#Interview “Wir sind von einem ahnungslosen Haufen zu einem Unternehmen gewachsen”

Beim jungen InsurTech Hepster aus Rostock dreht sich fast alles um Fahrradversicherungen. "Die Lernkurve war und ist sehr steil", sagt Mitgründer Christian Range. Inzwischen kann Hepster bereits 35.000 Kunden und 40.000 Verträge vorweisen.
“Wir sind von einem ahnungslosen Haufen zu einem Unternehmen gewachsen”

Das Rostocker Startup Hepster, das 2016 von Alexander Hornung, Christian Range und Hanna Bachmann gegründet wurde, verkauft Fahrradversicherungen. “hepster ist sozusagen Herr Kaiser zum Mitnehmen”, sagt Mitgründer Range. Inzwischen wirken 34 interne und fünf externe Mitarbeiter für das Unternehmen. Hepster kann bereits 35.000 Kunden und 40.000 Verträge vorweisen.

“Wir sind von einem recht ahnungslosen Haufen – zu viert in einem Büro – zu einem strukturierten und organisierten Unternehmen mit 34 internen und 5 externen Mitarbeitern gewachsen. Vor vier Jahren sprachen wir über Claims und Visionen – heute sprechen wir über Prozesse und Deckungsbeiträge. Die Lernkurve war und ist sehr steil. Der Markt verändert sich, Kundenbedürfnisse ändern sich und bei aller Organisationsentwicklung versuchen wir den Spagat zwischen der steten Anpassung an diese Bedürfnisse und der Entwicklung von Prozessen zu halten”, sagt Range.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Hepster-Macher außerdem über Wintersport, frische Luft und die Ostsee.

Wie würdest Du Deiner Großmutter hepster erklären?
hepster ist sozusagen Herr Kaiser zum Mitnehmen. Wir sorgen dafür, dass Du ganz unkompliziert eine Versicherung buchen kannst und zwar immer dort, wo Du sie gerade brauchst. Das funktioniert entweder in wenigen Schritten über Dein Handy oder aber die Versicherung ist direkt dort inkludiert, wo Du beispielsweise gerade ein Fahrrad ausleihst oder kaufst.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Grundsätzlich nicht – wir setzen nach wie vor neben dem Vertrieb unserer Produkte über den hauseigenen Webshop zentral auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen als Kooperationspartner. In 2016 haben wir noch relativ breit gefächert situative Versicherungen für Sportausrüstung und Erlebnisse vertrieben – beispielsweise Wassersport und Wintersport. Mit zunehmendem Erfolg wollten und mussten wir uns auf einzelne Produktbereiche konzentrieren und wachsen seitdem besonders stark in den Bereichen Fahrrad- und E-Bike-Versicherungen sowie Elektronik. Wir haben viel direkt am Kunden und Partner gelernt und dementsprechend zwar nie unseren Business Case, aber ständig unsere Versicherungsprodukte und deren Distributionsmöglichkeiten angepasst.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Corona hat neben vielen weiteren gesellschaftlichen Veränderungen auch ein Umdenken beim Thema Mobilität bewirkt. Anstatt zu feiern und ins Sportstudio zu gehen sind viele auf das (E-)Bike umgestiegen und verbringen nun deutlich mehr Zeit draußen an der frischen Luft. Dementsprechend ist auch die Nachfrage nach den entsprechenden Policen bei uns und unseren Partnern quasi durch die Decke gegangen. Von April zu Mai konnten wir Buchungen und Umsätze verdoppeln.

Und was waren die Schattenseiten?
Natürlich war nicht alles nur eitel Sonnenschein: Die Umstellung komplett auf Home Office ist uns trotz eines komplett digitalen Geschäftsmodelles nicht so leicht gefallen wie gedacht – Kommunikation auch auf dem Flur ist und bleibt elementar. Mit dem Einbruch der Reisebranche haben wir natürlich auch Geschäft verloren. Alles in allem können wir aber von uns behaupten, in den letzten vier Jahren ein krisensicheres Unternehmen auf die Beine gestellt zu haben.

Euer Firmensitz ist Rostock. Was spricht für Rostock als Startup-Standort?
Die Ostsee, das schöne Wetter und die netten Menschen! Daneben gibt es hier viel Raum, um das Startup-Ökosystem und die gesamte wirtschaftliche Entwicklung mitzugestalten. Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern war und ist zudem einer unserer wichtigsten Unterstützer und Partner.

Wie ist überhaupt die Idee zu Hepster entstanden?
Alles begann 2015 mit der Idee, Unfallversicherungen situationsgerecht und ab einem Tag Laufzeit anzubieten. Alex und ich kommen aus der Versicherungsbranche, haben viele Jahre Erfahrung. Irgendwann konnten wir es kaum mehr fassen, dass sich die Welt da draußen rasant verändert, man alles online kaufen kann – nur die Versicherungsprodukte und deren Distribution schaffen die Anpassung nicht – weder in der Vertragsausgestaltung noch in technischen Lösungen. Im Bereich Sport hat es sich zuerst angeboten, Schritt für Schritt haben wir unsere Produktpalette angepasst. Unser Ziel ist neben der kompletten Digitalisierung der Wertschöpfungskette „Versicherung“ auch deren kontinuierliche Anpassung an die Entwicklungen des Marktes, beispielsweise das Thema New Mobility oder Sharing.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
hepster entwickelt individuelle und maßgeschneiderte Versicherungsprodukte, die sich an den Bedürfnissen der Menschen von heute sowie den Geschäftsmodellen unserer Partner orientieren. Besonderes Augenmerk legen wir auf eine flexible und transparente Vertragsgestaltung sowie einen unkomplizierten Versicherungsabschluss, um ein optimales Kundenerlebnis sicherzustellen. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren sieben Rückversicherern sind schnelle, auf die Bedürfnisse unserer Kooperationspartner angepasste Produktlösungen möglich. Zum einen können Versicherungen im Onlineshop mit wenigen Klicks und komplett digital gebucht werden. Zum anderen können die Versicherungsprodukte mithilfe verschiedener Schnittstellen nahtlos und vollkommen digital in bestehende und neue Prozesse integriert werden. Unsere Technologie ermöglicht die Kommunikation der beteiligten Systeme in alle Richtungen und übermittelt versicherungsrelevante Daten und Dokumente in Echtzeit. Indem wir unsere Versicherungslösungen mit weiteren Dienstleistungen unterstützen, gewährleisten wir unseren Kooperationspartnern und deren Kunden einen Rundum-Service für einen reibungslosen Ablauf. Alle wesentlichen Geschäftsprozesse vom Versicherungsabschluss über die Dokumentenerstellung bis zur Schadensabwicklung sind digital. Darüber hinaus bieten wir ein breites Portfolio an individuellen Services, unter anderem White-Label-, Business-Intelligence- und SaaS-Lösungen.

Wie hat sich Hepster seit der Gründung entwickelt?
Extrem stark. Wir sind von einem recht ahnungslosen Haufen – zu viert in einem Büro – zu einem strukturierten und organisierten Unternehmen mit 34 internen und 5 externen Mitarbeitern gewachsen. Vor vier Jahren sprachen wir über Claims und Visionen – heute sprechen wir über Prozesse und Deckungsbeiträge. Die Lernkurve war und ist sehr steil. Der Markt verändert sich, Kundenbedürfnisse ändern sich und bei aller Organisationsentwicklung versuchen wir den Spagat zwischen der steten Anpassung an diese Bedürfnisse und der Entwicklung von Prozessen zu halten.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen??
Die Zusammenarbeit mit einigen Dienstleistern in Vertrieb und Marketing ging gründlich in die Hose. An dieser Stelle haben wir einige Fehler gemacht! Die meisten Dienstleister beteiligen sich nicht an Entwicklung, sondern sehen ihren Standardprozess in Adaption als gültige Lösung an. Das funktioniert nicht mit einem Geschäftsmodell, das auf der grünen Wiese entstanden ist. Für uns bestand die Herausforderung darin Idee und Markt zusammen zu bringen. Am Ende haben wir alle Teilschritte bis zur endgültigen Marktreife dann intern gelöst.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht??
Außer bei der Wahl unserer Socken haben wir in keinem Bereich alles richtig gemacht. Was wir uns zugutehalten können, ist, dass wir als Gründer immer zusammengehalten haben und dass uns unser Team zu jedem Zeitpunkt extrem wichtig war. Wir haben immer versucht, keine Entscheidungen auf dem Rücken unserer Mitarbeiter auszutragen, sondern neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch den Erfolg als Team nie aus den Augen zu verlieren.

Wo steht Hepster in einem Jahr?
In einem Jahr werden wir in Deutschland Marktführer im Bereich digitale Bike- und E-Bike Versicherungen sein und von diesem Standpunkt aus sowohl vertikal als auch horizontal wachsen. Wir sind neben Deutschland ja bereits in Österreich unterwegs, wir werden in weitere europäische Märkte expandieren und wir werden weitere modulare und individualisierbare Versicherungen entwickeln, die wir aus dieser gestärkten Position heraus vertreiben.

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Foto (oben): Hepster

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.