#Interview “Hier herrscht ein ganz eigenes Lebensgefühl”

implacheck aus Herne kümmert sich um den Implantatmarkt. Für Endverbraucher ist implacheck kostenlos. "Unsere Partnerpraxen hingegen wählen zwischen drei Mitgliedspaketen und zahlen für Listing sowie viele weitere Vorteile einen monatlichen Beitrag", sagt Gründer Stefan Helka.
“Hier herrscht ein ganz eigenes Lebensgefühl”

Das Herner Startup implacheck versucht seit 2019, Kostentransparenz in den Implantatmarkt zu bringen. “Bisher erschwert es ein undurchsichtiger Markt Patienten und Interessenten, korrekte Informationen zu einer implantologischen Behandlung zu erhalten. Oftmals können Außenstehende nicht richtig einschätzen, was eine hochwertige Versorgung auszeichnet, wie faire Konditionen für einen Eingriff aussehen oder wer sich als behandelnder Arzt eignet. Daher haben wir uns dazu entschlossen, das Startup implacheck zu gründen”, sagt Gründer Stefan Helka, der auch als Leiter  des Implantatzentrums Herne wirkt.

Für Endverbraucher ist implacheck kostenlos. “Unsere Partnerpraxen hingegen wählen zwischen drei Mitgliedspaketen und zahlen für Listing sowie viele weitere Vorteile einen monatlichen Beitrag. Zudem können sich interessierte Zahnärzte unseren Implantatkostenrechner für eine Monatsgebühr als Standalone-Plugin für ihre Webseite sichern. Außerdem sind wir sowohl im Finanzierungs- als auch Versicherungssektor tätig”, führt Helka weiter aus. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der implacheck-Gründer sein Startup einmal ganz genau vor.

Welches Problem wollt ihr mit implacheck lösen?
Unsere Onlineplattform implacheck bringt Kostentransparenz in den Implantatmarkt und vernetzt User mit kompetenten Implantologen in ihrer Nähe. Bisher erschwert es ein undurchsichtiger Markt Patienten und Interessenten, korrekte Informationen zu einer implantologischen Behandlung zu erhalten. Oftmals können Außenstehende nicht richtig einschätzen, was eine hochwertige Versorgung auszeichnet, wie faire Konditionen für einen Eingriff aussehen oder wer sich als behandelnder Arzt eignet. Daher haben wir uns dazu entschlossen, das Start-up implacheck zu gründen.

Jede Woche entstehen Dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet implacheck ein Erfolg?
Unser Konzept bietet sowohl Endverbrauchern als auch Zahnärzten einen reellen Mehrwert. Mussten Patienten für eine Implantatversorgung bisher auf die Erstellung eines Heil- und Kostenplans warten, sorgt implacheck direkt für Klarheit und liefert nach wenigen Klicks einen detaillierten Kostenüberblick. Außerdem haben Nutzer die Option, ein Beratungsgespräch mit einem Implantologen des Netzwerks in ihrer Nähe zu vereinbaren. Partnerpraxen erhalten so Zugang zu neuen Patienten. Dabei begrenzen wir unsere Lizenzen, um eine gewisse Exklusivität zu gewährleisten. Pro 100.000 Einwohner vergeben wir nur eine, damit sich unsere Zahnärzte nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Grundlegend kombiniert implacheck die Funktionen eines Implantatkostenrechners mit Möglichkeiten zur Sofort-Terminvereinbarung und zum Abschließen von Zahnzusatzversicherungen.

Wo steht implacheck in einem Jahr?
In den kommenden zwölf Monaten möchten wir noch mehr kompetente Partnerpraxen für unser Netzwerk gewinnen und dadurch Menschen die Möglichkeit bieten, einen fachlich versierten Implantologen in ihrer Nähe zu finden. Außerdem planen wir den Launch des sogenannten „implanet“, das gebündelt visuell aufbereitete Bild- und Videoinhalte zum Thema Implantologie für Patienten bietet. Mit der ersten Masterclass of Dental Marketing möchten wir darüber hinaus ein Event organisieren, das unsere Partnerpraxen fit für die Digitalisierung macht und sie bei ihrer Online-Positionierung unterstützt.

Reden wir außerdem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Im Ruhrgebiet geht es ehrlich zu. Hier herrscht ein ganz eigenes Lebensgefühl. Meine Co-Founder und ich sind allesamt in der Region verwurzelt, wissen daher die besondere Einstellung der Menschen zu schätzen und profitieren von der unmittelbaren Nähe zu Städten wie Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Co. Zudem stehen den Start-ups dank einer hohen Dichte an Universitäten gut ausgebildete Arbeitnehmer zur Verfügung. Schon jetzt gibt es genügend Erfolgsgeschichten aus dem Pott, die zeigen, wie es künftig weitergehen kann. 

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Herne aus?
Im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen zählt Herne sicherlich nicht zu den Hotspots der Start-up-Szene, doch das muss keinesfalls ein Nachteil sein. Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden. Wir wollen die Möglichkeiten, die sich uns mitten im Ruhrgebiet bieten, wahrnehmen. Aufgrund der guten Infrastruktur gibt es viele Vorteile, wobei die einsetzende Digitalisierung mit ihren Vernetzungsmöglichkeiten uns natürlich auch zugutekommt. So bleiben wir in der Region verwurzelt, sind aber in der Welt zu Hause. 

Was ist Herne einfacher als im Rest der Republik?
Sicherlich ist die Start-up-Konkurrenz in Herne nicht so groß wie in anderen Städten. Allein deswegen fallen wir in unserer Umgebung auf und können mit unserem Alleinstellungsmerkmal „Kostentransparenz im Implantatmarkt“ auf uns aufmerksam machen. Wir haben Glück, dass die Stadt Herne Existenzgründern offen gegenübersteht, entsprechend handelt und Unterstützung bietet. Außerdem ist es hier wahrscheinlich einfacher, gute Büroräume zu fairen Preisen zu bekommen.

Was fehlt in Herne bzw. im Ruhrgebiet noch?
In den Köpfen vieler Menschen findet das Ruhrgebiet leider nicht wirklich statt. Oftmals verbinden sie den Pott nur mit Kohle und Stahl, statt die vielen spannenden Projekte kennenzulernen. In der Region leben mehrere Millionen Menschen, die riesiges Potenzial besitzen. Hier müssen wir ansetzen und dafür sorgen, diese Seite bekannter zu machen und als neue Marke aufzubauen. 

Zum Schluss hast du drei Wünsche frei: Was wünscht du dir für den Start-up-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Ich wünsche mir mehr Events, auf denen innovative Ideen potenziellen Investoren präsentiert werden können, wobei hierfür bereits einige Schritte in die richtige Richtung unternommen wurden wie beispielsweise die Initiativen ruhrgründer.de oder startUP.ruhr. Zweitens: Mehr Selbstbewusstsein für die Region. Im Moment verkauft sich das Ruhrgebiet noch unter Wert. Drittens: Last but not least steht auf der Wunschliste, dass mehr Menschen darüber informiert werden, wie sie Unternehmen gründen oder Teil der Start-up-Kultur sein können. Leider gilt für viele immer noch der Glaubenssatz, dass Gründen nur etwas für die ist, die keinen Erfolg in traditionellen Unternehmen haben. Diese Vorstellung fängt schon bei der Erziehung der Eltern und in der Schule an. Generell haben wir in Deutschland mit Hinblick auf diese Perspektive einen langen Weg zu gehen.

 

 

 

 

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.