#Interview “‘Maloche’, sehen wir nicht als romantisches Überbleibsel”

Mit objego können Vermieter die Nebenkostenabrechnungen für Ihre Mieter erstellen. "Viele private Vermieter verwalten ihre Wohnungen noch manuell. Oftmals in mühevoller Kleinarbeit mit selbstgebauten Excel-Listen oder auf Papier", sagt Gründer Philip Rodowski.
“‘Maloche’, sehen wir nicht als romantisches Überbleibsel”

Bei objego aus Essen geht es um Nebenkostenabrechnungen. “Mit objego können Sie schnell und einfach die Nebenkostenabrechnungen für Ihre Mieter erstellen. Die Software unterstützt nicht nur bei der richtigen Umlage Ihrer Kosten, sondern erstellt auch die Kostenübersicht und die Anschreiben für Mieter”, teilen Jörn Reckeweg und Philip Rodowski, die Gründer des 2020 gegründeten PropTech-Startups, mit. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht objego-Macher Rodowski einmal ausführlich über das junge Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter objego erklären?
Stell dir vor, du bist Vermieter und kannst mithilfe unserer Software deine Immobilie völlig digital und automatisch verwalten, ohne lästigen Papierkram. Die Software erklärt dir, worauf du achten musst und nimmt dir Arbeit ab.

Welches Problem genau wollt Ihr mit objego lösen?
Viele private Vermieter verwalten ihre Wohnungen noch manuell. Oftmals in mühevoller Kleinarbeit mit selbstgebauten Excel-Listen oder auf Papier. An dieser Stelle springt objego ein: Wir ermöglichen privaten Vermietern, ihre Immobilie digital, einfach und sicher zu managen. Für den Vermieter bedeutet das weniger Aufwand und mehr Freizeit.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet objego ein Erfolg?
In Deutschland gibt es etwa vier Millionen private Vermieter, die rund 14 Millionen Wohnungen verwalten. Diese Zielgruppe wartet auf eine passende Lösung, die wir auf Basis von Kundenfeedback gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickeln. Außerdem werden wir mit ista und der Aareal Bank – unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden – zwei extrem starke Partner an Bord haben, die diese heterogene Zielgruppe und deren Bedürfnisse bereits bestens kennen.

Wo steht objego in einem Jahr?
Wir sind im Markt etabliert, haben das Team erheblich erweitert und gemeinsam mit unseren Kunden das Produkt erfolgreich weiterentwickelt sowie noch mehr Wissen in die Software bekommen. Wir sind eine attraktive Arbeitgebermarke mit Startup-Mentalität und Unternehmergeist.

Reden wir zudem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Das Ruhrgebiet ist eines der größten Ballungszentren Europas. Entsprechend groß ist die Kreativität und Dynamik so vieler Menschen vor Ort. Die Machermentalität, der hier lebenden Menschen ist der Schlüssel zum Erfolg. “Maloche”, also harte Arbeit, sehen wir hier nicht nur als romantisches Überbleibsel. Auch die fast 300.000 Studenten an 22 Hochschulen sind ein Pfund, viele dieser Talente wollen in Start-ups arbeiten. Da ist es kein Wunder, dass sich hier seit einiger Zeit viel im Bereich Startups und Innovation bewegt.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Essen aus?
Im Ruhrgebiet entwickelt sich eine durchaus spannende Start-up-Szene, die sicher noch am Anfang steht, aber die man aktiv mitgestalten kann. Die Nähe zu großen Unternehmen der Old Economy ist auch ein Vorteil für junge Unternehmen in dieser Region. Beide Seiten sind stark am Austausch interessiert und wollen voneinander lernen. Das ist spannend und macht in dieser Hinsicht den Charme des Ruhrgebiets aus.

Was ist in Essen einfacher als im Rest der Republik?
Mit Leuten ins Gespräch zu kommen und dann auch wirklich in Kontakt zu bleiben. Hier gibt es keine Berührungsängste. Die direkte Art im Ruhrgebiet ist sicherlich ein Türöffner.

Was fehlt in Essen bzw. im Ruhrgebiet noch?
Ein noch stärkeres Ökosystem aus erfolgreichen Gründern, die in der Region in neue kreative Ideen und Unternehmen reinvestieren und somit zur Weiterentwicklung der Start-up-Landschaft im Ruhrgebiet beitragen. Dass teilweise Tech Ressourcen im Ruhrgebiet – wie allerdings überall in Deutschland – fehlen. Wir brauchen in Zukunft mehr Entwickler.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Noch mehr Aufmerksamkeit im Vergleich zu den anderen Start-up-Hochburgen. Zweitens: Weitere international erfolgreiche Gründungen und noch mehr Serial Entrepreneurs, die ihr
Wissen und ihre Erfahrungen vor Ort teilen. Ergo: Auch mehr Besuch von Start-ups aus Berlin!

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhr:HUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

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Foto (oben): objego

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.