#Interview Cannamedical peilt “trotz Corona guten achtstelligen Umsatz” an

"Wir haben das große Glück uns auf der Umsatzseite trotz Corona weiter positiv zu entwickeln. Es hat sich gezeigt, dass wir strukturell und technisch so gut aufgestellt sind, dass die Verlagerung auf das Home Office problemlos gelang", sagt David Henn, Gründer von Cannamedical.
Cannamedical peilt “trotz Corona guten achtstelligen Umsatz” an

In den vergangenen Jahren flossen bereits mehr als 27 Millionen in Cannamedical, ein Startup für medizinisches Cannabis. Das Kölner Unternehmen, das 2016 von David Henn gegründet wurde, ist nach der Legalisierung von Cannabis als medizinisches Produkt im März 2017 an den Start gegangen. “Cannamedical ist inzwischen auf über 50 Vollzeit-Mitarbeiter gewachsen und wird dieses Jahr trotz Corona einen guten achtstelligen Umsatz verzeichnen. Wir sind aktuell das am besten finanzierte Unternehmen im europäischen Cannabis-Segment, was auch mit großer Verantwortung einhergeht”, sagt Gründer Henn. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Cannamedical-Macher außerdem über Lebensqualität, virtuelles Arbeiten und den Berliner Startup-Hype.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Cannamedical erklären?
Cannamedical ist ein marktführendes Pharmaunternehmen, das Patienten Zugang zu qualitativ hochwertigsten, alternativen Therapieformen sichert.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Wir hatten von Anfang an ein klares Konzept für Cannamedical. Gleichzeitig ist es in der Natur von Startups, dass sich Geschäftsmodelle weiterentwickeln und ausbauen. Der Antrieb für uns war schon damals, die Lebensqualität von Patienten zu verbessern. Wir challengen unsere Prozesse und Ziele regelmäßig und ruhen uns nicht auf erreichten Meilensteinen aus. Wir haben hochqualifizierte Teams, die täglich ihr Bestes geben und an Ihre Grenzen gehen um Cannamedical, unsere Produkte und Prozesse noch weiter nach vorne zu bringen.

Wie genau hat sich Cannamedical seit der Gründung entwickelt?
Das Geschäft ist anspruchsvoller geworden. Ein pharmazeutisches Unternehmen zu führen, das im Betäubungsmittel-Geschäft erfolgreich ist, bedeutet auch umfassende Regulatorik sowie das Arzneimittel- und Betäubungsmittelgesetz zu beherrschen. Cannamedical hat als Händler von für den Markt freigegebener Ware aus den Niederlanden angefangen. Inzwischen lassen wir Rohware auf drei Kontinenten produzieren und sind als pharmazeutischer Unternehmer verantwortlich für die vollständige Supply Chain und werden regelmäßig von unseren Überwachungsbehörden auditiert. Rückblickend gehört wohl auch Wahnsinn dazu sich in ein solches Geschäftsmodell zu stürzen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Cannamedical inzwischen?
Cannamedical ist inzwischen auf über 50 Vollzeit-Mitarbeiter gewachsen und wird dieses Jahr trotz Corona einen guten achtstelligen Umsatz verzeichnen. Wir sind aktuell das am besten finanzierte Unternehmen im europäischen Cannabis-Segment, was auch mit großer Verantwortung einhergeht.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr die Auswirkungen?
Wir haben das große Glück uns auf der Umsatzseite trotz Corona weiter positiv zu entwickeln. Unsere Mitarbeiter sind Anfang März ins Home Office umgezogen und ich bin sehr stolz auf mein Team, wie exzellent sie das Arbeiten unter neuen Bedingungen meistern. Wir können trotz der Umstände volle Power zeigen. Es hat sich gezeigt, dass wir strukturell und technisch so gut aufgestellt sind, dass die Verlagerung auf das Home Office problemlos gelang. Dennoch freuen sich unsere Teams schon stark darauf, sich bald wieder persönlich sehen zu können.

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für euer Startup?
Wir glauben, dass sich das virtuelle Arbeiten zwischen den Teams verbessert hat und wir in Zukunft davon profitieren können.

Wie genau bereitet ihr euch auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor?
Wir bereiten unsere “back-to-office”-Strategie sehr gewissenhaft vor. Wir werden unter anderem in zwei Wellen wieder ins Büro zurückkehren. Unser Medical Team hat zudem gemeinsam mit der HR eine Guideline für das Arbeiten im Office erstellt. Zusätzlich bieten wir neben freiwilligen rapid tests und Mundschutzmasken unseren Mitarbeitern natürlich ausreichend Möglichkeiten der Desinfektion und genügend Platz/Abstand zu den Kollegen.

Wo steht Cannamedical in einem Jahr?
Wir investieren aktuell in die Erweiterung des Produktportfolios und werden zu Q4 neben Blüten auch Extrakte anbieten. Parallel expandieren wir in Europa und haben neben der Cannamedical Pharma UK auch unsere Produkte in Polen registriert. Weitere Märkte werden folgen.

Reden wir zudem noch über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Ich war nie ein Fan des Berliner Startup-Hypes und bin überzeugt dort keine Party verpasst zu haben. Als viertgrößte Stadt Deutschlands und Wirtschaftsstandort Nummer 1 in NRW hat Köln für mich genau den Charme, der Berlin fehlt. Köln erfüllt alle Infrastrukturanforderungen, die wir brauchen und wir haben ein hervorragendes Team gefunden. Köln ist der Austragungsort vieler wichtiger Messen, Netzwerktreffen und hat hervorragende Inkubatoren ansässig, die immer auf der Suche nach jungen Gründern mit tollen Ideen sind. Ich habe selbst im Kölner Startplatz angefangen und lege die Adresse jedem Gründer ans Herz. Der Austausch erlaubt verschiedene Blickwinkel und vermeidet viele Fehler, die man am Anfang macht. Darüber hinaus hatten wir großes Glück in unseren lokalen Aufsichtsbehörden faire und sehr lösungsorientierte Aufsichtsbehörden gefunden zu haben.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?
Die Kölner Gründerszene floriert. Wir erleben hier eine attraktive und vor allem aktive Community.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Netzwerken – die Kölner haben doch immer noch ihre ganz eigene, offene Art, die wir sehr zu schätzen wissen.

Was fehlt in Köln noch?
Für mich ist Köln der perfekte Ort um eine Start-up zu gründen, ohne das mir etwas fehlen würde.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Ich wünsche mir für Köln, dass es seinen Platz als Start-Up und Wirtschaftsstandort Nummer 1 in NRW weiter halten und ausbauen kann. Ich wünsche mir, dass es viele weitere erfolgreiche Gründer in Köln geben wird, die das Ökosystem erweitern. Ich wünsche mir, dass sich Köln weniger mit Berlin vergleichen muss und nicht länger als Underdog gehandelt wird.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit circa 400 Startups, über 60 Coworking Spaces, Acceleratoren und Inkubatoren sowie attraktiven Investoren, zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH#Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

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Foto (oben): Cannamedical

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.