere Systeme und Abläufe massiv optimiert, so dass wir dann einen sehr erfolgreichen Sommer hingelegt haben: Unsere Performance war und ist deutlich über unseren Erwartungen und Plänen. So konnten wir trotz eines bescheidenen Frühlings übers Jahr gesehen massiv wachsen.

Wie ist überhaupt die Idee zu Qunomedical entstanden?
Die grundsätzliche Idee entstand aus meinen eher frustrierenden Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem – als Patientin und als Ärztin. Die Ursprungsidee lautet also: Kein Gesundheitssystem dieser Welt ist perfekt, aber wenn wir das Beste von jedem Gesundheitssystem auf einer Plattform vereinen, dann wäre sehr vielen Menschen auf dieser Welt geholfen.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Sucht man nach fundierter Information und unabhängiger Beratung für eine medizinische Behandlung, endet das meist darin, dass man am Ende vollkommen verwirrt und ohne konkrete Hilfe da steht. Wir schaffen die Voraussetzung dafür, dass jeder und jedem die beste medizinische Versorgung zur Verfügung steht. Unsere Patient:innen können aus 1.000 Ärzt:innen in 25 Ländern wählen. Dabei wurden alle Ärtz:innen sorgfältig geprüft und müssen höchsten Qualitätsstandards genügen. Wir bieten – bis auf den Flug, den unsere Nutzer:innen selbst buchen müssen – eine Full Service-Lösung an. So kommen unsere Nutzer:innen schnell, preiswert und sicher ihrer gewünschten medizinischen Leistung.

Wie hat sich Qunomedical seit der Gründung entwickelt?
Qunomedical entwickelt sich sehr gut und wächst jährlich um einen dreistelligen Prozentbereich.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Qunomedical inzwischen?
Wir haben rund 70 Mitarbeiter:innen und bearbeiten monatlich etwa 10.000 Anfragen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Die Woche im März, in der der Lockdown in Kraft trat. Nicht nur musste ich einen Teil unserer Belegschaft in Kurzarbeit schicken, ich brachte auch – früher als geplant – meine Tochter zur Welt. Das war sicher die härteste Woche meines Lebens. Mittlerweile schaue ich trotzdem sehr gerne auf diesen Moment zurück, weil meine Tochter gesund ist, wir einen grandiosen Sommer hatten und ich weiß, dass diese Woche uns und mich viel stärker gemacht hat und wir von dieser Kraft profitieren können.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Patients First. Wir haben immer zuerst an unsere Patient:innen gedacht und unser Produkt in allen Entwicklungsphasen stets an ihren Bedürfnissen ausgerichtet. Das ist im Gesundheitswesen leider viel zu selten der Fall. Oft geht es um die Interessen der Krankenkassen, Ärzt:innen oder der Verwaltung. Dabei ist das medizinische System ja vor allem dazu da, dass Menschen gesund werden und bleiben.

Wo steht Qunomedical in einem Jahr?
Wir werden vielen tausend Menschen dabei geholfen haben, gesund zu werden. Das wird uns viele tausend Mal stolz machen. Darüber hinaus werden wir als Unternehmen stärker und größer denn je zuvor sein. Wir werden im Vergleich zu heute etwa drei Mal so groß sein. Und wir werden in mindestens fünf weiteren Ländern präsent sein.

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Foto (oben): Qunomedical

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.